Gero Knüfer zum Hays Fachkräfteindex Q3+Q4/2017

Von Gero Knüfer, Division Manager Finance bei der Hays (Schweiz) AG.

Von Alessandro Monachesi, science communications

Gleich auf den ersten Blick fällt der extreme Verlauf der Nachfrage nach Riskmanagers auf: Im 3. Quartal macht die Kurve einen tiefen Taucher, um im Quartal darauf wieder stark anzusteigen – wenn auch nicht auf dasselbe Niveau wie zuvor. Wie lässt sich das erklären? Was ist hier passiert?

Gero Knüfer, Division Manager bei der Hays (Schweiz) AG: Lassen Sie mich zunächst zwei, drei Sätze zur Tätigkeit und Position des Riskmanagers sagen. Der Riskmanager hat je nach Unternehmen unterschiedliche Aufgaben. Abhängig von Schwerpunkt und beruflicher Herkunft der einzelnen Person (z.B. Controller oder Treasurer) reicht sein Aufgabenbereich bis hin zum Treasury/Cash-Flow-Management oder zur Unternehmensstrategie. Gerade in kleineren Unternehmen, wo eine Person häufig verschiedene Rollen besetzt, findet man immer wieder als Controller oder Treasurer bezeichnete Positionen, die eigentlich die Arbeit eines Riskmanagers machen.

«Viele der im Index beobachteten Funktionen werden zusehends aus Kostengründen ausgelagert oder fallen im Rahmen der zunehmenden Automatisierung weg.» Gero Knüfer, Division Manager bei der Hays (Schweiz) AG

Diese erscheinen aber nicht als solche in der Statistik. Die Gesamtzahl der Positionen im Riskmanagement ist daher begrenzt, sodass sich eine Änderung stark auf die Statistik auswirkt. Zudem wechseln die Kandidaten nicht so oft ihre Position. Wenn dann aber eine Firma oder auch mehrere umstrukturieren und somit Bewegung in den Markt kommt, wirkt sich das eben auch deutlich auf die Statistik aus. Genau das scheint hier passiert zu sein: Es wurden Riskmanager gesucht und auch gefunden, worauf die Nachfrage natürlich zurückgeht.

Die Gesamtnachfrage ist im zweiten Halbjahr 2017 erneut zurückgegangen. Damit befindet sie sich seit Jahresmitte 2014 fast durchgehend im Sinkflug. Welche Entwicklungen wirken sich hier so negativ auf die Nachfrage aus?

Der Finance-Markt befindet sich zurzeit im Umbruch aufgrund der Digitalisierung und der damit verbundenen Automatisation. Immer mehr Prozesse können automatisiert werden, noch ist aber nicht ganz klar auf welche Weise, in welchem Umfang und wie gut. Daraus entsteht eine gewisse Unsicherheit, in welchen Positionen wie viele und welche Fachkräfte benötigt werden. Sobald diese Fragen geklärt sind und Planungssicherheit für die Unternehmen besteht, regelt sich diese Ungewissheit wieder. An dem Punkt sind wir aber noch nicht ganz.

Die Gesamtnachfrage sowie die Nachfragen in einzelnen Skill-Bereichen nähern sich der 50er-Marke. Dies bedeutet ja nichts anderes, als dass die Nachfrage bald nur noch halb so hoch ausfällt wie im 1. Quartal 2011, dem Zeitpunkt des Referenzwertes. Wie unterscheidet sich denn die aktuelle Lage für Finanzexperten von damals? Was hat sich in der Zwischenzeit geändert?

Viele der im Index beobachteten Funktionen werden zusehends aus Kostengründen ausgelagert oder fallen im Rahmen der zunehmenden Automatisierung weg. Die betrifft gerade viele Einstiegspositionen im Bereich Payroll-Accounting, die beispielsweise durch Financial Shared Service Center abgewickelt werden können. Das gleiche gilt auch für bestimmte Bereich des Controllings. Andererseits werden anspruchsvolle Positionen – wie eben die des Riskmanagers – aufgrund der komplexer werdenden Wirtschafts- und Rechtslage sicherlich erhalten bleiben, und daraus werden auch neue Positionen entstehen. Früher hatte eine Person als kaufmännischer Leiter mehrere Ressorts im Unternehmen inne. Heute werden diese Ressorts je nach Branche auf verschiedene Personen verteilt.

Innerhalb eines Jahres besonders stark zurückgegangen ist die Nachfrage nach Auditoren, und zwar von 139 zum Jahresende 2016 auf aktuell nurmehr 51. Haben Sie dafür eine Erklärung? Wird sich die Nachfrage hier wieder erholen?

Hier sehen wir sicherlich ebenfalls eine Auswirkung der anhaltenden Automatisierung. Insbesondere einfachere Audits werden vermehrt automatisiert werden, daher benötigen die Firmen einfach nicht mehr so viele Auditoren wie früher. Hinzu kommt ein genereller Trend zur Projektarbeit, sodass man einen Auditor eben auch für eine begrenzte Zeit projektbezogen einstellen kann.

Was denken Sie, wie sich die Nachfrage in der ersten Jahreshälfte entwickeln wird?

Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage im 2. Quartal 2018 wieder leicht wachsen wird. Allerdings erwarte ich einen eher verhaltenen Anstieg.

Über Hays
Hays plc. ist ein weltweit führender Personaldienstleister für die Rekrutierung von hoch qualifizierten Spezialisten. Das Unternehmen ist im privaten wie im öffentlichen Sektor tätig und vermittelt Spezialisten für Festanstellungen, Projektarbeit und im Personalverleih. Das Unternehmen beschäftigt weltweit über 10 000 Mitarbeiter in 33 Ländern und erzielte im Geschäftsjahr 2016/2017 Erlöse von 6,09 Mrd. Euro. In der Schweiz vermittelt Hays Spezialisten aus den Bereichen IT, Engineering, Construction & Property, Life Sciences, Finance, Sales & Marketing, Legal, Retail sowie Healthcare. Hays ist in der Schweiz mit Filialen in Basel, Bern, Genf und Zürich vertreten.
Weitere Informationen zum Unternehmen: www.hays.ch

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