KOF Konjunkturprognose: Erdölpreisschock bremst Schweizer Wirtschaft

(Bild: Adobe Stock)

Zürich – Der Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran und die daraus resultierenden höheren Erdölpreise belasten die wirtschaftlichen Aussichten stärker als in der letzten Prognose unterstellt. Vor diesem Hintergrund senkt das KOF Institut seine Konjunkturprognose: Für 2026 wird ein sportbereinigtes reales BIP-Wachstum von 0.8% erwartet (zuvor 1.0%), für 2027 von 1.5% (zuvor 1.7%).

Infolge des Krieges der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran war die Strasse von Hormus in den letzten Monaten für den Schiffsverkehr praktisch geschlossen. Die Ölpreise stiegen auf rund 118 US-Dollar pro Barrel Ende April, bevor sie sich bis Ende Mai auf knapp über 90 US-Dollar zurückbildeten. In der Basisprognose geht das KOF Institut davon aus, dass die Energiepreise durch eine graduelle Entspannung der Situation gemäss den Ölpreis-Futures weiter sinken und am Ende des Prognosezeitraums wieder unter 80 US-Dollar fallen werden.

Schweizer Wirtschaft wächst schwächer infolge des Erdölpreisschocks
Die erhöhten Energiepreise und die hohe Unsicherheit belasten die Konsumbereitschaft. Der private Konsum stagnierte im ersten Quartal 2026 und die Konsumentenstimmung sank auf ein Niveau vergleichbar mit dem Zollschocktief im April 2025. Indikatoren für das laufende Quartal deuten auf eine verhaltene Erholung hin, doch dürfte der private Konsum durch anhaltenden Inflationsdruck, eine höhere Sparneigung sowie die schwache Lage am Arbeitsmarkt gedämpft bleiben.

Die Investitionstätigkeit bleibt insgesamt schwach. Hohe geopolitische Unsicherheit, eine eingetrübte Ertragslage und eine geringe Kapazitätsauslastung lasten auf den Ausrüstungsinvestitionen. Die Bauinvestitionen dürften auf einem moderatem Wachstumskurs bleiben, wenngleich steigende Baupreise infolge höherer Energiekosten ein Risikofaktor darstellen. Mit einer graduellen Entspannung der geopolitischen Lage dürfte die Investitionsneigung erst 2027 wieder merklich anziehen.

Die schwache Auslandsnachfrage sowie ein starker Schweizer Franken setzen die Exportindustrie unter Druck. Die Geschäftslage bleibt zweigeteilt: Die Pharma- und Chemieindustrie entwickelt sich positiv, während konjunktursensible Bereiche wie die Uhren- und Maschinenindustrie eingetrübt bleiben. Höhere Energiepreise und eine anhaltend schwache Auslandsnachfrage dürften den Ausblick für den Warenhandel vorerst trüben; eine breitere Erholung ist erst mit einer graduellen Entspannung der geopolitischen Lage und nachlassendem Energiepreisdruck zu erwarten.

Anhaltend hohe Ölpreise als erhebliches Abwärtsrisiko
Neben der Basisprognose analysiert das KOF Institut ein Alternativszenario, in dem der Konflikt, trotz jüngsten Bestrebungen, anhält und der Ölpreis bis Ende 2026 auf 180 US-Dollar pro Barrel steigt. Gemäss den Schätzungen des KOF Instituts läge das sportbereinigte Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) in diesem Szenario 2026 bei 0.5% und 2027 bei 1.0% – eine Reduktion um 0.3 bzw. 0.5 Prozentpunkte gegenüber dem Basisszenario. Die Inflation läge 2026 bei 1.3% und 2027 bei 0.9%, womit sie jedoch weiterhin im Zielband der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verbleibt. Das Beschäftigungswachstum würde sich deutlich abschwächen, was einem um rund 19’000 geringeren Aufbau von Vollzeitstellen entspräche.

Weltwirtschaft unter Druck
Die Weltwirtschaft expandiert nur verhalten. Im Euroraum verlief das erste Quartal 2026 schwächer als erwartet. Die Stimmungsindikatoren verschlechterten sich zuletzt in allen Ländern und Sektoren deutlich. Die konjunkturelle Dynamik dürfte im Euroraum aufgrund höherer Energiepreise, restriktiverer Finanzierungsbedingungen und anhaltend erhöhter Unsicherheit vorerst schwach bleiben. In den Vereinigten Staaten konnte die wirtschaftliche Schwäche infolge des Regierungsstillstands Ende 2025 im ersten Quartal teilweise aufgeholt werden. Als Nettoexporteur ist die US-Wirtschaft vom Ölpreisschock nur begrenzt direkt betroffen. Während die Investitionen durch den KI-Boom profitieren, verliert der private Konsum spürbar an Dynamik. China dürfte trotz eines starken ersten Quartals, getrieben von kräftigen Aussenhandelszahlen im Zuge des KI-Booms, aufgrund einer schwächeren Weltnachfrage im weiteren Jahresverlauf an Wachstumsdynamik verlieren.

Inflationsanstieg bleibt moderat – SNB belässt Leitzins bei null
Die Inflation, gemessen am Landesindex der Konsumentenpreise (LIK), ist seit Februar von 0.1% auf 0.6% gestiegen. Die Inflationsprognose für 2026 wird gegenüber der letzten Prognose von 0.3% auf 0.6% hoch revidiert. Haupttreiber sind die gestiegenen Erdölpreise und Reisekosten infolge des Iran-Krieges. Aufgrund der eher schwachen gesamt-wirtschaftlichen Nachfrage dürften Zweitrundeneffekte relativ verhalten bleiben. Zusätzlich dürfte der starke Franken den Preisdruck aus dem Ausland gering halten. Die Inflationsprognose für 2027 bleibt unverändert bei 0.6%. Das KOF Institut erwartet im gesamten Prognosezeitraum keine Zinsschritte durch die SNB; der Leitzins dürfte weiterhin bei null verharren.

Keine baldige Aufhellung am Arbeitsmarkt
Der Schweizer Arbeitsmarkt stagnierte 2025 weitgehend. Das erste Quartal 2026 deutet zwar auf eine leicht bessere Dynamik hin, doch zeigen die Vorlaufindikatoren bislang keine wesentliche Aufhellung. Die Beschäftigung in Vollzeitäquivalenten dürfte 2026 um 0.5% und 2027 um 0.7% wachsen. Die Arbeitslosenquote dürfte 2026 auf 5.1% gemäss Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) und 3.1% gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) steigen und 2027 vorerst auf hohem Niveau bleiben. Die Reallöhne dürften dank weiterhin positivem Nominallohnwachstum auch im Prognosezeitraum zunehmen, das Wachstum fällt jedoch wegen der höheren Inflation schwächer aus als in den Vorjahren.

Abwärtsrisiken überwiegen
Die Basisprognose geht von einer relativ zeitnahen Einigung im Iran-Krieg aus. Ein Anhalten sowie eine erneute Eskalation des Konflikts stellen ein Abwärtsrisiko dar. Daneben bestehen erhöhte handels- und geopolitische Risiken, darunter mögliche zusätzliche US-Zölle gegenüber der Schweiz sowie mögliche Verlagerungseffekte von Investitionen Schweizer Unternehmen in die USA. Aufwärtsrisiken ergeben sich aus den fiskalischen Impulsen der europäischen Rüstungsprogramme und Infrastrukturpakete sowie aus höheren Produktivitätsgewinnen durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Eine im Vergleich zum Basisszenario raschere Deeskalation des Iran-Krieges würde ebenfalls ein Aufwärtsrisiko darstellen, da Energiepreise und Unsicherheit früher und schneller zurückgehen könnten. (awp/mc/pg)

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