KOF: Ölpreisschock würde Schweizer Wirtschaft zusätzlich belasten

Konjunktur

(Adobe Stock)

Zürich – Die Neuordnung der US-Zollpolitik und der Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran prägen die aktuelle Konjunkturprognose. Unter der Annahme begrenzter wirtschaftlicher Folgen für die Schweiz erwartet das KOF Institut für 2026 ein sportbereinigtes reales BIP-Wachstum von 1.0%, für 2027 von 1.7%. Bei dauerhaft um 30% höheren Ölpreisen fiele das BIP Ende 2027 um 0.6% tiefer aus als in der Basisprognose.

Die aktuelle Konjunkturprognose steht weiterhin im Zeichen hoher handels- und geopolitischer Unsicherheit. Im Zentrum der handelspolitischen Risiken steht die Neuordnung der US-Zollpolitik. Ein Entscheid des Obersten Gerichts der Vereinigten Staaten ersetzte die zuvor geltenden länderspezifischen Zölle durch einen generellen Basistarif von 10%, kurz darauf wurde eine erneute Erhöhung auf 15% angekündigt. Damit wurde das Eskalationspotenzial der bisherigen Zollpolitik zwar begrenzt, die Handelshemmnisse für exportorientierte Branchen bleiben jedoch erhöht.

Zusätzlich hat sich das geopolitische Umfeld durch den seit Ende Februar andauernden Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran deutlich verschärft. Der Konflikt führte zu einem Anstieg der Öl- und Gaspreise und sorgt für Störungen einer wichtigen Handelsroute, der Strasse von Hormus. In der Basisprognose wird davon ausgegangen, dass die wirtschaftlichen Folgen für die Schweiz begrenzt bleiben und sich die Energiepreise nach einem anfänglichen Schock wieder normalisieren.

Höhere Ölpreise würden das Wachstum zusätzlich bremsen
Neben der Basisprognose analysiert das KOF Institut ein Alternativszenario mit dauerhaft erhöhten Energiepreisen. In diesem Szenario setzt der Ölpreis bei rund 90 US-Dollar pro Barrel auf und bleibt über den gesamten Prognosezeitraum erhöht, was einem Aufschlag von etwa 30% zum Basisszenario entspricht. Zwar wird keine ausgeprägte Mangellage unterstellt, dauerhaft höhere Energiepreise würden jedoch Produktion, Lieferketten und Konsum zusätzlich belasten.

Gemäss den Schätzungen des KOF Instituts würde das sportbereinigte Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Schweiz im Ölpreisszenario 2026 auf 0.7% und 2027 auf 1.5% sinken. Ende 2027 läge das BIP damit 0.6% unter jenem des Basisszenario. Gleichzeitig würde sich das Beschäftigungswachstum abschwächen; der Aufbau von Stellen fiele um rund 20’000 Vollzeitäquivalente geringer aus. Die Arbeitslosenquote läge 2027 bei 3.1% und damit um 0.1 Prozentpunkte höher. Die Inflation würde 2026 von 0.3% auf 0.6% und 2027 von 0.6% auf 0.8% steigen.

Weltwirtschaft wächst nur moderat
Die Weltwirtschaft expandiert weiterhin nur moderat. Die wirtschaftliche Aktivität entwickelt sich im Euroraum langsam etwas günstiger. In Deutschland gehen die moderaten Wachstumsimpulse vor allem von staatlichen Ausgaben sowie von einer verbesserten Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe aus. In den Vereinigten Staaten verlor die Wirtschaft zuletzt an Schwung und stagnierte, wie auch aus revidierten Arbeitsmarktdaten hervorgeht. Die Aussichten bleiben verhalten positiv. Das schwächelnde Wachstum in China wird weiterhin vor allem von Investitionen und dem Aussenhandel getragen.

Das KOF Institut geht somit davon aus, dass sich die europäische Konjunktur im Verlauf des Prognosezeitraums leicht verbessern dürfte. Insgesamt bleiben die Impulse aus dem Ausland für die Schweizer Wirtschaft jedoch begrenzt.

Binnenkonjunktur stützt – Investitionen und Aussenhandel bleiben verhalten
Vor diesem Hintergrund wächst die Schweizer Wirtschaft vorerst unter Potenzial. Eine wichtige Stütze bleibt der private Konsum. Er entwickelte sich zuletzt robust und dürfte trotz schwächerem Arbeitsmarkt dank tiefer Inflation und stabilem Lohnwachstum auch im Prognosezeitraum robust bleiben. Demgegenüber dürfte der Staatskonsum nur moderat zunehmen. Geplante Konsolidierungsmassnahmen des Bundes im Rahmen des Entlastungspakets 2027 wirken dämpfend.

Die Investitionstätigkeit bleibt insgesamt eher schwach. Hohe wirtschaftspolitische Unsicherheit, eine schwache Ertragslage und eine geringe Kapazitätsauslastung lasten weiterhin auf den Ausrüstungsinvestitionen. Zwar zeigen Umfragedaten zuletzt gewisse Stabilisierungstendenzen, eine breitere Belebung ist jedoch erst im weiteren Verlauf des Prognosezeitraums zu erwarten. Bei den Bauinvestitionen zeigen sich erste Anzeichen einer Erholung, gestützt durch ein günstiges Zinsumfeld sowie steigende Baugesuche und -bewilligungen im Wohnungsbau.

Auch der Aussenhandel bleibt von Unsicherheit geprägt. Die Warenexporte wurden zuletzt vor allem von der Chemie- und Pharmaindustrie getragen, während zyklischere Branchen wie Uhren, Maschinen und Elektronik weiterhin unter der schwachen internationalen Nachfrage leiden. Die jüngste Zollentlastung gegenüber den Vereinigten Staaten verbessert zwar die Ausgangslage für Teile der Industrie, wird jedoch durch die erhöhte geopolitische Unsicherheit teilweise kompensiert. Insgesamt rechnet das KOF Institut mit einer moderaten Exportentwicklung. Da die Importe voraussichtlich stärker zunehmen als die Exporte, dürfte der Aussenbeitrag gering ausfallen.

Arbeitsmarkt stabilisiert sich nur langsam – Inflationsdruck bleibt gering
Der Schweizer Arbeitsmarkt blieb 2025 gedämpft, zeigte gegen Jahresende aber erste Stabilisierungstendenzen. Vorlaufindikatoren deuten darauf hin, dass sich die Lage am aktuellen Rand leicht verbessert hat. Die Beschäftigung dürfte nach dem schwachen Jahr 2025 im Verlauf des Jahres 2026 wieder moderat wachsen. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote zunächst noch bis Mitte 2026 leicht ansteigt und erst danach etwas zurückgeht. Die Reallöhne dürften im Prognosezeitraum weiter zulegen.

Der Inflationsdruck bleibt insgesamt gering. Die Teuerung bewegt sich seit längerer Zeit knapp über null, auch die Kernrate liegt auf sehr tiefem Niveau. Haupttreiber bleiben die Mieten und die inländischen Dienstleistungen, während inländische Waren und Importe weiterhin dämpfend wirken. Die Aufwertung des Schweizer Frankens wirkt zusätzlich disinflationär. Das KOF Institut erwartet deshalb, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum bei 0% belässt.

Abwärtsrisiken haben zugenommen
Die Prognoserisiken bleiben erheblich und sind überwiegend abwärtsgerichtet. Zwar hat der Entscheid des Obersten Gerichts der USA den Handlungsspielraum der US-Regierung bei neuen Zöllen eingeschränkt, weitere handelspolitische Massnahmen bleiben jedoch möglich. Insbesondere könnte der Druck der US-Regierung zur Senkung der Preise von Pharmaprodukten die Schweizer Pharmabranche stark belasten. Zudem ist unklar, ob zugesagte Investitionen Schweizer Unternehmen in den USA zu Verlagerungseffekten führen und damit die Investitionstätigkeit in der Schweiz dämpfen.

Auf internationaler Ebene birgt der Krieg im Iran das Risiko länger anhaltend hoher Öl- und Gaspreise sowie von Störungen globaler Lieferketten. Eine konfliktbedingte weitere Aufwertung des Schweizer Frankens würde die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft zusätzlich schwächen. Hinzu kommen Risiken im Zusammenhang mit hohen Staatsverschuldungen in mehreren entwickelten Volkswirtschaften sowie möglichen Verwerfungen auf Arbeits- und Finanzmärkten infolge von Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Digitalisierung.

Aufwärtsrisiken ergeben sich hingegen aus einer möglichen Entspannung der handels- und geopolitischen Konflikte, stärkeren Produktivitätsgewinnen dank Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung sowie effektiveren fiskalischen Impulsen in Europa. (mc/pg)

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