KOF-Konjunkturumfrage: Geschäftslageindikator im Sturzflug

(Bild: © Kurhan / AdobeStock)

Zürich – Die Schweizer Unternehmen bewerten ihre Lage wegen der Covid-19-Pandemie als sehr schlecht. Aber nicht nur das, auch beim Blick nach vorne sind die meisten Unternehmen sehr pessimistisch.

So ist der Geschäftslageindikator der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich im April abgestürzt. Die Schweizer Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage noch negativer als während der Finanzkrise vor gut zehn Jahren, wie es am Dienstag hiess.

«Das Coronavirus hat die Wirtschaft aus ihrer konjunkturellen Umlaufbahn katapultiert», sagte Klaus Abberger, Leiter der KOF-Konjunkturumfragen. «Die Wirtschaft hat eine Vollbremsung hingelegt.»

Gleichzeitig hob der Ökonom am Dienstag während einer Videokonferenz hervor, dass die Coronakrise sämtliche Branchen vor allem auf der Nachfrageseite getroffen hat. Dagegen hätten die meisten Unternehmen mit Blick auf die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Vorprodukten und ähnlichem nur eine leichte Beeinträchtigung ausgemacht.

Alle Wirtschaftszweige betroffen
Die Pandemie hat Spuren in allen Wirtschaftsbereichen hinterlassen. «Die Schweizer Wirtschaft ächzt in ihrer kompletten Breite unter der den Massnahmen und Folgen der Coronakrise», sagte Abberger.

Gleichzeitig sei in Branchen wie dem Verarbeitenden Gewerbe oder auch teilweise der Baubranche zu beobachten, dass eine starke Auftragslage in den ersten Monaten dieses Jahres den Absturz ab März etwas abgefedert hätten, wie es in einer Mitteilung des KOF zudem hiess.

Allerdings dürften neue Aufträge nur noch spärlich hereinkommen. Beim Blick in die Zukunft sind die Unternehmen daher noch pessimistischer als während der Finanzkrise. Hier sei vor allem hervorzugheben, dass die Banken zwar mit einer steigenden Kreditnachfrage bei den Firmenkunden rechneten, bei den Privatkunden dürfte sie dagegen eher rückläufig sein.

Derweil seien die Bewertungen im Detailhandel und auch im Gastgewerbe eher selbst erklärend: In beiden Branchen ist die Bewertung der aktuellen Geschäftslage eingebrochen, so Abberger weiter. So ist das Gastgewerbe von der Pandemie überrollt worden.

Dienstleistungsbranche vor Herausforderung
Aber auch der Detailhandel ist wegen der Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in vielen Sparten zum Erliegen gekommen. Der Geschäftsindikator ist entsprechend auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren abgesackt. Was für Ökonom Abberger hier allerdings für eine gewisse Überraschung sorgt sind die Erwartungen für die künftige Preisentwicklung. Denn diese sind recht stabil. «Das könnte man so lesen, dass die Detailhändler nicht planen, mit Kampfpreisen an den Markt zurückzukommen.»

Darüber hinaus zählt der KOF-Experte auch den Dienstleistungssektor zu den grossen Verlieren der Coronakrise. Die Geschäftslage werde deutlich schlechter als etwa in der Finanzkrise 2009 eingestuft, hiess es. Die Dienstleistungsunternehmen würden einen schärferen Nachfragerückgang erwarten als damals.

Dieser Pessimismus durchziehe dabei viele Bereiche des Sektors: Sowohl im Bereich Verkehr, Information, Kommunikation als auch in den Bereichen wirtschaftliche Dienstleistungen und persönliche Dienstleistungen seien die Nachfrageerwartungen deutlich negativer als während der Finanzkrise. (awp/mc/ps)

KOF

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