OECD rechnet für die Schweiz ab 2027 mit Wachstumsbeschleunigung

Konjunktur

(Pexels)

Paris – Die Schweizer Konjunktur dürfte laut der Wirtschaftsorganisation OECD nach einem gedämpften Wachstum im laufenden Jahr 2027 Fahrt gewinnen. Wichtigster Treiber bleibt dabei die Binnennachfrage, während das Umfeld für die Exportbranchen anspruchsvoll bleibt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet für die Schweiz im Jahr 2026 mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1,1 Prozent, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten «Economic Outlook» hervorgeht. 2027 dürfte das Wachstum dann auf 1,5 Prozent anziehen.

Damit hat die OECD die Erwartungen an 2026 leicht gesenkt und jene für 2027 angehoben. In der im Dezember publizierten Prognose wurde ein BIP-Wachstum von je 1,2 Prozent erwartet. 2025 war das BIP laut vorläufigen Ergebnissen um 1,3 Prozent gewachsen und blieb so unter dem Schnitt der letzten zehn Jahre (+1,8 Prozent).

Unsicheres Umfeld für Exportwirtschaft
Die Inlandsnachfrage bleibe wichtigster Wachstumstreiber für die Schweiz, während höhere Energiepreise und das unsichere aussenwirtschaftliche Umfeld die Auslandsnachfrage belasten dürften, hielt die OECD fest. Die Schweiz sei aber weniger von Öl und Gas abhängig als andere Länder.

Die für die Exportwirtschaft belastenden Elemente dürften laut OECD nach 2026 abklingen, wenn die weltweite Nachfrage wieder anziehe. Zugleich rechnen die Experten mit einer leichten Zunahme der Inflation, die aber aufgrund der geringen Energieintensität hierzulande tief bleibe. Ein Risiko sind neue Handelszölle.

Mit Blick auf die Geldpolitik rechnet die OECD damit, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins weiter bei Null hält. Dabei wirkten höhere Energiepreise den von der Währungsaufwertung verursachten desinflationären Tendenzen entgegen. Die Wiedereinführung von Negativzinsen sei nicht erforderlich.

Handlungsbedarf bei den Staatsausgaben
Gleichzeitig kommt die OECD zum Schluss, dass die Schweiz ihre Staatsausgaben reformieren sollte. Andernfalls drohen diese aus dem Ruder zu laufen. Gleichzeitig warnt die OECD davor, nicht zu stark auf die Sparbremse zu treten. Die OECD rechnet in der Schweiz insbesondere für 2027 mit Kürzungen auf der Ausgabenseite. Das sei nötig, damit auf Bundesebene das Instrument der Schuldenbremse eingehalten werden könne. Die Sparbemühungen bergen laut der OECD aber auch die Gefahr, wirksame und wachstumsfördernde Programme zu schwächen. Dieses Risiko könne mit systematischen und regelmässigen Spending Reviews eingegrenzt werden. Ziel der Schweiz müsse es sein, das im internationalen Vergleich niedrige öffentliche Ausgabenniveau zu wahren, ohne das Wachstum zu schwächen.

Reformen sind nötig
Um den langfristigen Ausgabendruck einzudämmen, seien allerdings grosse Reformprojekte erforderlich. Handlungsbedarf sieht die OECD etwa im Gesundheitswesen. Da könne die Ausgabeneffizienz erhöht werden, indem Managed-Care-Modelle weiter gefördert und die Überversorgung durch einen strenger geregelten Zugang zu fachmedizinischen Behandlungen verringert werden.

Um die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Verschuldung zu sichern, brauche es allerdings in erster Linie ehrgeizige Rentenreformen, so die OECD weiter. Geplante Haushaltskürzungen oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, sofern diese verabschiedet wird, würden den Finanzierungssaldo nur geringfügig verbessern. (awp/mc/pg)

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