Rieter schliesst Fabrik in Winterthur

Rieter

(Foto: Rieter)

Winterthur – Eine der traditionsreichsten Fabriken der Schweiz schliesst ihre Tore für immer: Rieter gibt die Produktion von Spinnereimaschinen in Winterthur auf. 87 Stellen verschwinden.

Nach fast 200 Jahren ist Schluss. Am Rieter-Sitz im Winterthurer Stadtteil Töss, wo die industrielle Revolution der Schweiz mit ihren Anfang nahm, werden bald keine Maschinen mehr zur Garnherstellung produziert. Ihre Fertigung wird nach China und Indien verlagert.

Rieter-Chef Norbert Klapper begründete dies am Mittwoch an einer Telefonkonferenz mit der Verlagerung der ganzen Textilindustrie nach Asien. Zudem sei in der Spinnereiindustrie das Qualitätssiegel «Made in Switzerland» für die Kundschaft nicht mehr wichtig. «Es ist auch bei Premium-Maschinen kein Differenzierungsmerkmal mehr», so der CEO.

Neuer Hauptsitz geplant
Die Schliessung ist der Abschluss einer langen Entwicklung. Schon in den letzten Jahrzehnten und Jahren wurde die Produktion Schritt für Schritt nach Asien verlagert. Jetzt gehen auch noch die letzten 87 Stellen in der Winterthurer Fertigung verloren.

Anschliessend wird die Belegschaft in Winterthur laut Klapper noch 550 bis 580 Stellen umfassen. Am Hauptsitz sollen etwa nach wie vor das Management, der weltweite Verkauf und die Entwicklungsabteilung ansässig sein.

Die verbleibenden Angestellten in Winterthur sollen im Übrigen bald neue Arbeitsplätze bekommen. Rieter will bekanntlich 80 Millionen Franken in einen «Campus» investieren. Das Unternehmen hofft, noch im laufenden Jahr mit den Bauarbeiten beginnen zu können. «Das ist ein Bekenntnis zum Standort», sagte Firmenchef Klapper. Er betonte ausserdem, dass Rieter in der Schweiz weiterhin in Rapperswil, Pfäffikon und Horgen produzieren werde.

Abbau auch sonst in Europa
Abgesehen von Winterthur kommt es auch an anderen europäischen Rieter-Niederlassungen zu einem Stellenabbau, konkret in Deutschland, Holland und Tschechien. Hier sollen insgesamt 90 Jobs wegfallen.

Mit dem Abbau will Rieter die jährlichen Kosten ab 2021 um 15 Millionen Franken verringern. Zunächst sei jedoch mit einem Aufwand in gleicher Höhe zu rechnen. Schon im Vorjahr wurden rund 5 Prozent der Belegschaft abgebaut. Aktuell beschäftigt Rieter weltweit noch rund 4’700 Mitarbeiter.

Nachfrageflaute
Rieter muss auch sparen, weil die Nachfrage seit einiger Zeit schwach ist. Gründe dafür seien der Handelskonflikt zwischen den USA und China, Überkapazitäten in den Spinnereien sowie politische und ökonomische Unsicherheiten in Regionen, die für Rieter wichtig sind. Dies gilt etwa für die Türkei, wo der Umsatz um 57 Prozent einbrach.

Insgesamt nahm der Umsatz 2019 um 29 Prozent auf 760,0 Millionen Franken ab. Die genauen Gewinnzahlen wird Rieter zwar erst am 10. März veröffentlichen. Gleichwohl wurden bereits ziemlich genaue Angaben gemacht. So werde die Betriebsgewinn-Marge bei rund 11 Prozent und die Reingewinnmarge bei rund 7 Prozent erwartet, hiess es.

Somit dürfte ein Reingewinn von gut 50 Millionen resultieren. Diese Kennzahl wurde jedoch massgeblich durch einen Sondereffekt positiv beeinflusst. So spülte der Verkauf eines nicht mehr benötigten Fabrikareals im deutschen Ingolstadt bekanntlich rund 60 Millionen Euro in die Kassen. Ohne diesen Effekt hätten somit rote Zahlen resultiert.

Keine rasche Besserung
Rasche Besserung ist nicht in Sicht. Im Ausblick erwartet die Gesellschaft, dass im ersten Halbjahr 2020 ein Umsatz und Ergebnis «deutlich unter Vorjahr» resultieren werden.

Immerhin gibt es gewisse Anzeichen für eine leichte Erholung. So hätten die Bestellungen im vierten Quartal 2019 angezogen, hiess es. CEO Klapper wollte aber keine Aussage dazu machen, ob sich dieser Trend zu Jahresbeginn fortgesetzt hat. «Wir arbeiten nach wie vor daran, das Interesse an unseren Produkten in Bestellungen umzumünzen», sagt er lediglich.

Das Corona-Virus habe derzeit im Übrigen noch keinen grossen Effekt auf die Geschäftstätigkeit, fügte er an. Allerdings seien in den Produktionsstätten in China die «Neujahrsferien» um einige Tage bis 10. Februar verlängert worden. Anfang Februar werde die Lage dann wieder analysiert. (awp/mc/pg)

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