Bern – Für Zehntausende Jugendliche hat im August die Berufslehre begonnen. Zum Start des neuen Lehrjahrs zieht der Schweizerische Gewerbeverband sgv ein positives Fazit: Die Lehre bleibt der wichtigste Bildungsweg nach der obligatorischen Schule. Sie bietet optimale Perspektiven – und sie wird für den Arbeitsmarkt der Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. Umso wichtiger ist es, die Jugendlichen mit den richtigen Kompetenzen auf die Lehre vorzubereiten und die Ausbildungsbereitschaft im Gewerbe zu erhalten.
Laut dem letzten Nahtstellenbarometer des Bundes beabsichtigten im Frühjahr über 63% der Schülerinnen und Schüler, eine Lehre zu beginnen. Die Lehrbetriebe offerierten 74’000 Lehrstellen. Im August sind die Lehren jetzt gestartet. Das nächste Nahtstellenbarometer, dessen Erhebung im August noch lief, wird im Oktober publiziert. Schon jetzt lässt sich aber ein Zwischenfazit ziehen. Die arbeitsmarktorientierte Berufslehre wird noch wichtiger und attraktiver.
Hochschulabschluss kein Garant für reibungslosen Berufseinstieg
Die Zahlen zeigen zugleich, dass ein Hochschulabschluss heute keine Garantie für einen reibungslosen Berufseinstieg ist. Im zu Ende gehenden Monat veröffentlichte das Bundesamt für Statistik BfS neue Zahlen zum Berufseinstieg für Master-Absolventinnen und Absolventen von Universitäten: Deren Erwerbslosenquote ein Jahr nach Studienabschluss ist von 3,9 auf 6,4 Prozent gestiegen. Im Vergleich zur akademischen Bildung ist die Berufsbildung viel stärker auf die Arbeitsmarktfähigkeit ausgerichtet. «Die Jugendlichen werden so ausgebildet, dass sie nach der Lehre einen Job finden und über eine gute Basis für die berufliche Weiterbildung verfügen», sagt sgv-Direktor Urs Furrer. Die berufliche Weiterbildung wird mit der am 1. Oktober 2026 in Kraft tretenden Einführung der Titel Professional Bachelor und Professional Master in der Höheren Berufsbildung weiter an Attraktivität zulegen.
Berufsorientierung darf nicht erst bei der Berufswahl beginnen
Mit dem neuen Lehrjahr gelten an den Berufsschulen erstmals die revidierten Vorgaben für die Allgemeinbildung und den neue Rahmenlehrplan. Der sgv begrüsst, dass Sprache und Kommunikation stärker gewichtet werden. Doch die entscheidenden Grundlagen müssen vor dem Lehrstart sitzen: «Es muss sichergestellt sein, dass die grundlegenden Kompetenzen bereits in der obligatorischen Schule genügend vermittelt werden. Nur so werden die Jugendlichen richtig auf die Lehre vorbereitet», sagt Dieter Kläy, Ressortleiter Berufsbildung beim sgv.
Dafür braucht es einen ständigen Dialog zwischen dem Gewerbe und den Schulen. Dieser Dialog muss auch in die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen einfliessen, damit sie die Anforderungen der Arbeitswelt kennen und Jugendliche gezielt darauf vorbereiten können.
Die Lehre stärkt junge Menschen
Die im letzten Sommer veröffentlichte nationale WorkMed-Studie mit knapp 45’000 Lernenden zeigt, dass die Berufslehre junge Menschen nicht nur fachlich, sondern auch persönlich stärkt. Rund 90 Prozent erleben sich seit Beginn der Lehre als verantwortungsbewusster und kompetenter. Auch diese Aspekte der Lehre sind wichtige Voraussetzungen für einen guten Start ins Berufsleben. Ebenso braucht es eine klare Notengebung und lesbare Zeugnisse sowie auf die Praxis ausgerichtete Lösungen. Deshalb sieht der sgv die Lösung nicht in zusätzlichen allgemeinen Verfassungsgrundlagen. Im Kanton Aargau wehrte sich der Kantonale Gewerbeverband erfolgreich dagegen. Und die Berner KMU haben kürzlich einstimmig die Nein-Parole zur «Berner Bildungsinitiative» beschlossen, die am 27. September zur Abstimmung gelangt. (sgv/mc)
