Umfragen zeigen Ablehnung zu Neutralitäts- und Ernährungsinitiative

Abstimmungen

(Adobe Stock)

Bern – Die aktuellste Umfrage rechnet der Neutralitätsinitiative und der Ernährungsinitiative schlechte Chancen aus. Gut fünf Wochen vor dem Urnengang vom 27. September lehnt eine Mehrheit der Befragten die nationalen Abstimmungsvorlagen ab. Beide Initiativen hatten die Wählerschaft einer einzigen Partei hinter sich.

62 Prozent der befragten Stimmberechtigten lehnten die Volksinitiative «Wahrung der schweizerischen Neutralität (Neutralitätsinitiative)» ab, wie der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von Leewas hervorging. Das Forschungsinstitut hatte die Studie im Auftrag von Tamedia und «20 Minuten» durchgeführt.

Demnach waren 57 Prozent der Befragten dediziert gegen die Vorlage, während fünf Prozent «eher Nein» stimmen wollten. Auf der anderen Seite waren 30 Prozent dafür und sechs Prozent «eher» dafür. Zwei Prozent der Teilnehmenden waren noch unentschlossen.

Vorsprung ausgebaut
Die Gegnerschaft hat ihren Vorsprung seit der ersten Leewas-Umfrage von Mitte Juni somit ausgebaut. Damals lehnten insgesamt 54 Prozent der Befragten die Vorlage ab, während 34 Prozent sie befürworteten und zwölf Prozent noch unentschieden waren.

Die deutlichsten Meinungsunterschiede zeigten sich nun bei der Parteizugehörigkeit der Befragten. Eine grosse Mehrheit von 82 Prozent der SVP-Anhängerschaft unterstützte die Initiative. Die Vorlage will in der Verfassung festschreiben, dass die Neutralität der Schweiz «immerwährend und bewaffnet» sein soll. Unter den grossen Parteien steht einzig die SVP hinter dieser Idee.

Bei den Wählerinnen und Wählern aller anderen grossen Parteien fiel die Vorlage hingegen klar durch. Bei der SP und der GLP war die Ablehnung mit 91 Prozent am stärksten, gefolgt von den Grünen mit 82 Prozent. Auch bei der Mitte (79 Prozent Nein) und der FDP (72 Prozent Nein) war der Widerstand gross.

Die Zustimmung zur Initiative sank, je älter, gebildeter und einkommensstärker die Teilnehmenden waren. Auf dem Land und in der italienischsprachigen Schweiz war die Unterstützung etwas höher als in städtischen Gebieten und in den anderen Sprachregionen.

Für die Befürwortenden war das Hauptargument, dass eine Verfassungsänderung die Neutralität vor einer Aufweichung durch die Politik schützen würde. Die Gegnerschaft befürchtete wiederum eine massive Einschränkung der Handlungsfähigkeit der Schweiz, einen Ansehensverlust durch den Verzicht auf Sanktionen und eine Schwächung der Verteidigungsfähigkeit.

SP-Wählerschaft gespalten
Mit 65 Prozent Nein-Stimmen prognostizierte die Umfrage der Ernährungsinitiative eine noch deutlichere Ablehnung. Diese verlangt unter anderem einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent. 55 Prozent der Befragten wollten ein Nein in die Urne legen, weitere zehn Prozent stimmten «eher Nein». Lediglich 18 Prozent unterstützten das Anliegen entschieden, 13 Prozent waren eher dafür. Vier Prozent waren unentschieden.

Eine Mehrheit fand die Vorlage nur bei der Wählerschaft der Grünen mit 69 Prozent Ja-Stimmen. Die SP-Basis war gespalten, hier hielten sich Befürworter und Gegnerinnen die Waage. Die Anhängerschaft der FDP lehnte die Initiative mit 83 Prozent am deutlichsten ab, gefolgt von Mitte (75 Prozent), SVP (74 Prozent) und GLP (66 Prozent).

Auch bei dieser Vorlage war die Ablehnung in der Deutschschweiz und der Romandie stärker als in der italienischsprachigen Schweiz – und die deutlichste Ablehnung kam von Pensionierten. Männer lehnten die Initiative zudem mit 70 Prozent Nein-Stimmen klarer ab als Frauen mit 59 Prozent.

Die Befürwortenden nannten als wichtigste Argumente die Sicherstellung der Ernährung in Krisenzeiten durch einen höheren Selbstversorgungsgrad und den Schutz des Grundwassers. Das Hauptargument der Gegnerschaft war die Befürchtung, die Forderung nach 70 Prozent Selbstversorgung laufe auf einen staatlich verordneten Menüplan mit kaum tierischen Produkten hinaus.

Die Umfrage wurde am 12. und 13. August online bei 13’154 Personen durchgeführt. Der statistische Fehlerbereich lag bei rund 1,5 Prozentpunkten.

Yougov weniger deutlich
Etwas weniger entschlossen zeigten sich die Befragten im zweiten Stimmungsbarometer von Yougov Schweiz, das bereits am Dienstag veröffentlicht wurde. Für die Umfrage befragte das Forschungsinstitut zwischen dem 3. und 17. August 3080 Personen.

Demnach lehnten 50 Prozent der Befragten die Neutralitätsinitiative ab, während der Ja-Anteil bei 41 Prozent lag und neun Prozent noch unentschlossen waren. Die Vorlage fand einzig im Kanton Tessin eine klare Mehrheit. Seit einer ersten Erhebung im Juli ist die Ablehnung um rund zwölf Prozent gewachsen.

Bei der Ernährungsinitiative betrug das Verhältnis laut der Umfrage 52 Prozent Nein- zu 37 Prozent Ja-Stimmen. Elf Prozent der Befragten waren noch unentschlossen. Verglichen mit dem Vormonat nahm die Ablehnung um neun Prozentpunkte zu. (awp/mc/pg)

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