Frankfurt/Main – Wegen der angedrohten Crew-Streiks hat die Lufthansa ihren Flugplan für diesen Donnerstag drastisch zusammengestrichen. Eine genaue Zahl der gestrichenen Verbindungen nannte Deutschlands grösste Fluggesellschaft nicht, sprach aber von «umfangreichen Flugstreichungen».
Die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo haben Piloten und Kabinenpersonal für diesen Donnerstag zu ganztägigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Grundsätzlich sollen die Starts der Gesellschaften Lufthansa und Lufthansa Cityline von deutschen Flughäfen bestreikt werden. Erst für den Freitag rechnet Lufthansa wieder mit der Rückkehr zum normalen Flugplan.
Die Lufthansa-Tochter Swiss teilte auf Anfrage mit, dass ihr Flugprogramm vom Streik nicht betroffen ist. Auf vier Verbindungen zwischen Zürich und Frankfurt würden aber grössere Flugzeuge eingeplant. Die Flüge würden statt mit kleineren Maschinen mit Airbus-A321-Jets durchgeführt.
Umbuchungen und Bahnfahrten
Das Unternehmen will nach eigenen Angaben die Auswirkungen für ihre Fluggäste so gering wie möglich halten. Wenn möglich, würden von Flugstreichungen betroffene Passagiere auf andere Airlines innerhalb und ausserhalb des Konzerns umgebucht. Innerdeutsch reisende Gäste können ihre Tickets in Fahrscheine der Deutschen Bahn umtauschen.
Die Reisenden werden gebeten, ihre hinterlegten Kontaktinformationen zu überprüfen und gegebenenfalls zu aktualisieren. Im Falle einer Annullierung sollen Passagiere mit hinterlegter Mobilfunknummer automatisch eine Benachrichtigung mit einer alternativen Reisemöglichkeit erhalten.
Die Passagiere sollen sich auf die Informationen verlassen, rät auch ein Sprecher des Frankfurter Flughafens. «Zum Flughafen zu kommen, um zu schauen, ob noch was anderes fliegt, ist eine schlechte Idee.» Ursprünglich waren am Drehkreuz 1074 Flugbewegungen geplant mit rund 140’000 Passagieren. In Marktkreisen wird damit gerechnet, dass allein in Frankfurt mehr als 200 Starts der Lufthansa Classic ausfallen.
Ziele der Gewerkschaften
Die 4800 Piloten von Lufthansa und Lufthansa Cargo streiken für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Hierzu liegt schon seit dem Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die mit deutlicher Mehrheit für Arbeitskampfmassnahmen gestimmt haben. Von einem Streik hatte die Gewerkschaft zuletzt abgesehen. Nach sieben Verhandlungsrunden blieb auch ein vorerst letztes Angebot der VC nach ihren Angaben ohne Reaktion.
Die Kabinengewerkschaft Ufo will ohne Urabstimmung der knapp 20’000 Beschäftigten mit einem Warnstreik Verhandlungen erzwingen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline. Allein dort seien wegen der Konzernstrategie rund 800 Jobs bedroht. Ufo will hier einen tariflichen Sozialplan aushandeln, der bislang vom Management verweigert werde.
Streit um Strategie im Hintergrund
Das fliegende Personal reibt sich seit Jahren an der Strategie des Vorstands, mit neu gegründeten Flugbetrieben (AOC) die etablierten Airlines samt ihrer gut dotierten Arbeitsplätze unter Druck zu setzen. Die Passagiere sollen davon möglichst wenig bemerken. Aus Sicht des Unternehmens ist gerade die Kerngesellschaft Lufthansa zu teuer.
Die neuen AOCs sollen touristische Flüge (Discover) und Zubringerverkehr (City Airlines) mit billigeren Crews kostengünstiger gestalten. Dort werden dann auch neue Flugzeuge eingesetzt oder sogar von den Altgesellschaften hin verlagert.
Die bisherige Regionaltochter Lufthansa Cityline mit rund 30 Flugzeugen steht vor dem Aus. Noch sind die neuen Gesellschaften im Konzernrahmen von rund 740 Flugzeugen verhältnismässig klein. City Airlines zählt aktuell 14 Flugzeuge und Discover hat 30 Mittel- und Langstreckenflugzeuge in der Flotte.
Vorstand: «Unnötige Eskalation»
Der Lufthansa-Vorstand hat die Crew-Streiks als «völlig unnötige Eskalation» kritisiert. Die jeweiligen Forderungen der Gewerkschaften würden weitere starke Kostensteigerungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft bedeuten, sagte Personalvorstand und Arbeitsdirektor Michael Niggemann in Berlin. Dort bestehe aber keinerlei Spielraum.
Die grösste Airline des Konzerns war 2024 in die Verlustzone gestürzt und soll mit einem Sanierungsprogramm namens «Turnaround» wieder auf Kurs gebracht werden. Am 6. März legt der Konzern auch dazu neue Zahlen vor.
Die Piloten gingen bereits heute mit monatlichen Bezügen von durchschnittlich 8400 Euro einschliesslich der gesetzlichen Rente in den Ruhestand, erklärte Niggemann. Die Forderungen der Vereinigung Cockpit gingen weit darüber hinaus. «Wir können eine Top-Versorgung nicht einfach noch mal verdoppeln.»
Die Ufo-Forderungen zum Manteltarif bei der Lufthansa liefen auf weitere Kostensteigerungen von rund 10 Prozent hinaus. Bereits heute liege die Produktivität der Besatzungen bei der Kerngesellschaft 10 bis 20 Prozent hinter dem Wettbewerb, hiess es. (awp/mc/pg)
