Hisashi Arakawa, Leiter Japan-Aktien bei Aberdeen Investments: «Bei einem Erdrutschsieg hat die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Unterhaus errungen und 316 der 465 Sitze gewonnen – die höchste Zahl jemals von einer Partei im Nachkriegsjapan. Dieser Sieg verschafft Sanae Takaichi den Spielraum, ihre wachstumsorientierte Agenda voranzutreiben.
Dazu gehören expansive Staatsausgaben und strategische Investitionen in Halbleiter, Künstliche Intelligenz, Energiesicherheit, Verteidigung und Schiffbau. Auch eine Aussetzung der 8 %igen Verbrauchssteuer wird diskutiert, um den Binnenkonsum zu stärken.
Im Bereich Unternehmensführung prüft die Financial Services Agency Berichten zufolge eine Änderung des Corporate-Governance-Codes und drängt Unternehmen, überschüssige Mittel stärker in ihre eigenen Geschäfte zu investieren.
Trotz kurzfristiger Risiken wie steigender Renditen japanischer Staatsanleihen und geopolitischer Spannungen mit China bleibt das makroökonomische Umfeld Japans günstig. Takaichi betonte die Bedeutung verantwortungsvoller Staatsausgaben. Lohnwachstum, stabiler Konsum und strukturelle Reformen stützen nachhaltig Markt und Unternehmensgewinne.
Wir glauben, dass die Aussichten für Qualitätsunternehmen positiv bleiben, da der Markt zunehmend Unternehmen belohnt, die nachhaltige Gewinne erzielen und sich flexibel an ein sich wandelndes Umfeld anpassen können. Wir bevorzugen weiterhin hochwertige Unternehmen mit starkem Wachstumspotenzial und soliden ESG-Kriterien.»
Sree Kochugovindan, Senior Research Economist bei Aberdeen Investments: «Premierministerin Sanae Takaichis Liberaldemokratische Partei (LDP) hat bei der Unterhaus-Schnellwahl eine Zwei-Drittel-«Supermehrheit» errungen – weit über den Konsenserwartungen eines ‚entscheidenden‘ Sieges.
Der Erdrutschsieg verschafft Takaichi ein starkes Mandat, mit dem sie das Oberhaus bei Gesetzesvorhaben überstimmen kann.
Im frühen Handel zeigte der Yen kaum Veränderungen gegenüber dem NYK-Schluss vom Freitag. Für Investoren liegt der Fokus auf dem Umfang der fiskalischen Expansion, insbesondere auf der während des Wahlkampfs zugesagten temporären Lebensmittelsteuer-Senkung.
Der Sieg bedeutet jedoch nicht, dass Takaichi unbegrenzt ausgeben kann. Die LDP ist fiskalisch konservativ, und Takaichi berücksichtigt die Interessen der Anleiheinvestoren sorgfältig. Das Verhältnis von Staatsschulden zu BIP ist seit der Pandemie stetig gesunken, und ihr aktuelles Fiskal- und Wirtschaftspaket wird diesen Trend fortsetzen.
Wichtige Aussagen von Takaichi nach den Wahlergebnissen:
- Sie kündigte an, die «Diskussionen» über eine temporäre zweijährige Lebensmittelsteuer-Senkung zu beschleunigen. Sollte eine Einigung erzielt werden, wird ein Steuergesetz dem Parlament vorgelegt. Dies ist ein wichtiger Unterschied: Die LDP hat sich jahrelang konsequent gegen jegliche Senkung der Verbrauchssteuer gewehrt, trotz konstantem Druck der Oppositionsparteien. Eine Einigung ist daher sehr unwahrscheinlich, ebenso eine Senkung von 8 % auf 0 %.
- Sie betonte erneut die Bedeutung einer nachhaltigen Fiskalpolitik, im Einklang mit der konservativen Haltung der LDP.
- «Keine Notwendigkeit für grössere Kabinettsumbildungen» – dies deutet auf Kontinuität in der Regierung hin. Die grundlegende politische Ausrichtung bleibt unverändert; es geht nun darum, das Wirtschaftspaket, den Haushaltsplan 2026 und die Steuerreform umzusetzen.
- Takaichi stellte klar, dass sie im Kontext der Vorteile eines schwachen Yen falsch zitiert wurde, und betonte, dass sie eine Wirtschaft aufbauen möchte, die Währungsschwankungen standhält.
Finanzministerin Satsuki Katayama äusserte sich nicht explizit zu politischen Signalen, betonte jedoch die Abstimmung mit Washington. Dies deutet darauf hin, dass eine Yen-Schwäche zu tatsächlichen Interventionen führen könnte. Ausserdem betonte sie fiskalische Disziplin mit Blick auf die Marktstimmung bei Staatsanleihen.
- Katayama erklärte, dass die Finanzpolitik nicht lax sein werde und sie bei Bedarf am Montag mit den Märkten kommunizieren werde.
- Sie wird keine Kommentare zu Wechselkursen abgeben, steht jedoch im engen Austausch mit den US-Behörden bezüglich der Devisenmärkte.
Vieles ist bereits in japanischen Assets eingepreist, was die Turbulenzen im asiatischen Handel begrenzen könnte. Sollte die Volatilität steigen, signalisieren Katayamas Kommentare eine bevorstehende Intervention am Devisenmarkt.
Mittelfristig erwarten wir eine Yen-Stärke, da sich die Fundamentaldaten in Richtung einer stärkeren Währung verschieben. Die Märkte für japanische Staatsanleihen müssen überzeugt werden, dass das Verhältnis von Schulden zu BIP auf Kurs bleibt. Die Lebensmittelsteuerpolitik ist hierbei entscheidend. Die Aktienmärkte werden weiterhin stark unterstützt, insbesondere die Sektoren Verteidigung und Technologie, in denen staatliche Investitionen und Steueranreize private Investitionen und Forschung & Entwicklung fördern.» (Aberdeen/mc/pg)
