Neuenburg – Neue Technologie aus Neuenburg knackt die 30-Prozent-Marke. Es ist ein grosser Schritt zu leistungsfähigeren Solartechnologien und eröffnet neue Perspektiven für die Schweizer Industrie sowie den Technologiestandort Schweiz.
Forschenden des CSEM, dem Schweizer Technologie- und Innovationszentrum in Neuenburg, und der EPFL in Lausanne ist ein Durchbruch in der Solartechnologie gelungen. Sie entwickelten eine neuartige Dreifach-Solarzelle, die einen Wirkungsgrad von 30,02 Prozent erreicht und damit einen neuen Weltrekord aufstellt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.
Der Rekord ist mehr als eine wissenschaftliche Bestmarke. Er zeigt das Potenzial einer Technologie, die künftig deutlich mehr Strom auf derselben Fläche erzeugen könnte als heutige Solarmodule. Das ist besonders relevant in Ländern wie der Schweiz, wo geeignete Dach- und Fassadenflächen begrenzt sind. Wer den Wirkungsgrad erhöht, produziert mehr Strom auf derselben Fläche. Das senkt langfristig die Stromgestehungskosten, reduziert den Platzbedarf und erhöht die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen.
Potenzial für die Industrie
Der Durchbruch kommt für Europa zur rechten Zeit. Hocheffiziente Solartechnologien gelten als strategisch wichtig, um den steigenden Energiebedarf zu decken und technologische Kompetenzen zu stärken. Während die Massenproduktion von Standardmodulen in Asien dominiert, bieten Premiumtechnologien Schweizer und europäischen Unternehmen Chancen.
Für die meisten Menschen sind Wirkungsgrade abstrakte Zahlen. Für die Solarindustrie bedeuten sie jedoch bares Geld. Besonders relevant für die Industrie ist, dass die Technologie nicht nur unter idealen Laborbedingungen funktioniert.
Der Rekord markiert einen Meilenstein für die Photovoltaik. Während heutige Silizium-Solarzellen typischerweise Wirkungsgrade von 20 bis 24 Prozent erreichen, stossen sie zunehmend an physikalische Grenzen. Die neue Technologie zeigt, wie sich deutlich mehr Strom auf derselben Fläche erzeugen lässt.
Signal für den Innovationsstandort Schweiz
Der Weltrekord unterstreicht die internationale Spitzenposition der Schweizer Photovoltaikforschung. Institutionen wie das CSEM und die EPFL zählen seit Jahren zu den wichtigsten Innovationstreibern in diesem Bereich. Höhere Wirkungsgrade bedeuten mehr Strom auf derselben Fläche und könnten die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen weiter verbessern.
Für seine führende Rolle bei der Entwicklung der neuen Solarzellen erhält Kerem Artuk den ersten Claude Nicollier Research Excellence Award des CSEM. Die Auszeichnung würdigt Persönlichkeiten und Teams, die Forschung erfolgreich in praktische Anwendungen für Wirtschaft und Gesellschaft überführen. «Mit Kerem Artuk zeichnen wir einen Forscher aus, der wissenschaftliche Exzellenz mit praktischem Nutzen verbindet», sagt Alexandre Pauchard, CEO des CSEM. «Artuk hat massgeblich zu diesem Erfolg beigetragen und zeichnet sich durch eine ausgeprägte Teamfähigkeit aus. Diese Arbeit steht beispielhaft für den Anspruch von CSEM, Forschung, Technologie und Industrie zusammenzubringen.» Der Erfolg zeigt das Potenzial einer engen Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie und verdeutlicht, wie wissenschaftliche Spitzenleistungen in marktfähige Innovationen überführt werden können. (mc/pg)
