Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Die Inflationsrate steigt im September von 0.8 % auf 1.0 % und erreicht damit ein Zwei-Jahres-Hoch.
Zuletzt lag die Teuerungsrate im August 2024 bei 1.0 %. Damals betrug der Leitzins jedoch 1.25 % und nicht wie heute 0 %. Dies zeigt, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) zunehmend unter Handlungsdruck gerät. Ein leicht negativer Saron (Swiss Average Rate Overnight, der wichtigste kurzfristige Schweizer Geldmarktzins) lässt sich kaum noch rechtfertigen. Das gilt besonders mit Blick auf die EU-harmonisierte Inflationsrate. Diese lag im September bei 1.2 %.
Gegenüber dem Vormonat blieben die Preise insgesamt unverändert. Gegenläufige Entwicklungen glichen sich aus, Heizöl, Benzin und Diesel verteuerten sich. Dagegen sanken die Preise für Pauschalreisen ins Ausland sowie für Automiete und Carsharing. Auch die Preise in der Hotellerie und Parahotellerie gingen zurück.
Die SNB ist — um einmal einen Finanzmarkt-Jargon zu benutzen — «behind the curve», sie liegt inzwischen hinter der Inflationsentwicklung zurück. Die aktuelle Teuerung passt nicht mehr zur gegenwärtigen Zinspolitik. Ein Blick auf die Details bestätigt dieses Bild: Die Preise für Dienstleistungen stiegen gegenüber dem Vorjahr um 1.0 %. Gleichzeitig erhöhte sich die Kerninflationsrate leicht auf 0.5 %, nach 0.4 % im Vormonat.
Die Preise für inländische Güter lagen 0.7 % über dem Vorjahresniveau. Bei importierten Gütern betrug der Anstieg 2.1 %. Besonders wichtig ist die Entwicklung bei den Importgütern. Von ihnen geht inzwischen kein disinflationärer Impuls mehr aus, sie tragen stattdessen zur Inflation bei. Der Schweizer Franken kann dem gestiegenen Preisdruck aus dem Ausland aufgrund fehlender Aufwertungen nichts mehr entgegensetzen.
Wir haben bereits zu Jahresbeginn mit einer Leitzinserhöhung im Dezember gerechnet. Dieses Szenario wird nun zunehmend greifbar. Die SNB steht damit klar unter Zugzwang. (VP Bank/mc/ps)
