VP Bank Spotanalyse: EZB hebt Zinsen wie erwartet an

Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank

Erste Erhöhung seit 2023 bringt den Einlagesatz auf 2.25 %.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht also ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte. Dies war mehrheitlich von Volkswirten erwartet worden. Die Währungshüter hatten Handlungsbedarf: Im Mai stieg die Inflationsrate der vorläufigen Schätzung zufolge von 3 % auf 3.2 %. Besonders deutlich fiel der Preissprung bei der Kernrate aus, also ohne Berücksichtigung der volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise. Dort kam es zu einem Sprung von 2.2 % auf 2.5 %.

Die aktualisierten Projektionen der EZB-Volkswirte sehen sowohl für das laufende als auch für das kommende Jahr eine spürbar höhere Inflationsrate vor. Im März war noch mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2.6 % für das Jahr 2026 gerechnet worden, nun sind es 3 %. Für das Jahr 2027 wird eine Inflationsrate von 2.3 % erwartet, nach 2.0 % im März. Auch in Anbetracht dieser Aufwärtsrevision der Projektionen hatten die Währungshüter keine andere Wahl, als die Zinsen zu erhöhen.

Die EZB wird es wohl nicht bei dieser einen Zinserhöhung belassen. Im Pressetext wird erwähnt, dass Aufwärtsrisiken für die Inflationsraten bestünden. Eine weitere geldpolitische Straffung dürfte daher in den kommenden Monaten auf der Agenda stehen. Eine zweite Zinserhöhung schon auf der nächsten EZB-Sitzung im Juli ist möglich. Genauso gut könnten die Währungshüter auch die Herbstprojektionen ihres volkswirtschaftlichen Stabes abwarten, ehe sie erneut zur Tat schreiten.

An den Finanzmärkten hat man frühzeitig eine Zinserhöhung eingepreist. Dies kommt auch an der verhaltenen Reaktion von deutschen Bundesanleihen im direkten Anschluss an die Veröffentlichung des Zinsschritts zum Ausdruck. Baufinanzierungen sind bereits in den vergangenen Wochen teurer geworden. Selbst im Falle einer weiteren Zinserhöhung im Juli oder September wird sich nichts ändern, denn auch diese ist bereits in den Konditionen von längerfristigen Zinsbindungen reflektiert.

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