Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
US-Zentralbank lässt Zinsen unverändert.
Die US-Notenbank Fed lässt den Zielkorridor für die Fed Funds Target Rate erwartungsgemäss unverändert zwischen 3.5 % und 3.75 %.
Es war unzweifelhaft eine besondere Fed-Sitzung: Erstmalig leitete der von Donald Trump inthronisierte Fed-Präsident Kevin Warsh die Sitzung des Offenmarktausschusses. Und weil Trump mit niedrigen Zinsen liebäugelt, hörten die Finanzmarktanalysten heute besonders genau hin, ob es Äusserungen geben würde, welche die Trump-Linie unterstützen.
Das Vokabular von Warsh klang dann aber so gar nicht im Sinne des Präsidenten. An der Pressekonferenz war die Rede davon, dass die Fed zu ihrem Inflationsziel von 2 % stehe und auch die Zweitrundeneffekte im Auge behalten müsse. Das war keine Vorbereitung auf eine Zinssenkung, sondern eher auf eine mögliche Zinserhöhung.
Auch mit Blick auf die aktualisierten Projektionen kann von Zinssenkungen keine Rede sein. Mehrheitlich erwarten die Fed-Offiziellen entweder eine oder zwei Zinserhöhungen. Dabei ist eine Randnotiz von besonderem Interesse: Nur 18 von 19 Fed-Mitgliedern gaben ihre Projektionen ab. Warsh lehnt jedoch jeglichen Hinweis auf den zukünftigen Zinspfad ab und enthielt sich. Bemerkenswert war auch, dass sämtliche Mitglieder des Offenmarktausschusses für eine Beibehaltung des Leitzinses aussprachen. Zuletzt gab es kein einheitliches Stimmverhalten.
Die Fed ist aktuell in einer komfortablen Situation. Mit der Aussicht auf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran sind die Ölpreise gefallen. Gleichzeitig zeigte die US-Inflationsrate zuletzt keine Signale von Zweitrundeneffekten. Obwohl im Mai die Inflationsrate aufgrund höherer Benzinpreise auf 4.2 % stieg, legten die Preise ohne Energie- und Nahrungsmittel im direkten Monatsvergleich lediglich um 0.2 % zu, was einer im Monatsvergleich durchschnittlichen Teuerungsrate entspricht.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ist angesichts der Projektionen und des Wortlauts während der Pressekonferenz wahrscheinlicher geworden, allerdings ist diese noch nicht in Stein gemeisselt. Die Fed wird zunächst weiterhin eine beobachtende Rolle einnehmen.
Doch bei aller Spekulation über den zukünftigen geldpolitischen Kurs bleibt vor allem eines hängen: Kevin Warsh steht zum Ziel der Preisstabilität. Die Glaubwürdigkeit der Fed dürfte unter ihrem neuen Vorsitzenden nicht leiden. Das ist die zentrale Botschaft.
