Schätzungen gehen davon aus, dass der Weltraummarkt 2035 ein Volumen von 1,8 Bio. US-Dollar erreichen wird. Starke Katalysatoren und zusätzliche staatliche Mittel treiben den Wandel des Weltraum-Ökosystems voran. Sein Wachstum beruht auf mehreren strukturellen Komponenten: Die kommerzielle Nutzung boomt dank fallender Kosten für Raketenstarts, die öffentlichen Ausgaben im Bereich der Erforschung des Weltraums steigen und der Verteidigungssektor hat strategische Bedeutung erlangt. Das stark expandierende Raumfahrt-Ökosystem eröffnet Anlegern neue Perspektiven von geradezu astronomischem Ausmass.
von Christophe Pouchoy, Fondsmanager Echiquier Space, LFDE
Als Schlüsselbereich dieses Ökosystems ist die Verteidigungsindustrie eng an die Luft- und Raumfahrt geknüpft. Während die langfristigen Wachstumsperspektiven des Weltraummarktes derzeit bei 9 % bis 10 % pro Jahr liegen , werden die militärischen Raumfahrtausgaben weltweit für 2024 auf 73 Mrd. US-Dollar geschätzt – ein Plus von 24 % gegenüber 2023 .
Der nötige Schutz der Infrastruktur, die Bedeutung der Überwachung und die Zunahme von Bedrohungen tragen zu massiven Investitionen bei. Allein das US-Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ wird als Mammutprojekt in den nächsten drei Jahren geschätzt 175 Mrd. US-Dollar verschlingen. Der erste Auftrag im Rahmen dieses Programms ging im Sommer 2025 an BAE Systems, und Ende Dezember erhielten Rocket Lab und L3Harris, ein im Verteidigungssektor tätiges Telekommunikationsunternehmen, neue Bestellungen über Überwachungssatelliten. Der Verteidigungshaushalt der USA könnte 2026 auf insgesamt 1 Bio. US-Dollar ansteigen.
Die am 18. Dezember 2025 veröffentlichte Durchführungsverordnung Ensuring American Space Superiority der US-Regierung verstärkt diese Dynamik. Sie legt die strategischen Prioritäten der Vereinigten Staaten der kommenden Jahre fest, darunter insbesondere eine erneute Landung von US-Astronauten auf dem Mond bis 2028 und der Bau der ersten Elemente einer Mondbasis bis 2030, und umfasst die Verbesserung der Sicherheit im Weltall sowie eine Reform der Budgetverwaltung der NASA. Eines ihrer Schlüsselelemente betrifft die Ankurbelung von Investitionen des privaten Sektors. Ferner bestätigt die US-Regierung, dass die internationale Raumstation (ISS) bis 2030 durch eine private Struktur ersetzt werden soll. Die ISS soll 2031 ausser Dienst gestellt werden.
Der Aufstieg der europäischen Champions
Diese Dynamik ist auf beiden Seiten des Atlantiks zu beobachten. Die Verteidigungsetats der EU-Staaten dürften mittelfristig von aktuell 2 % bis 3 % auf 5 % des BIP steigen. Dies begünstigt die Entstehung einer Gruppe europäischer Spitzenreiter des Raumfahrtsektors. Ein Beispiel dafür ist die unterzeichnete Vereinbarung zwischen Airbus, Thales und Leonardo, die insbesondere ihr Satellitengeschäft zusammenlegen wollen. Dieses Projekt soll die europäische Souveränität stärken, indem es die Innovationsfähigkeit, die strategische Autonomie und die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents verbessert. Es verdeutlicht die zunehmende Stärke europäischer Industrieunternehmen aus dem Verteidigungs- sowie dem Luft- und Raumfahrtsektor.
Ferner hat der führende deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall zusammen mit dem finnischen Unternehmen ICEYE kürzlich einen Grossauftrag der Armee zur Lieferung von Überwachungssatelliten erhalten. Ein weiteres deutsches Unternehmen, OHB, setzt sein Wachstum im Bereich der Herstellung von Satelliten, Bodenstationen und -antennen sowie von wesentlichen Bauteilen der Ariane-6-Rakete stetig fort.
Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität: Wir beobachten das Weltraum-Ökosystem seit 2021 und sehen hier beste Voraussetzungen für die Förderung des Potenzials einer Thematik, die immer wieder neue Horizonte eröffnet. Ausserdem könnte der mögliche Börsengang von SpaceX im Jahr 2026 das Interesse der Anleger am Raumfahrtsektor stark ansteigen lassen. (LFDE/mc)
