Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Gold ist wieder in aller Munde (III)

Buchautor und Moneycab-Kolumnist Robert Jakob.

Von Robert Jakob

Meine Einstellung zu Gold ist bekannt: Es bringt keine Zinsen und ist daher keine ideale Anlagekategorie. Man kann es aus ästhetischen Überlegungen an Frau oder die Kinder verschenken. Aber Gold als Kapitalanlage? In Zeiten der Negativzinsen hat sich selbst das geändert. Es ist immer noch besser, zinsloses physisches Gold zu kaufen, als eidgenössische oder deutsche Staatsanleihen.

Denn Gold ist das bessere Geld. Weil Geld in Form von Euro oder Schweizer Franken Jahr für Jahr von der Inflation weggeknabbert wird. Wer beispielsweise dem Staat Österreich für fast 100 Jahre durch Kauf der vor zwei Jahren aufgelegten, quasi „ewigen Anleihe“ bis ins Jahr 2117 Geld leiht, muss 190% des Ausgabekurses auf den Tisch legen. Dafür erhält er bei einem Coupon von 2,1% nur mehr eine jährliche Rendite von 0,66%. Die ist zwar im Gegensatz zu 10jährigen Staatsanleihen positiv, dürfte sich aber irgendwann als Groschengrab erweisen. Denn dass der Euro in 98 Jahren eine durchschnittliche Inflationsrate von unter einem Prozent pro Jahr erleben wird, ist so gut wie ausgeschlossen. Wenn es ihn bis dahin überhaupt noch gibt. Schilling und Groschen gibt es ja auch nicht mehr.

Wie schnell 100jährige Anleihen ohnehin essigsauer werden können, sieht man an der Anleihe des argentinischen Staates. Wie das Pendant aus Austria im selben Jahr 2017 aufgelegt, ist sie allerdings heuer nur noch 38% wert. Geld in Form von Gold hingegen bewahrt auf alle Fälle seine Kaufkraft.

Boden ist weit weg
Für die Jagd nach realer Rendite eignen sich Goldminengesellschaften besser als physisches Gold, denn sie machen Gewinn und zahlen eine Dividende. Und beides fällt umso höher aus, je höher der Goldpreis. Vor einigen Monaten hatte ich in der „Wirtschaftslupe“ eine kräftige Hausse des Goldes vorhergesagt, welche den Preis deutlich über die Schürfkosten heben sollte. Der Anstieg erfolgte nach einer klassischen Bodenbildung fulminant wie der Knall eines Sektkorkens. Seit Juni ging es um rund 20% nach oben. Das schreit förmlich nach einer ersten Korrektur. Ende letzter Woche war es soweit. Charttechnisch könnte der Goldpreis auf rund 1440 Dollar pro Unze zurückfallen. Mögliche Verstärker der Korrektur sind eine verzögerte Zinslockerung der Zentralbanken oder eine weitere politische Erleichterungsrallye an den Aktienbörsen. Die Wirkung auf den Goldpreis sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein.

Rückschlag zum Kauf nutzen
In den vergangenen Monaten haben sowohl EZB-Präsident Draghi als auch sein US-amerikanischer Kollege und Fed-Chef Powell klargemacht, dass es mit ihnen keine Rückkehr zu einer seriösen Geldpolitik geben wird. Mittlerweile hat es weltweit Anleihen im Gegenwert von 13 Billionen Franken mit negativer Verfallrendite.

Das wird die mittelfristige Goldhausse weiter befeuern. ETF und Zentralbanken sind weiter auf der Käuferseite. Vor diesem Hintergrund sind alle kurzfristigen Rücksetzer beim Goldpreis gute Gelegenheiten, um in profitable Goldminengesellschaften zu investieren.

Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Gold ist wieder in aller Munde (Teil 1)
Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Gold ist wieder in aller Munde (Teil 2)

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Zum Autor:
Robert Jakob ist promovierter Naturwissenschaftler und Buchautor und arbeitete sowohl in der Grundlagenforschung als auch für Verlage, Versicherungen und Banken. Seit Jahrzehnten ist der Wissenschaftler und Kommunikationsspezialist ein ausgewiesener Kenner der Finanzszene. Er leitete nicht nur die Redaktion des Swiss Equity Magazins (einem Tochterunternehmen der NZZ), sondern dortselbst auch das Team der Aktienanalysten.

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