Alfred W. Moeckli, CEO VP Bank Gruppe, im Interview

Von moneycab - 16:06

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Alfred W. Moeckli, CEO VP Bank Gruppe. (Foto: VP Bank)

Von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Moeckli, im Vergleich zu den Schweizer oder deutschen Grossbanken haben die grossen Liechtensteiner Banken einen erstaunlichen Turnaround an den Tag gelegt. Wird die Luft bald wieder dünner?

Alfred W. Moeckli: Mit Grossbanken ist ein Vergleich eigentlich nicht sinnvoll. Die liechtensteinischen Privatbanken wachsen und zeigen grösstenteils in der Tat sehr erfreuliche Entwicklungen. Das gilt insbesondere für die VP Bank. Wir haben in den letzten Jahren viele Veränderungen vorgenommen und dadurch ein solides Fundament für weiteres Wachstum gelegt. 2017 hat eindrücklich gezeigt, wozu die VP Bank Gruppe fähig ist und wieviel Potenzial in unserem Unternehmen steckt. Der Nettoneugeldzufluss mit 1.9 Milliarden Franken war stark und mit einem Konzerngewinn von nahezu 66 Millionen Franken sprechen wir vom besten Ergebnis seit zehn Jahren. Unsere positive Entwicklung wird zunehmend auch von den Anlegern goutiert. Im Vergleich zu anderen Bankenwerten in der Schweiz zeigte sich die VP Bank Aktie besonders in den letzten eineinhalb Jahren als überaus lukratives Investment.

Im letzten Jahr trug der Erfolg aus Finanzanlagen fast ein Drittel zum Gewinn der VP Bank bei. Da wird man doch sicher vorsichtiger…

Der Erfolg aus den Finanzanlagen war beachtlich. Es handelt sich jedoch grösstenteils nicht um Einmalgewinne, sondern um Erträge, welche unter Finanzanlagen ausgewiesen werden müssen. Wichtiger ist mir jedoch die Entwicklung unserer Standorte, die alle zum Wachstum der VP Bank Gruppe beigetragen haben. Hervorheben möchte ich die äusserst erfreuliche Entwicklung unseres Standortes in Zürich. Der Umbau zu einer schlagkräftigen Vertriebsorganisation entfaltet nun seine volle Wirkung, was sich in stark steigenden Nettoneugeldzuflüssen niederschlägt. Zudem erachten wir nach wie vor das Fondsgeschäft mit unserem Kompetenzzentrum VP Fund Solutions als besonders attraktives Wachstumssegment.

Im Mai wurde die VP Bank von Standard & Poor’s auf A upgegraded. Wie sinnvoll ist ein Rating bei den zwei grossen amerikanischen Agenturen? Diese stehen ja nun schon seit anderthalb Jahrzehnten in der Kritik.

Standard & Poor’s ist nach wie vor eine der renommiertesten Ratingagenturen weltweit, die bei zahlreichen Finanzmarktteilnehmern grosse Beachtung findet. Insofern erachten wir unser hervorragendes «A»-Rating mit stabilem Ausblick durchaus als sinnvoll. Für Kunden und Investoren ist das einfach einer von vielen Faktoren, welche bei der Entscheidungsfindung hilft. Dies gilt umso mehr, als die kürzliche Anhebung unseres Ratings ja vor allem die operative Entwicklung der VP Bank Gruppe widerspiegelt. Nebst den operativen Fortschritten wurden in der Bewertung auch die beträchtlichen Nettoneugeldzuflüsse im Jahr 2017 sowie die nach wie vor sehr starke Kapitalausstattung betont. Standard & Poor’s hebt zudem den finanziellen Spielraum hervor, mit dem wir weiterhin in das operative Geschäft investieren und eine aktive Rolle im Konsolidierungsprozess der Bankenbranche in Europa spielen können.

Die Kernkapitalquote beträgt weit überdurchschnittliche 25.7 Prozent. Das würde doch als Vertrauensbeweis bei weitem genügen…

Durchaus, mit unserer Tier 1 Ratio von 25.7 Prozent besitzen wir im Branchenvergleich eine äusserst überdurchschnittliche Eigenkapitalbasis. Dass dies Standard & Poor’s ebenso sieht, unterstreicht unsere Kapitalstärke zusätzlich.

„Trotz des starken organischen Wachstums steht es ausser Frage, dass wir noch eine grössere Akquisition tätigen wollen.“
Alfred W. Moeckli, CEO VP Bank Gruppe

Bei so einem Polster stellt sich natürlich die Frage nach den vielen strategischen und taktischen Möglichkeiten, die Sie dadurch haben?

Trotz des starken organischen Wachstums steht es ausser Frage, dass wir noch eine grössere Akquisition tätigen wollen, um unser Mittelfristziel bei den betreuten Kundenvermögen zu erreichen. Aufgrund unserer hervorragenden Eigenmittelbasis können wir Übernahmen von bis zu rund 20 Milliarden Franken an Assets ohne Verwässerung für bestehende Aktionäre vollziehen. Wir prüfen gezielt Übernahmemöglichkeiten an den Standorten Asien, Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein. Dabei achten wir konsequent darauf, welcher Markt für welches Business das grösste Potenzial hat. Im Fondsgeschäft beispielsweise legen wir unseren Fokus klar auf Luxemburg, denn dort spielt die Musik im Fondsbusiness.

Regulatorische Anforderungen werden für die Banken zu einem immer schwereren Klotz am Bein. Das gilt vor allem auch für die kleineren Länder, wie Liechtenstein. Wie sehr hilft Ihnen da wenigstens die Digitalisierung?

Regulatorische Veränderungen sind in der Tat anspruchsvoll, doch bisher haben wir diese gut gemeistert. Natürlich nutzen wir die Chancen aus der Digitalisierung gezielt und möglichst zeitnah. So automatisieren wir einerseits Prozesse, um die Effizienz zu erhöhen und Kosten zu sparen. Andererseits wollen wir uns aber auch digitale Errungenschaften zu Eigen machen, um so einen klaren Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. Im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie haben wir die technische Modernisierung unserer Online-Services intensiv vorangetrieben und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. 2017 haben wir beispielsweise unsere Website auf einer hochmodernen Portaltechnologie neu aufgesetzt und einem kompletten Redesign unterzogen. Unser e-banking wurde kürzlich mit erweiterten Funktionen und erhöhter Benutzerfreundlichkeit auf dem Portal erfolgreich implementiert und in der Anlageberatung setzen wir schon seit geraumer Zeit Tablets ein, womit der Kunde aktiv in die Beratung miteinbezogen wird. Das Gute an der Regulierung ist, dass es alle Marktteilnehmer früher oder später trifft. Ich denke, wir sind hier sicher voraus.

„Das eigentliche Ziel von MiFID ist der Schutz der kleineren Kunden. Mit dem Regelwerk werden kleinere wie auch grössere Kunden mehr als überfordert, und kundenfreundlich ist es allemal nicht.“

MiFID II sollte vor dem Hintergrund der elektronischen Datenverarbeitung also keine grosse Belastung für Sie sein, sondern eher eine Chance auf weiter verbesserte Dienstleistung?

Die Umsetzung dieses Regelwerks war doch sehr zeit- und kostenintensiv und so gesehen sicher auch eine Belastung in mehrfacher Hinsicht. Aus unserer Erfahrung ist es entscheidend, wie frühzeitig und in welcher Tiefe sich Institute mit solchen Themenstellungen auseinandersetzen. Bei der VP Bank wollen wir solche Herausforderungen auch als Chance zur Verbesserung der eigenen Service- und Anlageberatungsqualität sehen. Dies führt in der Regel zu einer höheren Kundenzufriedenheit – und das sollte auch das erklärte Ziel sein. Das eigentliche Ziel von MiFID ist der Schutz der kleineren Kunden. Mit dem Regelwerk werden leider aber kleinere wie auch grössere Kunden mehr als überfordert, und kundenfreundlich ist es allemal nicht.

Wo liegt die langfristige Zielgrösse Ihrer Kostenquote, die im letzten Jahr bereist von 68.4 Prozent auf 64.2 gesenkt werden konnte? Das Mittelfristziel von 70% haben Sie ja schon lange erreicht.

Im Rahmen der Strategie 2020 haben wir drei Mittelfristziele festgelegt, die wir bis Ende 2020 erreichen wollen. Unser Mittelfristziel einer Cost/Income Ratio von unter 70 Prozent haben wir wie erwähnt bereits heute erreicht. Das freut uns sehr und zeigt eindrücklich, dass wir unsere Kosten im Griff haben und die Erträge auf dem richtigen Weg sind. Die bei uns erreichte positive Lücke werden wir bewusst für Investitionen in Wachstum nutzen. Als Liechtensteiner Institut sind wir diesbezüglich besonders gefordert, da Liechtenstein ein EWR-Mitgliedsland und damit mehr in die EU eingebunden ist als die Schweizer Institute. So müssen wir Regulierungen wie etwa MiFID II schneller übernehmen. Insofern ist es nach wie vor unser Ziel, die Cost/Income Ratio möglichst weit unterhalb der Marke von 70 Prozent zu halten.

Die betreuten Kundenvermögen haben die 40-Milliardengrenze geknackt. Die Hälfte ihrer neuen Kundenbetreuer stellt die VP Bank Gruppe in Asien ein. Das machen aber andere auch. Wird der Markt dort nicht langsam eng?

Die Rekrutierung von Top-Kundenberatern in Asien ist zeit- und integrationsaufwändiger als in Europa. Doch auch dort gelingt es uns immer wieder, erstklassige Berater für uns zu gewinnen. Insgesamt stiessen im letzten Jahr 24 neue Kundenberater neu zu uns, die spürbar zur starken Nettoneugeld-Entwicklung beigetragen haben. Auch dieses Jahr sind wir auf Kurs. Die VP Bank ist ein moderner Arbeitgeber, der durch Stabilität, unternehmerisches Arbeiten und ein persönliches Arbeitsumfeld überzeugt. Hinzu kommt die sehr hilfreiche Tatsache, dass unser Unternehmen nicht von negativen Schlagzeilen belastet wird. So gesehen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir bis Ende 2019 unser Ziel von zusätzlichen 75 Kundenberatern erreichen werden.

„Wir betreuen unsere russischen Kunden ausschliesslich von Zürich aus und unsere russischen Kunden zählen typischerweise nicht zu den sogenannten Oligarchen.“

Hat Ihr Zielmarkt Russland unter den US-Sanktionen gelitten?

Nein. Wir betreuen unsere russischen Kunden ausschliesslich von Zürich aus und unsere russischen Kunden zählen typischerweise nicht zu den sogenannten Oligarchen. Wir beobachten aber sehr genau die Reputationsrisiken. Vielleicht wird es in Zukunft schwieriger, neue russische Kunden zu gewinnen.

Bei IT und Logistik kooperiert die VP Bank mit der anderen grossen Liechtensteiner Bank, der Liechtensteinischen Landesbank. Wie häufig treffen Sie Ihren CEO-Kollegen pro Jahr?

Die Zusammenarbeit zwischen der LLB und der VP Bank findet in ausgewählten Bereichen statt, die am Markt nicht differenzierend sind. Dies umfasst ein gemeinsames Druck- und Versandzentrum, den gemeinsamen Einkauf von Finanzinformationssystemen und das gemeinsame Rechenzentrum. Diese Kooperation führt bei beiden Instituten zu wichtigen Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen. Da sich aktuell keine weiteren Bereiche für eine engere Zusammenarbeit anbieten, sind auch die Treffen mit meinem Kollegen bei der LLB überschaubar. Wir pflegen aber regelmässigen Kontakt – sicherlich einmal monatlich.

Zur Person:
Alfred W. Moeckli, Schweizer, geboren am 2. Juli 1960 ist seit 1. Mai 2013 CEO bei der in Vaduz ansässigen VP Bank. Zuvor war er während drei Jahren CEO bei der bank zweiplus ag in Zürich. Von 1999 bis 2002 war Moeckli auch CEO der Swissquote Bank und gründete zwei Jahre später die Trading-Plattform Tradejet, welche von Swissquote 2010 übernommen wurde. Alfred W. Moeckli verfügt über einen Master of Business Administration der Northwestern University, Evanston, Illinois, USA.

Zur VP Bank:
Die VP Bank AG wurde 1956 gegründet und ist heute weltweit an sieben Standorten vertreten. Zu ihren Kernkompetenzen zählen die massgeschneiderte Vermögensverwaltung und Anlageberatung für Privatpersonen und Intermediäre. Die Bank verfügt über eine solide Bilanz und Eigenmittelausstattung. Die VP Bank ist an der Schweizer Börse SIX kotiert und hat von Standard & Poor’s ein «A»-Rating erhalten.

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