Alle 40 Todesopfer von Crans-Montana VS sind identifiziert

Alle 40 Todesopfer von Crans-Montana VS sind identifiziert
Trauernde haben am Sonntag auf dem Dorfplatz von Crans-Montana Blumen, Geschenke und Kondolenzschreiben hinterlassen. (Foto: @ Etat du Valais)

Crans-Montana VS – Alle 40 Todesopfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS in der Silvesternacht sind identifiziert. Das teilten die Walliser Behörden am Sonntagabend mit. Die Identifikationsarbeiten an den 16 verbliebenen Leichen konnten somit abgeschlossen werden.

Vier von ihnen sind Schweizer, darunter zwei 15-jährige Teenager, eine 22-jährige Frau und eine 24-jährige schweizerisch-französische Doppelbürgerin. Ausser ihr gibt es sieben weitere Franzosen, darunter eine 26-jährige und eine 33-jährige Frau und vier junge Männer im Alter von 14, 17, 20 und 23 Jahren. Die Polizei zählt auch eine 15-jährige Dreifachstaatsangehörige (Frankreich/Israel/Grossbritannien) zu den Opfern.

Zwei italienische Mädchen im Alter von 15 und 16 Jahren und ein italienischer Junge im Alter von 16 Jahren, eine 17-jährige Belgierin und eine 22-jährige Portugiesin sind ebenfalls unter den Todesopfern.

22 der insgesamt 40 Toten waren Schweizer und 18 ausländische Staatsangehörige. 14 Jahre alt war das jüngste Todesopfer, 39 Jahre alt das älteste. Die Leichname wurden den Familien übergeben, wie es weiter hiess.

An den Identifikationsarbeiten beteiligt waren – neben der Kantonspolizei – das Institut für Rechtsmedizin und die sogenannte Disaster Victim Identification (DVI).

Verletzte mehrheitlich identifiziert
Auch die 119 Verletzten konnten mit wenigen Ausnahmen formell identifiziert werden. Darunter sind 71 Schweizerinnen und Schweizer, 14 französische und 11 italienische Staatsangehörige. Die meisten Patientinnen und Patienten befinden sich mit schweren Brandverletzungen in kritischem Zustand.

35 Patientinnen und Patienten wurden seit Freitag in spezialisierte Kliniken in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien verlegt, wie der Bund mitteilte. Im Rahmen des Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union haben auch zahlreiche weitere Länder Hilfe angeboten.

Riesige Anteilnahme
Um den Opfern zu gedenken, haben am Sonntag Hunderte von Menschen an einer Messe in Crans-Montana teilgenommen. Der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, und der reformierte Pfarrer Gilles Cavin wollten eine Botschaft der Hoffnung vermitteln.

Vor der Versammlung wandte sich Cavin an die Jugendlichen, die zahlreich in der Kapelle erschienen waren: «Habt keine Angst, eure Gefühle, eure Ängste, eure Wut und eure Traurigkeit in Worte zu fassen. Traut euch, zu sprechen, traut euch, um Hilfe zu bitten, traut euch, euch auf andere zu stützen.»

Im Anschluss an die Messe fand ein Schweigemarsch statt, an dem sich laut einer Reporterin von Keystone-SDA mehr als tausend Menschen beteiligten. Auch mehrere Mitglieder der Walliser Kantonsregierung nahmen daran teil, gesichtet wurden aber auch der italienische Botschafter in der Schweiz und alt Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Die trauernde Menschenmenge zog in aller Stille zur hinter einem Sichtschutz versteckten Bar, wo sich der Brand ereignet hatte.

Nationaler Gedenktag am Freitag
Ein nationaler Gedenktag ist schliesslich für den kommenden Freitag vorgesehen. Das sagte Bundespräsident Guy Parmelin in Interviews mit dem «Sonntagsblick» und der «Sonntagszeitung». Schweizweit sollen demnach als Zeichen der Verbundenheit um 14 Uhr die Kirchenglocken läuten. Zudem sei zu diesem Zeitpunkt eine Schweigeminute vorgesehen.

Zeitgleich wird eine Trauerfeier in Crans-Montana beginnen. Er werde mit einer Delegation des Bundesrates und den Walliser Behörden an der Gedenkzeremonie teilnehmen, kündigte Parmelin an.

Welche ausländischen Delegationen ebenfalls an der Trauerfeier in Crans-Montana teilnehmen werden, ist noch nicht bekannt. Nach der Brandkatastrophe im Ferienort hätten ihn viele Staats- und Regierungschefs persönlich angerufen, sagte Parmelin. «Es ist klar, dass kein Land eine solche Ausnahmesituation allein meistern kann», sagte er.

Verfahren gegen Barbetreiber
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana ereignete sich in der Bar «Le Constellation». Die Walliser Staatsanwaltschaft hat am Samstag eine Strafuntersuchung gegen die beiden Betreiber des Lokals eröffnet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen.

In Untersuchungshaft kommen die Barbetreiber zunächst nicht. Dafür seien die Kriterien nicht erfüllt, hiess es am Sonntagabend von der Walliser Staatsanwaltschaft. Und bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Alles deutet laut der Staatsanwaltschaft darauf hin, dass das Feuer von «Wunderkerzen» ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren. Gemäss Bildern in den sozialen Netzwerken soll eine Person auf den Schultern einer anderen Person versehentlich die Decke in Brand gesetzt haben. Die Ermittler konzentrieren sich nun unter anderem auf den Lärmschutzschaum, der an der Decke angebracht war.

In der Strafuntersuchung tritt die Gemeinde Crans-Montana als Zivilklägerin auf, wie sie mitteilte. Die Gemeinde wolle, dass die Tragödie schnell vollständig aufgeklärt werde. (awp/mc/ps)

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