CH-Verlauf: SMI in Rekordlaune
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt lässt sich die positive Stimmung nicht verderben. Trotz gedämpfter Vorgaben und geopolitischer Unsicherheiten erklimmt der Leitindex SMI im Vormittagshandel einen weiteren Rekordwert. «Normalerweise schauen Anleger in Europa eher neidisch auf die Börsen in New York. Doch aktuell ist das wohl eher umgekehrt», kommentierte ein Händler die Entwicklung. Denn der Wall Street macht der Angriff von US-Präsident Donald Trump auf Fed-Chef Jerome Powell zu schaffen. Und auch eine mögliche Eskalation im Iran oder Grönland dämpft die Laune in Übersee. Der SMI kann in diesem Umfeld seine Qualitäten als sicherer Hafen offenbar ausspielen.
Im Tagesverlauf richtet sich dann der Blick aber erneut in die USA. Dort legen mit Wells Fargo, Citigroup und Bank of America einige grosse Finanzinstitute ihre Zahlen vor. Zudem stehen einige Konjunkturdaten an wie beispielsweise der Detailhandelsumsatz oder die Produzentenpreise und am Abend mit dem Beige Book der Konjunkturbericht des Fed. «Noch scheint die Anleger hierzulande der Streit zwischen Trump und Powell nicht zu interessieren. Aber die Auswirkungen sind nicht zu unterschätzen und auch die Volatilität könnte in nächster Zeit durchaus anziehen», kommentierte ein Börsianer.
Der SMI steigt gegen 10.50 Uhr um 0,68 Prozent auf 13’455,30 Punkten. Kurz zuvor markierte er bei 13’460,33 Zählern erneut einen Rekord. Der 30 Titel umfassende SLI gewinnt 0,64 Prozent auf 2174,69 und der breite SPI legt um 0,69 Prozent auf 18’530,13 Zähler zu. Im SLI haben die Gewinner zahlenmässig klar die Nase vorn.
Das Gewinnerfeld führen Kühne+Nagel (+3,8%) an. Goldman Sachs hat die Titel des Logistikers gleich um zwei Stufen von «Sell» auf «Buy» hochgestuft. Die Analysten bevorzugen nun Unternehmen mit einem stärkeren «asset-light»-Ansatz und darunter falle auch Kühne+Nagel.
Klar im Plus liegen zudem Richemont (+0,9%) und Swatch (+2,1%). Chinas Aussenhandel hat trotz des Zollstreits einen Rekordüberschuss erreicht. Das sorgt für Hoffnung auf eine baldige Erholung in dem wichtigen Absatzland.
Gefragt sind auch Titel aus dem Gesundheitssektor mit Sandoz (+2,7%) oder Galderma (+2,7%), die Schwergewicht Novartis (+1,4%) und Roche (+1,0%) liegen ebenfalls im Plus.
Auch Nestlé (+0,8%) machen nach den jüngsten Verlusten rund um den Rückruf von Babynahrung wieder etwas an Boden gut. CEO Philipp Navratil hat sich in einer Videobotschaft bei Eltern und Betreuungspersonen für die entstandene Verunsicherung entschuldigt. Er bekräftigte auch, dass es bislang keine bestätigten Krankheitsfälle im Zusammenhang mit den Produkten gebe.
Sika (+1,3%) versuchen sich nach den massiven Vortagesverlusten von fast 10 Prozent an einer Gegenbewegung. Analysten senken derweil reihenweise ihre Kursziele für den Bauchemiekonzern.
Zu den wenigen Verlierern zählen indes Alcon (-0,4%). Händler verweisen auf die Healthcare Conference von JPMorgan. Hier reagiere der Markt wohl «unterkühlt» auf Aussagen des Unternehmens. Dies ist das erste wichtige Treffen der Branche in diesem Jahr und dabei könne es immer zu Kursausschlägen kommen. So ist auch Newron (-5,6%) unter den Teilnehmern.
Zu regelrechten Kurskapriolen kommt es bei Autoneum (-9,3%). Die UBS hat nach der starken Entwicklung des Aktienkurses die Einstufung auf «Neutral» zurückgenommen. Derweil profitiert Ems Chemie (+7,9%) von einer Hochstufung aus gleichem Haus. Die UBS empfiehlt die Titel als eine der ersten nun zum Kauf.
An diesem generell eher nachrichtenarmen Tag sorgen auch Kurszieländerungen für teils kräftige Bewegung. So klettern Comet (+4,0%) nach einer Studie der UBS, während Cicor (4,5-%) unter einer Kurszielsenkung von Oddo BHF leiden. Bei Swissquote (-3,8%) hat die UBS die «Sell»-Empfehlung bekräftigt und das Kursziel nochmals reduziert. (awp/mc/pg)