Alois Waldburg-Zeil, CEO CPH Group, im Interview
von Robert Jakob
Moneycab.com: Herr Waldburg-Zeil, die CPH Group hat im Berichtsjahr die LOG Pharma mit Produktionsstätten in Israel und Ungarn übernommen. Welchen Umsatzzuwachs versprechen Sie sich davon bei Perlen Packaging?
Alois Waldburg-Zeil: Mit der Übernahme von LOG Pharma ergänzt Perlen Packaging ihre Produktpalette mit Fläschchen und Behältern als komplementäre Primärverpackungen von Medikamenten. Mit LOG Pharma beabsichtig Perlen Packaging mittelfristig den Zugang zum US-Markt. Der ist primär ein Fläschchen- und kein Blistermarkt. Wir gehen davon aus, dass LOG Pharma alleine mittelfristig ein Umsatzwachstum deutlich über unseren anvisierten 5-8% erzielen wird.
Sind die bei LOG Pharma konstatierten Anlaufschwierigkeiten jetzt Schnee von gestern?
Es gab im Berichtsjahr unerwartete kundenseitige Auftragsanpassungen, welche zu einer schwächeren Auslastung, insbesondere in Ungarn, führten. Gezielte markt- und kostenseitige Gegenmassnahmen wurden eingeleitet. Insgesamt gehen wir weiterhin davon aus, dass LOG Pharma die akquisitionsrelevanten Ziele erfüllen wird.
«Wir gehen weiterhin davon aus, dass LOG Pharma die akquisitionsrelevanten Ziele erfüllen wird.»
Alois Waldburg-Zeil, CEO CPH Group
Der Bereich Zeochem kaufte die kanadische SiliCycle. Sie ergänzt das bestehende Portfolio an Chromatographie-Gelen. Was macht die kanadischen Gele so besonders?
SiliCycle ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von hochwertigen Chromatographie-Gelen für die Trennverfahren von pharmazeutischen Produkten, wie zum Beispiel Polypeptide, die unter anderem bei den Wirkstoffen in Abnehmspritzen (GLP-1-Analoga) eine wichtige Rolle spielen. Der Erwerb von SiliCycle ergänzt das Produktportfolio von Zeochem insbesondere um hochwertige derivatisierte Chromatographie-Gele, die für anspruchsvolle Trennaufgaben in der Chemie, Pharmazeutik und Biotechnologie eingesetzt werden.
Zeochem hat im vergangenen Jahr sehr gut performt. Liegt das daran, dass die Produkte besonders in Forschung und Entwicklung eingesetzt werden und in deren Spitzentechnologie wenig Konkurrenz für CPH-Produkte existiert?
Die erfreuliche Entwicklung von Zeochem ist das Ergebnis unserer Fokussierung auf hochwertige Spezialanwendungen und einer engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Deuterierte Verbindungen und Chromatographie-Gele werden zum Teil in der Forschung eingesetzt, wo besonders leistungsfähige Produkte nötig sind, um die Bedarfe dieser Kunden abdecken zu können. Die Herstellung dieser Produkte verlangt besonderes Knowhow. Unser Erfolg basiert auf Innovationskraft, Qualität und der Fähigkeit, massgeschneiderte Lösungen zuverlässig zu liefern.
«Bei besonders attraktiven Gelegenheiten lässt der tiefe Verschuldungsfaktor eine gewisse Flexibilität bei der Eigenkapitalquote zu.»
Die Finanzierung der beiden Zukäufe erfolgte auch durch leichte Erhöhung der Nettoverschuldung, welche aber bei tiefen 0,5 im Verhältnis zum EBITDA steht. Welches Maximum könnten Sie sich genehmigen, wenn sie auf entsprechende Gelegenheiten stossen?
Banken attestieren uns ein Verschuldungspotential von bis zu rund dreimal EBITDA. Das könnte grundsätzlich ein deutliches zusätzliches akquisitorisches Wachstum mit einem Transaktionsvolumen im tieferen dreistelligen Millionenbereich ermöglichen. Limitierend wirkt die mittel- und langfristige angestrebte Eigenkapitalquote, welche 50 Prozent nicht unterschreiten sollte. Bei besonders attraktiven Gelegenheiten lässt der tiefe Verschuldungsfaktor aber eine gewisse Flexibilität bei der Eigenkapitalquote zu.
Im Berichtsjahr wurden 38 Prozent Ihrer Investitionen ausserhalb Europas getätigt. Wohin floss das meiste Geld?
Schwerpunkte der Investitionen waren Ausbau- und Effizienzsteigerungsprojekte an den Zeochem-Standorten Rüti/Schweiz und Louisville/USA sowie Kapazitäts- und Effizienzsteigerungen an den Perlen Packaging-Standorten Perlen/Schweiz sowie Müllheim/Deutschland. Insbesondere erfolgten auch gezielte Kapazitätserweiterungen in der Produktion der deuterierten Verbindungen, welche über die letzten 5 Jahre deutlich mit einem CAGR von 21% gewachsen ist. Darüber hinaus erfolgten Produktivitäts- und Erweiterungsinvestitionen an allen internationalen Standorten.
Das Umfeld von Perlen Packaging von Handelszöllen geprägt. Betrifft das neben dem US-Geschäft noch andere Länder?
Handelszölle und handelspolitische Spannungen betreffen vor allem Warenströme im Zusammenhang mit dem US-Markt. Grundsätzlich beobachten wir jedoch weltweit eine zunehmende Tendenz zu protektionistischen Massnahmen. Die entsprechenden Rahmenbedingungen dürften sich weiterhin dynamisch entwickeln. Dank unserer lokalen Produktionsstandorte und unserem Fokus auf globale Nischenmärkte sind wir insgesamt gut positioniert, um direkte Auswirkungen auf andere Länder zu begrenzen.
«Das Wachstumspotential von hochwertigen Barrierefolien sehen wir weiterhin.»
Wieso ergab sich eine Produktmixverschiebung hin zu Monoblistern?
Wir sehen die Verlagerung des Mix eher als eine temporäre Erscheinung. Diese war begünstigt von einer für uns vorteilhaften Kapazitätssituation im Bereich der Monofolien. Das Wachstumspotential von hochwertigen Barrierefolien sehen wir unverändert.
Letztes Jahr stieg der Energieaufwand um rund 20%. Worauf war das zurückzuführen?
Auf die neuen Produktionsstätten der akquirierten LOG Pharma, SiliCycle und Sorbchem sowie auf die leicht gestiegenen Energiepreise.
Sowohl EBIT als auch Nettoergebnis sollen im laufenden Jahr steigen. Wo könnten allenfalls Störfaktoren lauern?
Wir erwarten für das laufende Jahr eine positive operative Entwicklung. Gleichzeitig bewegen wir uns in einem Umfeld geprägt von geopolitischen Spannungen, Währungsbewegungen und möglichen Schwankungen bei Energie- und Rohstoffpreisen. Dank unserer breiten geografischen Aufstellung, den weiterhin intakten Wachstumstreibern, den Megatrends Gesundheit & Demografie, den verfolgten Wachstumsinitiativen sowie konsequentem Kostenmanagement sind wir jedoch gut positioniert, um potenzielle Störfaktoren abzufedern.