Chronik des Misstrauens: Die USA unter Trump und der Iran

Chronik des Misstrauens: Die USA unter Trump und der Iran
Die iranische Atomanlage Fordo im Juni 2025 nach einem US-Angriff mit bunkerbrechenden Bomben (Einschlaglöcher rechte Bildhälfte).

Washington / Teheran – Israel und die USA haben einen grossangelegten Angriff gegen den Iran begonnen. US-Präsident Donald Trump will damit angeblich die unmittelbare Bedrohung durch die iranische Führung ausschalten und hat die Iraner aufgerufen, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. Die Eskalation hat eine lange Vorgeschichte. Eine Chronik:

2018: Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen
Im Mai 2018 kündigt Trump in seiner ersten Amtszeit einseitig das 2015 geschlossene Wiener Abkommen über das iranische Atomprogramm (JCPOA) auf – denn dieses sei einer der «schlechtesten Deals aller Zeiten» gewesen. Trump kritisierte, dass das Abkommen sich rein auf die nukleare Anreicherung fokussiert habe. Das Raketenprogramm des Irans und die negativen Folgen durch das Aufheben von Sanktionen, durch die wieder Geld ins Land fliessen konnte, wurden dagegen nicht berücksichtigt.

Der Ausstieg aus dem Abkommen markierte den Beginn der Strategie des «maximalen Drucks»: Die Vereinigten Staaten verhängten neue harte Sanktionen gegen den Iran, woraufhin dieser sich nicht mehr an frühere Verpflichtungen hielt und wieder begann, Uran massiv anzureichern. Auch wurde die Überwachung durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eingeschränkt.

2020: Tötung von General Soleimani durch das US-Militär
Bei einem US-Drohnenangriff wurde im Januar 2020 der mächtige iranische General Ghassem Soleimani in Bagdad getötet. Soleimani, Kommandeur der Auslandseinheit der Revolutionsgarden, galt als Architekt der sogenannten Widerstandsachse, eines Netzwerks militanter Gruppen im Kampf gegen Israel.

In der Folge von Soleimanis Tötung griff der Iran einen US-Stützpunkt im Irak mit Raketen an. Beide Länder bewegten sich an den Rand eines Krieges. Langfristig gesehen verankerte sich ein tiefer Rachegedanke innerhalb der Revolutionsgarden, der auf Jahre hin direkte diplomatische Gespräche unmöglich machte.

2024: Angebliches iranisches Mordkomplott gegen Trump
Das US-Justizministerium warf dem Iran im November 2024 vor, die Ermordung Trumps geplant zu haben. Der Iran wies das vehement zurück. In der Folge wurde in den USA Anklage gegen mehrere Verdächtige erhoben.

Juni 2025: Beteiligung am israelischen Krieg gegen iranische Atomanlagen
Israel hatte im Juni 2025 zwölf Tage Krieg gegen den Erzfeind Iran geführt und militärische und zivile Ziele in weiten Landesteilen bombardiert. Die USA waren an der Seite Israels in den Krieg eingestiegen und bombardierten drei wichtige iranische Nuklearanlagen. Israels Angriff erfolgte damals nur einen Tag vor einer geplanten Runde weiterer Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über Irans Atomprogramm. Der Iran reagierte damals mit massivem Raketenbeschuss israelischer Städte, darunter auch Tel Aviv.

2019-2026: Bemühungen um Deeskalation
In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Hoffnungen auf eine nachhaltige Deeskalation – vergeblich: So hatte etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den damaligen iranischen Aussenminister Mohammad Dschawad Sarif 2019 zum G7-Gipfel in Biarritz eingeladen. Ein Treffen zwischen ihm und Trump kam aber nicht zustande.

Auch in den darauffolgenden Jahren gab es diplomatische Bemühungen, etwa nach dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden 2021 und mit der Wiederaufnahme indirekte Gespräche in Wien für ein neues Abkommen. Doch die Verhandlungen kamen ins Stocken, unter anderem durch die iranische Unterstützung Russlands im Ukraine-Krieg und die brutale Niederschlagung von Protesten im Iran 2022.

Zuletzt lag die Hoffnung auf den Gesprächen zwischen Washington und Teheran über das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA wollten verhindern, dass die Führung in Teheran Atomwaffen entwickelt. Die iranische Regierung bestritt entsprechende Absichten, zeigt sich jedoch bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen. Im Gegenzug fordert Teheran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. (awp/mc/ps)

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