Iran-Krieg belastet Finanzmärkte – Gold gefragt

Iran-Krieg belastet Finanzmärkte – Gold gefragt
(Bild: Adobe Stock)

Frankfurt/London/Tokio – Die Eskalation des Iran-Konflikts sorgt zum Wochenstart für Verunsicherung an den Finanz- und Rohstoffmärkten. Vor allem der Anstieg der Gas- und Ölpreise infolge der Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus birgt Risiken für die Weltwirtschaft. Die Strasse ist ein Nadelöhr des weltweiten Energiehandels. Allerdings hatten sich die Angriffe der USA und Israels auf den Iran schon abgezeichnet, Panik an den Finanzmärkten gab es nicht.

Jetzt kommt es vor allem darauf an, ob der Konflikt länger dauert oder zügig beendet wird. «Bleibt es bei einem kürzeren Konflikt, werden die wirtschaftlichen Folgen jedenfalls begrenzt bleiben», erklärt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Der europäische Gaspreis schnellte am Montag zum Handelsstart um ein Viertel in die Höhe und kam dann nur etwas zurück. Allerdings ist Erdgas damit gerade einmal so teuer wie zuletzt im Januar, als niedrige Temperaturen in weiten Teilen Europas und vergleichsweise niedrige Füllstände der Gasspeicher den Preis nach oben getrieben hatten.

Am Ölmarkt waren in der Nacht zum Montag die Notierungen für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA in den ersten Handelsminuten ebenfalls stark gestiegen. Brent erreichte in der Spitze den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl auf den höchsten Stand seit Juni 2025. Die Preise kamen danach aber rasch ein gutes Stück zurück. Für Brent mussten zuletzt 78,40 Dollar je Barrel (159 Liter) gezahlt werden, für US-Öl noch 71,94 Dollar. Das waren jeweils gut sieben Prozent mehr als vor dem Wochenende.

Entscheidend sei nun die Dauer des Konflikts und ob und in welchem Umfang die Strasse von Hormus wieder befahrbar werde, erklärte Analyst Michael Hsueh von Deutsche Bank Research in einer ersten Reaktion. Höhere Ölpreise, ein zunehmender Druck auf US-Präsident Donald Trump in der Heimat sowie die Priorität der Golfstaaten, ihre wirtschaftliche Stabilität zu sichern, seine einige der Schlüsselelemente mit Blick auf eine mögliche Deeskalation.

Hsueh machte in einer Analyse drei wesentliche Szenarien auf. Sollte die wichtige Ölhandelsroute nach zwei Wochen durch den Iran wieder freigegeben werden und iranische Ölexporte durch Schäden am Logistik-Hub auf der Insel Kharg nicht mehr eingeschränkt sein oder Reparaturen rasch vorankommen und die USA Exporte erlauben, würde der Brent-Preis nach einem Anstieg bis auf 80 Dollar wohl wieder auf 70 Dollar fallen.

Sollten zumindest einige Schiffe das Nadelöhr noch passieren, rechnet der Deutsche-Bank-Experte mit einem Brent-Preis zwischen 80 und 100 Dollar. Im Falle einer kompletten Schliessung der Strasse von Hormus – etwa durch eine Verminung durch den Iran und andere Massnahmen – würde der Brent-Preis wohl in Richtung 200 Dollar steigen.

Da höhere Ölpreise die Wirtschaftsleistung drücken, starteten die Aktienmärkte überwiegend mit Verlusten in die Woche. Berechnungen der Europäischen Zentralbank zeigten, dass ein Ölpreisanstieg um 10 Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drücke, schrieb VP-Bank-Experte Gitzel. Zu einem ähnlichen Ergebnis kämen Berechnungen von Oxford Economics für die US-Wirtschaft. Das Potenzialwachstum ist ein Mass für die langfristige Wachstumsrate einer Volkswirtschaft bei normaler Auslastung.

In Asien geriet vor allem der japanische Nikkei 225 unter Druck, denn das rohstoffarme Land ist von Energieimporten besonders abhängig. Am deutschen Aktienmarkt verdirbt der Ölpreisanstieg den Anlegern die Laune deutlich. Sie hatten vor dem Wochenende noch auf ein Rekordhoch des Dax gehofft. Der deutsche Leitindex gab bis gegen Mittag um 1,7 Prozent nach; auch am US-Aktienmarkt zeichneten sich Verluste ab.

Besonders stark sanken am deutschen Markt und anderswo die Aktienkurse von Chemie- und Touristikkonzernen. Zwar geben Chemieunternehmen Ölpreisschwankungen teils an die Kunden weiter, dennoch können höhere Ölpreise auf die Margen drücken. Zudem kam der Reiseverkehr in Nahost zum Erliegen. Der Luftraum ist weiträumig gesperrt, Flugzeuge starten nicht; und auch Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab.

Nach Einschätzungen von US-Präsident Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern. Gefragt sind in diesem Umfeld daher derzeit Rüstungswerte und Aktien von Ölunternehmen sowie Ölfeldausrüstern.

Zudem setzen Investoren wieder stark auf den «sicheren Hafen» Gold. Der Preis für das Edelmetall zog deutlich an, zuletzt mussten für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) fast 5.400 Dollar bezahlt werden – das Rekordhoch von fast 5.600 Dollar von Ende Januar rückt langsam wieder näher. Auch der Silberpreis legte zu.

Am Devisenmarkt griffen Investoren beim US-Dollar und beim Schweizer Franken zu, und der Kurs des Euro fiel auf zuletzt 1,1737 Dollar. «Zunächst einmal profitiert der US-Dollar in Kriegssituationen in der Regel, da er die Weltleitwährung ist», so Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Zudem dürfte sich die US-Wirtschaft gegenüber einem möglichen Ölpreisschock als widerstandsfähiger erweisen als die Wirtschaft im Euroraum.

«Der ultimative sichere Hafen unter den Währungen ist aktuell jedoch nicht der US-Dollar, sondern, wie schon im vergangenen Jahr gesehen, der Schweizer Franken», schrieb Nguyen weiter in ihrem Marktkommentar. Das liege weniger an fundamentalen Faktoren, sondern eher daran, dass der Franken diesen Status ohnehin schon habe. Zudem habe die Schweizerische Nationalbank nur noch begrenzte Mittel, den Franken zu schwächen. Zuletzt notierte der Euro zu 0,9072 Franken. (awp/mc/pg)

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