Hannover Rück startet mit Gewinnsprung
Hannover – Der weltweit drittgrösste Rückversicherer Hannover Rück hat ein Jahr nach den schweren Waldbränden in Kalifornien wieder deutlich mehr verdient. Mit 711 Millionen Euro lag der Gewinn im ersten Quartal fast anderthalbmal so hoch wie ein Jahr zuvor. Unterdessen setzte sich der Preisverfall in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung fort, wie der Dax -Konzern am Montag in Hannover mitteilte. Dennoch und trotz der Verwerfungen durch den Iran-Krieg sieht Vorstandschef Clemens Jungsthöfel das Unternehmen auf dem Weg zu einem Rekordgewinn in diesem Jahr.
An der Börse kamen die Neuigkeiten schlecht an. Die Hannover-Rück-Aktie verlor kurz nach Handelsstart 3,2 Prozent auf 236,80 Euro und war damit einer der schwächsten Werte im Dax. So hatte der Rückversicherer im ersten Quartal überraschend einen deutlichen Umsatzrückgang verbucht. Beim Gewinn hatten sich Analysten noch etwas mehr versprochen.
So fiel der Rückversicherungsumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als sechs Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro, während Branchenexperten im Schnitt einen Anstieg auf 7,1 Milliarden erwartet hatten.
Finanzvorstand Christian Hermelingmeier erklärte die Entwicklung zum einen mit dem Wertverlust des US-Dollar im Verhältnis zum Euro. Ausserdem habe ein Kunde einen grossen Posten in der strukturierten Rückversicherung vom Markt genommen, an dem die Hannover Rück beteiligt gewesen sei. Im Vergleich zu Wettbewerbern habe der Konzern aber weniger Abstriche machen müssen, erklärte der Manager in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.
Schaden-Kosten-Quote verbessert sich auf 83,6 Prozent
Unterdessen konnte die Hannover Rück im Schaden- und Unfallgeschäft einen deutlich grösseren Teil der Prämien als Gewinn einstreichen als ein Jahr zuvor: Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich von 93,9 auf 83,6 Prozent, nachdem die verheerenden Waldbrände in Kalifornien bei dem Rückversicherer Anfang 2025 teuer zu Buche geschlagen hatten.
Damals habe das für das Quartal vorgesehene Grossschaden-Budget nicht ausgereicht, um die gebuchten Schäden zu decken, erklärte Hermelingmeier. Diesmal blieb vom Budget hingegen einiges übrig. Dennoch buchte der Konzern wie üblich die eingeplante Summe voll als Belastung.
Das Budget dürfte auch ausreichen, um die bisherigen Versicherungsschäden aus dem Krieg am Persischen Golf abzudecken, sagte Hermelingmeier. Diese könnten etwa in der Schifffahrts- und Luftfahrt-Versicherung entstehen. Kriegsschäden seien in den Verträgen indes ausgeschlossen, und bisher gebe es kaum konkrete Schadenmeldungen.
Weitere Preisrückgänge
Unterdessen musste die Hannover Rück bei der Vertragserneuerung zum 1. April weitere Preisrückgänge verkraften. Bereinigt um Inflation und veränderte Risiken sanken die Preise den Angaben zufolge im Schnitt um 3,6 Prozent. In der Runde standen Verträge im asiatisch-pazifischen Raum und in Nordamerika sowie Teile des Spezialgeschäfts zur Erneuerung an. Trotz des Preisverfalls baute die Hannover Rück ihr Prämienvolumen um fast 19 Prozent aus. Nachdem die Branche im Geschäft mit Erstversicherern wie Allianz und Generali jahrelang ihre Preise erhöht hatte, muss sie seit einiger Zeit wieder deutliche Rückgänge hinnehmen.
Unterdessen schlugen Grossschäden wie Naturkatastrophen bei der Hannover Rück im ersten Quartal deutlich geringer zu Buche als ein Jahr zuvor. Die teuersten Schäden richteten der Wintersturm «Fern» in Nordamerika sowie zwei Atlantikstürme in Südwesteuropa und Marokko an.
Die Grossschäden des Konzerns summierten sich auf knapp 207 Millionen Euro, während der Vorstand 480 Millionen veranschlagt hatte. Ein Jahr zuvor hatten die Feuer in Kalifornien die Summe auf rund 765 Millionen Euro nach oben getrieben. Für die gesamte Versicherungsbranche war das Ereignis vom Januar 2025 mit versicherten Schäden von etwa 40 Milliarden US-Dollar (rund 34 Mrd Euro) die teuerste Waldbrandkatastrophe ihrer Geschichte. (awp/mc/pg)