Ivo Blättler, CEO und Co-Founder finpension, im Interview

Ivo Blättler, CEO und Co-Founder finpension, im Interview
Ivo Blättler, CEO und Co-Founder finpension. (Foto: finpension/mc)

von Patrick Gunti

finpension wächst rasant: Innerhalb von weniger als einem Jahr sind die verwalteten Vermögen um 50 Prozent auf 6 Milliarden Franken gestiegen, mehr als 75’000 Kundinnen und Kunden nutzen inzwischen die Angebote des digitalen Vorsorge- und Anlageanbieters. CEO und Co-Founder Ivo Blättler spricht im Interview über die Gründe für den Erfolg, die Bedeutung des 1e-Geschäfts und die nächsten Wachstumsschritte. Mit einer Banklizenz, eigenen Hypotheken und einer digitalen Pensionsplanung will finpension sein Angebot gezielt erweitern.

Moneycab.com: Herr Blättler, finpension hat die verwalteten Vermögen in weniger als einem Jahr um 50 Prozent auf 6 Milliarden Franken gesteigert. Was waren die wichtigsten Treiber dieses Wachstums?

Ivo Blättler: All unsere Lösungen (3a/1e/Freizügigkeit/Invest) entwickeln sich sehr erfreulich und tragen zum Wachstum bei. Wir haben die Zeit auf unserer Seite. Immer mehr Personen wechseln von traditionellen Banken zu digitalen Anbietern wie finpension. Sie wollen digitale, transparente Anbieter mit tiefen Gebühren. Vor allem bei den Millennials finden unsere Angebote grossen Anklang: Im letzten Jahr haben sich über 18’000 Millennials finpension angeschlossen. Mittlerweile machen Millennials über die Hälfte unserer Kundschaft aus.

Mit über 75’000 Kundinnen und Kunden haben Sie eine beachtliche Grösse erreicht. Verändert das auch die strategischen Prioritäten?

Nein, unser eingeschlagener Weg hat sich sehr positiv entwickelt und wir werden an diesem Weg respektive unserer Strategie festhalten. Wir werden auch in Zukunft all unsere Lösungen konsequent auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten.

finpension ist mit 1e-Plänen gross geworden. Welche Rolle spielt dieses Geschäft heute?

Unsere 1e-Lösung ist tief in der finpension-DNA verankert. Sie ist der Grund, weshalb es finpension überhaupt gibt, und war die Lösung, mit welcher wir 2016 an den Markt gegangen sind. Alle weiteren Lösungen (3a/Freizügigkeit/Invest) haben sich mit der Zeit ergeben. Die 1e-Lösung spielt nach wie vor eine wichtige Rolle, wächst sehr erfreulich und ist mittlerweile eine der grössten 1e-Stiftungen in der Schweiz.

«Unsere 1e-Lösung ist tief in der finpension-DNA verankert.»
Ivo Blättler, CEO und Co-Founder finpension

Worauf legen Sie beim Ausbau der Angebotspalette besonderen Wert?

Wenn wir eine neue Lösung lancieren, soll es zu diesem Zeitpunkt nach unserer Wahrnehmung die beste Lösung am Markt sein. Dann nur so hat die neue Lösung eine wirkliche Daseinsberechtigung und wird von unseren Kunden gut aufgenommen.

Nun strebt finpension eine Banklizenz an – ist das der nächste Schritt auf dem Weg zu einer vollwertigen Digitalbank?

Es kommt darauf an, was man unter einer «vollwertigen Digitalbank» genau versteht. Wir gehen jeweils Schritt für Schritt und die Banklizenz ist die Voraussetzung, um in das Hypothekargeschäft einsteigen zu können.

Sie wollen künftig auch Hypotheken anbieten. Passt dieses Geschäft strategisch zu finpension?

Ja, bei unserer Kundenbasis von über 75’000 Kunden gibt es viele Kunden, welche ein Eigenheim respektive eine Hypothek haben. Diesen Kunden ein interessantes Hypothekaroffering anbieten zu können, ergänzt unsere Angebotspalette sehr gut.

Wie soll sich das Hypothekenangebot von bestehenden Lösungen unterscheiden?

Hier kann ich noch nicht allzu viel sagen. Ziel ist es aber, dass unsere Kunden die Hypothek sehr schnell, möglichst digital und zu extrem guten Konditionen abschliessen können.

«Ziel ist es, dass unsere Kunden die Hypothek sehr schnell, möglichst digital und zu extrem guten Konditionen abschliessen können.»

Welche weiteren Produkte oder Dienstleistungen könnten in den nächsten Jahren dazukommen?

Aktuell überlegen wir uns noch eine Basispensionskasse zu gründen. Diese würde vor allem unsere 1e-Lösung perfekt ergänzen. Zusätzlich arbeiten wir an einer digitalen Finanz- respektive Pensionsplanung, welche in unserer App integriert werden soll. Diese soll zusätzlichen Mehrwert für unsere Kunden schaffen.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz heute bereits bei finpension – sei es im Kundenservice, im Anlageprozess oder bei internen Abläufen?

KI spielt bereits eine wichtige Rolle. Wir sagen intern jeweils: KI ist gekommen, um zu bleiben. Vor allem bei internen Prozessen haben wir damit begonnen «nicht strukturierte Daten» mit KI zu verarbeiten, was sehr gut funktioniert. Das Potenzial ist aber enorm, auch bezüglich neuer Geschäftsmodelle, und KI wird uns die nächsten Jahre sicher noch intensiv beschäftigen.

«Vor allem bei internen Prozessen haben wir damit begonnen «nicht strukturierte Daten» mit KI zu verarbeiten, was sehr gut funktioniert.»

Die Regulierung im Finanzsektor nimmt laufend zu. Ist sie für innovative Anbieter eher Bremse oder Qualitätsmerkmal?

Als innovativer Anbieter machen wir die Dinge oft anders als die traditionellen Banken. Und hier liegt für uns die Herausforderung. Wir müssen gegenüber dem Regulator/Auditor oft erklären, wie wir die Sachen machen und aus welchen Gründen wir dies anders machen. Und dies ist immer anspruchsvoller, als wenn wir die Prozesse etc. genau gleich wie traditionelle Banken machen würden. Aber diese Herausforderung nehmen wir gerne an.

Sie haben finpension bewusst als digitales Unternehmen aufgebaut. Gibt es heute Bereiche, in denen Sie rückblickend sagen: Hier haben wir die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden unterschätzt oder mussten wir unsere Strategie korrigieren?

All unsere Lösungen wurden und werden von den Kunden gut angenommen. Unsere Lösungen werden aber nie fertig sein und werden laufend weiterentwickelt. Wir erhalten viele Kundenrückmeldungen zu unseren Lösungen, welche wir in die Weiterentwicklung einfliessen lassen. Unser Ziel ist es, unsere Produkte immer noch besser an die Kundenbedürfnisse anzupassen und mit unseren Kunden weiterzuentwickeln.

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