Ewald Burgener, CEO Valiant, im Interview

Ewald Burgener
Valiant-CEO Ewald Burgener. (Foto: Valiant)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Burgener, Sie haben Anfang Mai die Nachfolge von Markus Gygax als CEO angetreten – mit welcher Zielsetzung?

Ewald Burgener: Ich war ja vorher sechs Jahre Finanzchef von Valiant, kenne also die Bank bestens. Ich wusste daher, dass ich nicht kommen und alles auf den Kopf stellen muss, dass Valiant gut funktioniert. Das hat natürlich geholfen, mich in der neuen Funktion rasch einzuleben. Das Ziel für die ersten Monate war von Anfang an klar: Die aktuelle Strategie weiter konsequent umsetzen sowie die neue Strategie bis 2024 entwickeln und im September 2019 präsentieren.

Und welche Bilanz ziehen Sie nach den ersten 100 Tagen?

Es brauchte schon eine gewisse Zeit, um mich und mein Umfeld bei Valiant neu zu organisieren. Aber ich wusste, was auf mich zukommt und dass es intensive Monate sein würden. Es war und ist extrem spannend und macht grosse Freude, mit unseren motivierten Mitarbeitenden die Bank zu führen. Alleine die Entwicklung der neuen Strategie war enorm wertvoll für mich als CEO. In solchen Prozessen lernt man das Unternehmen fast in- und auswendig kennen. Daher war das Timing perfekt, genau vor diesem Prozess die Leitung von Valiant zu übernehmen. Wir haben Optionen für die Zukunft und das stimmt mich zuversichtlich.

Das Zinsgeschäft – der wichtigste Ertragspfeiler – lief im ersten Halbjahr gut und legte um 2,9% auf 155,2 Mio Franken zu, die Zinsmarge von 1,11% blieb konstant. Sie haben erklärt, Sie wollten weiter „um jeden Basispunkt kämpfen“. Wo legen Sie dabei die Schwerpunkte?

Wichtig ist, dass wir diszipliniert bleiben. Einerseits bei den Hypotheken und Ausleihungen, wo wir nicht bei jedem Basar mitmachen. Wir überzeugen die Kundinnen und Kunden mit unserer Beratung und unserem Service. Und bei den Renditeliegenschaften sieht die Entwicklung in der Schweiz nicht gut aus, da halten wir uns zurück. Andererseits müssen wir die Kosten im Griff behalten und weiter an unserer Effizienz arbeiten.

„Die Marge wird unter Druck bleiben, das ist klar. Es liegt an uns, Lösungen zu finden, um dies zu kompensieren.“
Ewald Burgener, CEO Valiant

Der Abwärtsdruck auf die Zinsen dürfte noch längere Zeit anhalten. Wie belastend könnte die Situation noch werden?

Mit unserem Geschäftsmodell sind wir stabil unterwegs und können mit den anhaltenden Negativzinsen umgehen. Die Marge wird unter Druck bleiben, das ist klar. Es liegt an uns, Lösungen zu finden, um dies zu kompensieren. Sei es mit zusätzlichem Wachstum bei Hypotheken und Ausleihungen oder mit neuen Erträgen in anderen Bereichen.

Wann wird die Weitergabe der Negativzinsen an Privatkunden zum Thema?

Kunden mit hohen Liquiditätsbeständen müssen heute bereits Negativzinsen zahlen. Das sind aber die Ausnahmen. Ich gehe davon aus, dass es für die grosse Mehrheit der Kunden nicht soweit kommt. Aber mittlerweile vergeben einige Banken ja schon Hypotheken zu Negativzinsen. Wer hätte dies vor einigen Jahren gedacht.

Die Kosten sind im ersten Halbjahr vor allem wegen dem höheren Personalaufwand im Rahmen der Expansionsstrategie deutlich gestiegen. Könnte der Gegenwind durch die deutlich tieferen Zinsen die Expansion einbremsen?

Die Rechnung ist einfach: Wir haben zuletzt jeweils über 10 Millionen Franken jährlich in die Zukunft von Valiant und damit in die Strategie investiert. Das drückt natürlich auf den Gewinn. Aber wir jammern nicht. Valiant geht es gut, und wir können unser Wachstum und unsere Expansion mit den laufenden Erträgen finanzieren.

„Valiant geht es gut, und wir können unser Wachstum und unsere Expansion mit den laufenden Erträgen finanzieren.“

Als nächster Expansionsstandort in der Ostschweiz wurde nach St. Gallen, Wil, Frauenfeld und Rheinfelden nun Rapperswil/SG definiert. Was gab den Ausschlag für den Standort und wann rechnen Sie mit der Eröffnung?

Wir definieren unsere Standorte immer nach dem gleichen Muster: Wachstumszentren oder grössere Agglomerationen, wo wir in den kommenden Jahren ein schönes Wachstum erwarten. Städte wie Rapperswil entwickeln sich positiv, sind aber doch noch überschaubar. So können wir unsere Stärke der regionalen Verankerung und der Nähe zu den Kunden ausspielen. Deshalb suchen wir jeweils auch Mitarbeitende, die mit der Region verbunden und bestens vernetzt sind. Ein Datum für die Eröffnung haben wir noch nicht. Meist sind geeignete Lokalitäten das entscheidende Kriterium.

Präsenz vor Ort auf der einen, Digitalisierung auf der anderen Seite. Zuletzt wurde der Kreditprozess digitalisiert und vereinfacht. Welche Erfahrungen konnten bisher gemacht werden?

Die Einführung war eine Herkulesaufgabe. Die Komplexität eines Kerngeschäfts, das wir seit jeher betreiben, war enorm. Es ist nicht einfach, einfach zu sein. Nun sind wir auf gutem Weg, unseren Mitarbeitenden eine Plattform zur Verfügung zu stellen, die sie im Alltag effizient und effektiv unterstützt. Alle benötigten Informationen, die heute in den bestehenden Umsystemen in- und ausserhalb der Bank vorhanden sind, wurden in das neue Tool integriert. Die Kundinnen und Kunden profitieren von der spürbar schnelleren Erledigung ihrer Finanzierungsanfrage.

Welche Prozesse stehen als nächstes an?

Aktuell konzentrieren wir uns auf den Kreditprozess. Aber wir haben noch genügend Prozesse, die danach in Frage kommen. Aktuell sind wir in der Auslegeordnung, wie es weitergeht. Entscheidend sind der Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden und Kosten- und Nutzenüberlegungen.

Präsenz markieren, die Herausforderungen der Digitalisierung meistern, auf das sich verändernde Kundenverhalten einstellen – wie herausfordernd ist die Situation für eine Retailbank wie Valiant?

Es ist schon eine turbulente Zeit, aber nicht unbedingt wegen den von Ihnen genannten Gründen. Diese Veränderungen hat es immer gegeben, damit kann man umgehen. Das schwierigste sind für uns die Notenbanken mit ihrer ultraexpansiven Geldpolitik über mehrere Jahre. Die Retailbanken sind mit einem Umfeld von Negativzinsen und sinkenden Margen konfrontiert. Das stellt die Finanzbranche ziemlich auf den Kopf. Und das ist happig.

„Das schwierigste sind für uns die Notenbanken mit ihrer ultraexpansiven Geldpolitik über mehrere Jahre.“

Bereiten Ihnen Neo-Banken wie Neon, Zak, Revolut oder N26 Sorgen?

Es gibt diese Konkurrenten, aber andere machen den Banken mehr Kopfzerbrechen. Nämlich solche, die sich zwischen uns und unsere Kunden drängen wollen. Es ist uns für uns als Bank zentral, dass wir die Kundenschnittstelle besetzen. Dies ist insbesondere im Finanzierungsgeschäft von grosser Bedeutung. Hier müssen wir entgegenhalten und unsere Kunden mit gutem Service und hoher Beratungsqualität überzeugen. Das gelingt uns derzeit gut.

Herr Burgener, wir bedanken uns für das Interview.

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