Fred Ruegg, CEO Elma Group, im Interview

Fred Ruegg
Fred Ruegg, CEO Elma. (Foto: Elma)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Ruegg, Ihre Produkte müssen Schocks, Vibrationen, elektromagnetische Strahlung, Salznebel aushalten. Wie lange werden sie in der Entwicklung dagegen getestet?

Fred Ruegg: Wir sind Spezialisten in der Entwicklung und Konstruktion von Komponenten und Systemen, die auch besonders rauen Umweltbedingungen trotzen müssen. Unsere Produkte werden daher bei mehreren Elma-Tochtergesellschaften in gut ausgerüsteten Testlabors intensiv getestet. In der Regel lässt der Kunde das Endprodukt zusätzlich noch einem Zertifizierungstest von einem unabhängigen Labor unterziehen; Beanstandungen kommen aber höchst selten vor. Die Tests sind abhängig vom Anforderungskatalog des jeweiligen Kunden und erfolgen individuell je nach Projekt.

Wie muss man sich denn einen Stresstest auf Erdbeben für ein Elektronikgehäuse vorstellen?

Bei Bedarf werden Elma-Produkte auf Schock und Vibrationen getestet. Insbesondere im Erdbebengebiet des US-Staates Kalifornien werden speziell konstruierte Schränke, sogenannte „Seismic Cabinets“, häufig nachgefragt und in grossen Stückzahlen verkauft. Generell wird anhand spezifischer Normen getestet, wie sich ein Chassis und deren Inhalt verhält, wenn es Vibrationen und Stössen ausgesetzt ist. Bereits in der Designphase wird mittels einer Strukturanalyse (FEM = Finite-Elemente-Methode) simuliert, wie sich eine Gehäusekonstruktion bei äusseren Einflüssen, wie einem Erdbeben, verhält. So kann bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Projekt sichergestellt werden, dass das geplante Design den zukünftigen Belastungen standhält.

Elma hält für seine Kunden immer grosszügige Lagermengen parat. In wie weit belastet dies Elmas Umlaufvermögen?

Wir liefern primär Standard-Komponenten ab Lager. Die werden zentral in unserem Werk in Rumänien hergestellt und von dort aus weltweit an unsere Kunden ausgeliefert. Bei Lagermengen lassen wir uns von ökonomischen Herstellmengen in Relation zum Absatz leiten. Das bindet zwar Umlaufvermögen, ermöglicht aber auch eine rasche Verfügbarkeit und damit kurze Lieferfristen für unsere Kunden.

„In den USA, aber auch in Grossbritannien gehört der Verteidigungssektor zu unseren wichtigsten Absatzmärkten.“

Fred Ruegg, CEO Elma Group

Im Verteidigungssektor, einer Branche, in der Elma bedeutenden Umsatz generiert, soll in vielen Ländern wieder mehr Geld ausgegeben werden. Profitieren Sie dabei besonders von Ihren beiden Tochterunternehmen in den USA?

In den USA, aber auch in Grossbritannien, gehört der Verteidigungssektor zu unseren wichtigsten Absatzmärkten. Die Nachfrage nach unseren robusten Komponenten und Systemen ist in diesen Märkten hoch und wir beobachten in diesen beiden Ländern eine steigende Nachfrage. Bei Elma Europe (ausser Grossbritannien) und Elma Asia spielt der Verteidigungsbereich keine grosse Rolle.

In den Vereinigten Staaten müssen Sie die Sicherheitsvorschriften der ITAR (International Traffic & Arms Regulations) einhalten. Wird bei Unternehmen, die aus dem Ausland kommen, besonders genau hingeschaut?

Für die Lieferungen in den Verteidigungssektor unterliegt Elma teilweise den ITAR-Bestimmungen. Die ITAR-Produkte werden vollständig in USA hergestellt, und für unsere Mitarbeitenden in den USA gelten besondere Regelungen. Elma Americas erfüllt all diese Regelungen und wird deshalb in den USA wie ein normales US-Unternehmen behandelt.

„Direkt spüren wir den Handelskonflikt nicht, da wir nicht aus Asien exportieren, wir sind aber indirekt durch Absatzrückgänge bei einigen Kunden betroffen.“

Sind Sie in Asien, nach dem dortigen Taucher im Bestellungseingang von 9,2% auf CHF 10.9 Millionen, wieder sehr optimistisch oder wirft der Handelskrieg dort Schatten auf die Zulieferer der Halbleiterindustrie genau in Ihrem Sektor?

Aus unserem Werk in China beliefern wir ausschliesslich asiatische Kunden. Elma Asia ist klein, aber unsere Kundenzahl in Asien ist steigend. Um unsere lokalen Fähigkeiten und Kapazitäten auszubauen, planen wir weiterhin organisch zu wachsen. Unser Absatz ist über viele Branchen verteilt, darunter insbesondere das Bahnwesen und die Halbleiterequipment-Industrie. Direkt spüren wir den Handelskonflikt nicht, da wir nicht aus Asien exportieren, wir sind aber indirekt durch Absatzrückgänge bei einigen Kunden betroffen.

Nur zwei Prozent der letztjährigen Investitionen erfolgten in Asien. Warum sind Sie dort im Vergleich zu Amerika und Europa so vorsichtig?

Wie erwähnt wollen wir in Asien organisch wachsen und investieren dem Absatzverlauf entsprechend. Da wir im vergangenen Jahr in Asien nicht gewachsen sind, war der Investitionsbedarf entsprechend klein.

Zulieferer sind generell schnell die Prügelknaben der grossen Abnehmer, wenn es konjunkturell nicht mehr ganz so rund läuft. In welchen Ihrer drei Produktlinien hat Elma verhältnismässig grosse Pricing Power?

Aufgrund unserer Grösse und unseres breiten Sortimentes verteilen sich unsere Beschaffungen auf eine Vielzahl von Lieferanten weltweit. Unser Kundenstamm ist ebenfalls sehr breit aufgestellt, sodass wir keine grossen Abhängigkeiten haben und damit mit dem Druck gut umgehen können.

Die kleinste Produktlinie Rotary Switches (Drehschalter) wuchs letztes Jahr am stärksten. Ist das die Ernte von Produktoffensiven?

Ja, wir haben vor einigen Jahren diverse Initiativen lanciert, um unsere Produktlinie Rotary Switches zu modernisieren. Dazu gehörten ein Innovationsschub, aber auch verschiedene Marktoffensiven. Die erzielten Resultate sind erfreulich.

Wo geht die Reise bei den Drehschaltern weiter hin?

Zunehmend werden zusätzliche elektronische Funktionen in die Schalterplattform integriert. Die erhöhte Innovation der letzten Jahre führte zu Entwicklungen zahlreicher neuer Schalterprodukte. Wir haben unsere Kundenbasis weltweit deutlich vergrössert und beabsichtigen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Zudem hat die laufende Automatisierung in unseren Produktionswerken einen hohen Stellenwert, gerade bei den Drehschaltern.

Nach oft schwierigen Jahren in der Vergangenheit ist Ihr Ziel eine sichere Eigenkapitalquote von über 50 Prozent (jetzt neu 43.8% nach 35.6%). Wie nahe sind Sie diesem Ziel?

Wir haben in den vergangenen Jahren auf verschiedenen Ebenen Fortschritte erzielt, so auch bei der Steigerung der Eigenkapitalquote. Unser Ziel ist es, mit Elma nachhaltig Gewinn zu erwirtschaften und damit die Substanz der Gruppe zu stärken und auch eine gesunde Bilanz aufrechtzuerhalten.

Zum Gesprächspartner:
Fred Ruegg ist seit 1986 für die Elma Gruppe tätig. Als Präsident von Elma Americas hat er den Aufbau der amerikanischen Gruppengesellschaft von Anfang an geleitet und zum Marktführer von anspruchsvollen Systemintegrationen entwickelt. Seit 2013 leitet er die Elma Gruppe als CEO. Sein zentrales Erfolgsrezept: klarer Kundenfokus.

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