5,8 Millionen Euro Fördergelder für vier Forschende der UZH

Universität Zürich
Eingang zum Hauptgebäude der Universität Zürich. (© Universität Zürich; Frank Brüderli)

Eingang zum Hauptgebäude der Universität Zürich. (© Universität Zürich; Frank Brüderli)

Zürich – Die EU zeichnet Spitzenforschung aus Zürich aus: Vier junge Wissenschaftler der Universität Zürich erhalten den begehrten «ERC Starting Grants» des Europäischen Forschungsrates. Mit den je rund 1,48 Millionen Euro können sich die Nachwuchstalente fünf Jahre lang ihren herausragenden Forschungsprojekten widmen.

Die Erfolgsquote, die hochdotierte Auszeichnung des Europäischen Forschungsrates (ERC) zu erhalten, liegt bei knapp 12 Prozent. Dennoch konnten sich gleich vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Zürich mit innovativen Projekten europaweit durchsetzen und erhalten zusammen 5,8 Millionen Euro Fördergelder. Insgesamt fliessen rund 16 Millionen Euro in den Forschungsplatz Zürich der beiden Hochschulen UZH und ETH. Die ausgezeichneten Wissenschaftler haben nun die Möglichkeit, während fünf Jahren ihre eigene Forschungsgruppe aufzubauen, sich national und international zu vernetzen und ihr erfolgversprechendes Projekt voranzutreiben.

UZH erhält regelmässig Fördermittel
Seit der Erstvergabe im Jahr 2007 haben sich die «Starting Grants» des ERC als vielbeachteter Leistungsausweis für talentierte Nachwuchsforschende etabliert, die sich in der Regel zwei bis sieben Jahre nach ihrer Promotion mit einem Projekt bewerben. Die Universität Zürich gewinnt regelmässig Fördermittel, die von der EU zur Stärkung der unabhängigen Grundlagenforschung vergeben werden. Einzig im Jahr 2014 musste aufgrund der politischen Konsequenzen nach der Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative der Schweizer Nationalfonds befristet einspringen. Der SNF übernahm die Finanzierung der Schweizer Nachwuchsförderung und zeichnete zwölf UZH-Forschungsprojekte aus.

Vier herausragende Forschungsprojekte
Die diesjährigen Preisträger erhalten den «ERC Starting Grants» für folgende Vorhaben:

Dr. Jason P. Holland für das Projekt «Developing Multi-Modality Nanomedicines for Targeted Annotation of Oncogenic Signaling Pathways».

Kurzbeschrieb Projekt: Für viele Krebspatienten entscheiden Erfolg oder Versagen neuer Behandlungsmöglichkeiten über Leben und Tod. Das Fortschreiten einer Krebserkrankung wird von komplexen biochemischen Veränderungen auf Protein- und DNA-Ebene begleitet. Diese Veränderungen können wie ein Schalter wirken, der gewisse Signalwege einschaltet. Diese kontrollieren wichtige Zellprozesse wie Wachstum, Stoffwechsel, Zellteilung und -bewegung und fördern somit das Krebswachstum.
In seinem Projekt wird Jason Holland neue Strategien entwickeln, um gezielt solche Veränderungen in Signalwegen zu detektieren. Dafür nutzt er hochempfindliche, bildgebende Techniken, die auf gleichzeitiger Detektion von Radioaktivität und magnetischen Eigenschaften basieren. Die neuen bildgebenden Methoden (PET/MRI) sollen zeigen, wie Signalwege in einzelnen Tumoren (und im Patienten) auf Krebstherapie reagieren. Das Projekt wird das Wissen erweitern, wie Tumore auf Krebstherapie reagieren. Die Resultate können mithelfen, eine nächste Generation von besseren Krebsmedikamenten zu entwickeln.

Fördersumme: 1’700’000 Euro

Prof. Nicole Joller für das Projekt «How Infection History Shapes the Immune System: Pathogen-induced Changes in Regulatory T Cells».

Kurzbeschrieb Projekt: In den letzten 50 Jahren ist die Zahl der Erkrankungen, die durch fehlgeleitete Immunreaktionen verursacht werden – etwa Allergien, Multiple Sklerose oder Typ 1 Diabetes – massiv angestiegen. Im gleichen Zeitraum hat die Häufigkeit von Infektionskrankheiten markant abgenommen. Welche langfristigen Auswirkungen Infektionen auf das Immunsystem haben, ist allerdings bisher kaum erforscht.
Das Projekt geht dieser Frage nach und untersucht infektionsbedingte Veränderungen in dem Teil des Immunsystems, der die Immunantwort reguliert und somit steuert. Nicole Joller erforscht mit ihrem Team, wie sich die Zusammensetzung der sogenannten regulatorischen T-Zellen (Tregs) durch verschiedene Infektionen verändert, ob diese Veränderungen langfristig bestehen bleiben und wie stabil sie sind. Zudem wird getestet, wie sich die infektionsbedingt modifizierten Tregs auf spätere Erkrankungen auswirken. Erwartet wird, dass Jollers Experimente neue Erkenntnisse dazu liefern, wie Infektionen die Anfälligkeit gegenüber Autoimmunerkrankungen oder Allergien beeinflussen.

Fördersummer: 1’499’755 Euro

Prof. Martin Müller für das Projekt «The Role of Local Protein Degradation in Neurotransmitter Release and Homeostatic Plasticity».

Kurzbeschrieb Projekt: Martin Müller und seine Forschungsgruppe untersuchen, wie Nervenzellen über chemische Synapsen miteinander kommunizieren. Gerät die synaptische Aktivität ausser Kontrolle, können sich neurologische Störungen wie Migräne oder Epilepsie entwickeln.
Die richtige Menge an spezifischen synaptischen Proteinen ist wichtig, um die neuronale Aktivität im Gleichgewicht zu halten. Wie Synapsen die optimale Zusammensetzung dieses «Proteincocktails» regulieren – die sogenannte synaptische Proteostase – ist jedoch noch wenig verstanden.
Wie funktioniert synaptische Proteostase durch lokalen Proteinabbau und welche Rolle spielt sie in der synaptischen Übertragung? Diesen Fragen werden Martin Müller und seine Gruppe auf den Grund gehen, indem sie mithilfe von genetischen und elektrophysiologischen Methoden die Funktionen aller wichtigen synaptischen Proteine an Fruchtfliegen testen. Ist synaptische Proteostase am Modell der Fruchtfliege besser verstanden, sollen die neu gewonnenen Erkenntnisse durch detaillierte biophysikalische Analyse an Maussynapsen auf höher entwickelte Organismen übertragen werden.  Dies wird dazu beitragen, Mechanismen, die unkontrollierte neuronale Aktivität verhindern, besser zu verstehen.

Fördermittel: 1’499’676 Euro

Prof. Thomas Willwacher für das Projekt «A graph complex valued field theory».

Kurzbeschrieb Projekt: Feynman Diagramme spielen eine wichtige Rolle in der modernen Physik. Diese Diagramme sind kombinatorische Graphen, durch die sich die Messgrössen in Quantenfeldtheorien berechnen lassen. Zudem trägt der Raum dieser Graphen selbst reichhaltige algebraische Strukturen, die durch kombinatorische Operationen (z.B. Herausschneiden eines Untergraphen) induziert werden. Ein Teil dieser algebraischen Operationen wird seit langem in der Quantenphysik bei der Renormierungstheorie verwendet, ohne die keine sinnvollen Messgrössen berechnet werden könnten.
In seinem Projekt untersucht Thomas Willwacher die Gesamtheit der algebraischen Strukturen im Raum der Feynman Diagramme bestimmter Feldtheorien. Das Ziel dabei ist, zum einen die Bedeutung der unterliegenden Feldtheorien mathematisch zu verstehen, und zum anderen neue Werkzeuge zu erschaffen, mit denen einige offene Probleme in der Mathematik gelöst werden können.

Fördersumme: 1’162’500 Euro

(Universität Zürich/mc/ps)

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