«Auf dem falschen Fuss erwischt» – Marktkommentar der Schwyzer Kantonalbank

Thomas Heller
Von SZKB-CIO Thomas Heller. (Foto: SZKB)

Thomas Heller, Leiter Research und Chief Investment Officer der SZKB (Bild: SZKB)

Schwyz – Ist der Brexit gut für die Konjunktur und die Märkte? Nein, das ist er nicht. Hat er die Kraft, die globale Konjunkturentwicklung und die Finanzmärkte nachhaltig zu beeinträchtigen? Ebenfalls nein. Der öfter bemühte Vergleich mit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 hinkt deshalb. Der Brexit ist ein politischer Lehman Fall, aber – abgesehen von den Turbulenzen unmittelbar nach dem Referendum – kein Lehman-Ereignis für die Finanzmärkte.

Dazu fehlen wesentliche Eigenschaften:

  • Fehlender Überraschungseffekt: Beim Brexit kannte man das Datum und die beiden möglichen Ergebnisse (‹remain› oder ‹leave›). Auch wenn die meisten von einem Verbleib ausgegangen waren, so wusste man, dass auch das Gegenteil passieren kann. Insofern sind die Märkte nicht blind ins Verderben gerutscht. Lehman kam für alle überraschend und die Auswirkungen waren nicht absehbar.
  • Keine Systemgefährdung: Banken gehören zwar zu den Hauptleidtragenden des Brexit (wie man an den Kursen ablesen kann), aber die Funktionsfähigkeit der Märkte ist nach dem Brexit kaum beeinträchtigt, wie das nach Lehman der Fall war.
  • Geringere Tragweite: Für die Finanzmärkte ist der Brexit eher kurzfristig ein Faktor. Auf mittlere bis längere Sicht sind die Auswirkungen für die Märkte als Ganzes gering. Der Kollaps von Lehman hatte eine ganz andere Tragweite.

Wohlgemerkt: Wir sprechen hier von den globalen Auswirkungen auf die Konjunktur und die Finanzmärkte. Das sieht insbesondere für Grossbritannien selber oder verschiedene Unternehmen im Einzelfall durchaus anders aus. Ausserdem hat der Brexit sehr wohl Folgen. Diese sind aber in erster Linie politischer und gesellschaftlicher Natur. Deren Aufarbeitung hat gerade begonnen und wird sich über längere Zeit hinziehen.

Relative Normalität
Nachdem die Brexit-Abstimmung in den vergangenen Wochen alles überstrahlt hatte, kehren die Märkte nun zu einer relativen Normalität zurück. Relativ deshalb, weil die aktuelle Lage im historischen Kontext natürlich alles andere als normal ist, und das nicht nur wegen des Brexit. Rückkehr zur Normalität heisst aber nicht, dass sich alles positiv entwickeln wird. Es ist nicht unser Hauptszenario, doch die Konjunktur kann sich stärker abschwächen, als wir dies heute erwarten oder die Aktienmärkte können einen unerwarteten Rückschlag erleben. Aber Schuld daran ist nicht der Brexit.

Konjunktur – ZURÜCK ZUR NORMALITÄT
Nachdem die Brexit-Abstimmung in den vergangenen Wochen alles überstrahlt hatte, kehren die Märkte nun zu einer relativen Normalität zurück. Dies heisst aber nicht, dass sich alles positiv entwickeln wird. Es ist nicht das Basisszenario der SZKB, doch die Konjunktur kann sich stärker abschwächen, als wir dies heute erwarten oder die Aktienmärkte können einen unerwarteten Rückschlag erleben. Aber Schuld daran ist nicht der Brexit.

Aktien – BANKEN LEIDEN UNTER BREXIT
Am stärksten unter die Räder kamen die Banken. Die Sorge um den Finanzplatz London erschreckte die Investoren. Auch die Schweizer Grossbanken brachen teilweise um über 20% ein. Der Brexit dürfte vor allem die Erträge im Investment Banking schmälern (u.a. Emissions- und Beratungsgeschäft). Dies trifft die Credit Suisse (CS) härter als die UBS.

Zinsen – NEUE SPHÄREN
Im Gegensatz zu den Aktienmärkten gab es am Anleihenmarkt nach der ersten Brexit-Aufregung keine Gegenbewegung. Im Gegenteil, die Zinsen tendierten nochmals einen Tick tiefer. Zum einen sind die Anleihenmärkte möglicherweise besorgter, was die Auswirkungen des Brexit betrifft und deshalb nicht zur Tagesordnung übergegangen. Zum anderen verharren die Zinsen im Keller, weil weitere Massnahmen der Notenbanken erwartet werden.

Währungen – USD ALS GEWINNER DES BREXIT
Profitiert vom Brexit-Ereignis hat der US-Dollar. Der Greenback hat die Tiefs um CHF 0.95 verlassen und wird bei über CHF 0.97 gehandelt. Trotz der eher vorsichtigen Äusserungen der Fed zu einem Zinsschritt bleibt der Trend Richtung Parität für den Dollar nach wie vor offen. Profitieren dürfte er vor allem von der unsicheren politischen Neuausrichtung Europas, bei gleichzeitigen Interventionen der SNB.

Asset Allocation – UNTERGEWICHT IN STAATSANLEIHEN
Die SZKB hält trotz Brexit an ihrem Basisszenario und der taktischen Positionierung fest. Das Untergewicht in Staatsanleihen bleibt bestehen, weil das Verlust- und Gewinnpotential ungleich verteilt ist. Aus Diversifikationsgründen und aufgrund der höheren Rendite hält die SZKB an der Positionierung in Unternehmens- und Wandelanleihen fest.

Hier finden Sie das PDF des vollständigen Juli-Standpunktes, unten den Leitartikel (Editorial) von Thomas Heller…

Schwyzer Kantonalbank
Die 1890 gegründete Schwyzer Kantonalbank (SZKB) ist mit rund 550 Mitarbeitenden die führende Bank im Kanton Schwyz. Sie betreibt 23 Filialen und bietet in fünf Gewerbekundenzentren, zwei Private Banking Standorten, einem Vorsorgezentrum, einem Kompetenzzentrum für Firmenkunden und einem Kundenzentrum spezifische Dienstleistungen an. Zu ihren Kunden zählen Privatpersonen, Anlagekunden, kleine und mittlere Unternehmungen sowie öffentlich-rechtliche Körperschaften. Ihr Kerngeschäft umfasst die Konto- und Sparkontoführung, die Immobilien- und Firmenfinanzierung, die Depotführung, das Festlegen von Anlagestrategien, das Führen von Vermögensverwaltungsmandaten für private und institutionelle Kunden, die Nachfolgeplanung und Vorsorgethemen. Die SZKB ist eine selbständige Anstalt des kantonalen öffentlichen Rechts. Sie verfügt über Staatsgarantie und ein AA+-Rating von Standard & Poor’s. www.szkb.ch

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