Jean Claude Bregy, CEO Poenina, im Interview

Jean Claude Bregy
Poenina-CEO Jean Claude Bregy. (Foto: Poenina)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Bregy, wer aus dem Marketing kam auf den Namen Poenina (Anm. der Redaktion: Zu Zeiten der Römer hiess das heutige Wallis „Vallis Poenina“ (Gebirgstal). Waren Sie das selber als Walliser?

Jean Claude Bregy: Mir war der Zusammenhang mit dem Wallis wichtig. Auf der Suche nach einem passenden Firmennamen sind wir innert kurzer Zeit auf „Poenina“ gestossen. Es war der erste Vorschlag der Kommunikationsverantwortlichen, mit dem ich intuitiv sofort einverstanden war.

Poenina möchte allerdings nicht nur in der angestammten Deutschschweiz wachsen, sondern in der ganzen Schweiz. Wann wollen Sie denn Richtung Wallis expandieren?

Das Wallis steht nicht zuoberst auf der Prioritätenliste. Das hat schon logistische Gründe. Doch es kommt, wie es kommt. Es hat auch im Wallis interessante Firmen. Wir sind da absolut opportunistisch.

Welche Pläne hegen Sie für die Ostschweiz und Graubünden?

Wir wollen aus den jetzt abgedeckten Regionen hinaus wachsen, haben aber keine Prioritäten definiert. Es hängt stark von den Gelegenheiten im Markt ab.

Mit dem Geld aus dem IPO wollen Sie vor allem akquisitorisch wachsen. Ihre Wunschkandidaten sind gut geführte Gesellschaften mit mindestens zwanzig Angestellten und offener Nachfolge. Kommen diese Firmen direkt auf Sie zu?

Dies ist sehr unterschiedlich: Viele Eigentümer gelangen selbst zu uns. Auf gewisse Targets gehen wir auch direkt zu, auch aufgrund von Hinweisen aus unserem Netzwerk.

„Auf gewisse Targets gehen wir auch direkt zu, auch aufgrund von Hinweisen aus unserem Netzwerk.“
Jean Claude Bregy, CEO Poenina

Gibt es eine Maximalgrösse für eine Übernahme. Mit anderen Worten: Wann ist der Brocken zu gross?

Es gibt keine Maximalgrösse; die Grösse ist grundsätzlich nach oben offen.

Hand aufs Herz: Hätten Sie mit einem derart erfolgreichen Börsengang gerechnet? Die Aktie steht jetzt kurz nach dem Börsengang schon 20 Prozent höher.

Wir wollten eine Firma platzieren, die für jedermann greifbar ist. Das in uns gesetzte Vertrauen freut mich sehr und ist ein gutes Zeichen. Ich bin aber realistisch. Vielleicht war der Zeitpunkt für einen Börsengang auch ideal, weil am Finanzmarkt eine hohe Liquidität vorhanden ist.

Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von eins ist Poenina jetzt stolzer bewertet als sein Vorbild Burkhalter, bei der diese Kennzahl bei etwa 1,5 liegt. Wieso sollten Anleger auf Poenina setzen?

Poenina ist ein Investment in ein regionales, bekanntes, handwerklich arbeitendes Unternehmen. Wir produzieren keine Hypes, wir sind ein stabiles Unternehmen, das in seinem Markt eine starke Position hat und sie ausbauen will. Stabilität und Kontinuität sind wichtiger als steiles Wachstum. Unser Ziel ist es zudem, ein berechenbarer und guter Arbeitgeber zu sein. Weitere Investment Highlights der Poenina sind unter anderem aber auch unser Wachstumspotenzial durch Akquisitionen und die geplante attraktive Dividendenpolitik.

„Der Zeitpunkt für einen Börsengang war ideal, weil am Finanzmarkt eine hohe Liquidität vorhanden ist.“

Knapp die Hälfte des Poenina-Umsatzes entfällt auf Sanitär, je ein Viertel auf Heizung und Bedachung. Wieviel macht über alle drei Bereiche das Servicegeschäft aus?

Der Service ist ein integraler Bestandteil der einzelnen Kompetenzbereiche, den wir nicht separat ausweisen. Er beträgt etwas über 10% des Umsatzes.

Gerade in der Gebäudetechnik lässt sich ja durch gescheite Planung viel Geld sparen. Wie hoch schätzen sie das Einsparpotenzial pro verbauter Million?

Die professionelle Planung und Führung trägt gewiss zum Erfolg bei. Das Potenzial steht und fällt mit den Personen, die in ein Projekt involviert sind. Das Einsparpotenzial ist beispielsweise bei älteren Wohnungen gross. Ungefähr 30 Prozent aller Heizungsanlagen in der Schweiz sind sanierungsbedürftig. Mit dem Einsatz energieeffizienter Lösungen kann der Energieverbrauch um mehr als 30 Prozent gesenkt werden.

Oft entscheiden die Bauordnung und die Ausnützungsziffer über die Gebäudeform. Sehen Sie in der Deutschschweiz eine Tendenz zum raumoptimierenden begrünten Flachdach?

Auf die Ausnützungsziffer und die Gebäudeform haben wir natürlich keinen Einfluss. Wir stützen uns auf den Plan der Architekten und versuchen unter Berücksichtigung der kantonalen Vorgaben, optimale Lösungen für jedes Objekt zu erzielen. Was den Bereich Bedachungen angeht, sehen wir momentan eine Tendenz zu Solaranlagen. Dabei gewinnen auch architektonische Elemente wie beispielsweise Solarfassaden an Relevanz.

Marco Syfrig, der Chef von Burkhalter, ist Poeninas VR-Präsident. Was sind die zwei grössten Lektionen, welche die Poenina vom Erfolg der Burkhalter lernen kann.

Die Konzentration auf das Kerngeschäft und das opportunistische Wachstum.

Zum Gesprächspartner:
1968 geboren und aufgewachsen in Brig, gründete Jean Claude Bregy kurz nach Lehrabschluss seine erste Firma, mit deren Einkünften er sein Studium zum Elektro- und Wirtschaftsingenieur finanzierte. 1998 kam er nach Zürich, wo er nach einiger Zeit als Niederlassungsleiter bei der ABB Installationen AG zur Burkhalter Holding AG wechselte. Von 2000 ab war er dort COO und konnte mit dem Börsengang der Burkhalter AG im Jahr 2008 einen Meilenstein setzen, den er jetzt mit Poeninas Börsengang fast ein Jahrzehnt später wiederholte.

Zum Unternehmen:
Als Anbieterin in den Bereichen Gebäudetechnik (Sanitär, Heizung, Lüftung) und Gebäudehülle (Bedachung und Spenglerei) ist die Poenina Gruppe mit 9 Gesellschaften an 10 Standorten in der Deutschschweiz präsent. Der Hauptsitz der AG befindet sich im Glattpark (Opfikon). Per 31. Dezember 2016 hatte die poenina Gruppe einen Betriebsertrag von CHF 114.4 Mio. und einen EBIT von CHF 7.8 Mio. erwirtschaftet und 382 Mitarbeitende beschäftigt. Die poenina holding ag ist an der SIX Swiss Exchange kotiert.

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