Credit Suisse-Umfrage: Jedes dritte KMU trägt Währungsrisiken selber

Devisen
(Foto: Pixabay)

Zürich – Die Credit Suisse hat in einer heute veröffentlichten Studie nach 2017 zum zweiten Mal über 300 Schweizer KMUs zu ihren Konjunktur- und Wechselkurserwartungen sowie ihrem Umgang mit Währungsrisiken befragt. Für 2018 erwarten die befragten Unternehmen weniger Währungsturbulenzen als im Vorjahr und gehen davon aus, dass die vergangene Abschwächung des Schweizer Frankens zum Euro nachhaltig ist. Derweil gibt rund ein Drittel der Umfrageteilnehmer an, sich nicht gegen Devisenkursschwankungen abzusichern und somit die Währungsrisiken auf ihre eigenen Bücher zu nehmen. Die Mehrheit davon hat eine Absicherungsstrategie bisher schlicht nicht in Erwägung gezogen. In den detaillierten Erfahrungsberichten betonen die interviewten KMU-Vertreter die Bedeutung einer klar definierten Fremdwährungsstrategie. Diese führe zu Planungssicherheit und erlaube es den Unternehmen, sich auf ihr Kerngeschäft zu fokussieren.

Die Erwartungen der über 300 befragten KMUs bezüglich der künftigen Wechselkurse fallen deutlich einheitlicher aus als noch 2017, als wichtige politische Entscheidungen in Europa den Zusammenhalt der Europäischen Union auf die Probe stellten. Die Abschwächung des Schweizer Frankens zum Euro im letzten Jahr erachten sie zwar als nachhaltig, aber nur wenige KMU gehen davon aus, dass der Wechselkurs die Marke von 1,20 im laufenden Jahr durchbrechen wird. Im Durchschnitt erwarten sie einen EUR/CHF-Wechselkurs von 1,17, während sich der US-Dollar in Richtung Parität bewegen dürfte (USD/CHF: 0,99). Am grössten ist die Prognoseunsicherheit bezüglich des Britischen Pfund, was gemäss den Ökonomen der Credit Suisse angesichts des offenen Ausgangs der Brexit-Verhandlungen wenig erstaunlich ist. Im Durchschnitt erwarten die KMU bis Ende des Jahres einen GBP/CHF-Wechselkurs von 1,29.

Ein Drittel der KMU sichert seine Währungsrisiken nicht ab
Drei Viertel der befragten Unternehmen sind stark mit dem Ausland verflechtet, was sich auch in den vertraglich vereinbarten Einkaufs- und Verkaufswährungen widerspiegelt. Die Hälfte der KMU geben an, Produkte und Dienstleistungen in erster Linie in Euro einzukaufen. Nur jedes Vierte KMU kauft in der Heimwährung ein. Derweil dominiert bei den Verkaufsverträgen mit 47 % der Franken als Handelswährung. Trotz dieser starken Fremdwährungsabhängigkeit sichert sich ein Drittel der befragten Unternehmen nicht gegen Devisenschwankungen ab. Damit nehmen sie die Währungsrisiken auf ihre eigenen Bücher. Die grössten Hürden für KMU sind gemäss den Ökonomen der Credit Suisse weder hohe Kosten, noch Zeitdruck oder technische Probleme bei der Umsetzung. Die Mehrheit der KMU ohne Währungsabsicherung scheint sich schlicht nicht mit dieser Option auseinandergesetzt zu haben. So geben 63 % dieser KMU an, eine Absicherungsstrategie über die Finanzmärkte «bisher nicht in Erwägung gezogen zu haben».

Die Planungssicherheit hat höchste Priorität
Aus den detaillierten Erfahrungsberichten mit vier KMU-Vertretern geht hervor, dass klar definierte Absicherungsstrategien in erster Linie die Planungssicherheit erhöhen sollen. Dies ist gemäss den Unternehmern insbesondere dann wichtig, wenn die Preislisten für einen längeren Zeithorizont definiert sind, die Verkäufe aber erst zu einem späteren Zeitpunkt anfallen werden. Zudem erlangen Währungsabsicherungen im Vorfeld grosser Investitionen in Fremdwährungen an Bedeutung. Die Interviewpartner setzen vor allem auf Termingeschäfte, um Wechselkurse für die Zukunft zu fixieren. Komplexeren Instrumenten stehen die KMU-Vertreter etwas skeptischer gegenüber. In erster Linie soll es die Absicherungsstrategie den Unternehmen ermöglichen, sich auf ihr Kerngeschäft zu fokussieren. (Credit Suisse/mc/ps)

Die Publikation «Dank Hedging können sich KMU auf ihr Kerngeschäft fokussieren» finden Sie im Internet in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch unter:
www.credit-suisse.com/devisen

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