Credit Suisse: Teurer Schlussstrich im Steuerstreit

Brady Dougan
Blooberg & Bernhard Bauhofer Credit Suisse

Brady Dougan, CEO Credit Suisse (Copyright: Credit Suisse)

Washington / Zürich / Bern – Die Credit Suisse zieht einen Schlussstrich unter das Geschäft mit US-amerikanischen Steuerhinterziehern – allerdings zahlt sie dafür einen hohen Preis: 2,6 Mrd USD muss sie in die USA überweisen; ausserdem bekennt sich die Grossbank vor Gericht schuldig, Amerikaner bei der Umgehung ihrer Steuerpflichten unterstützt zu haben. Die Aktionäre reagieren verhalten positiv auf das Ende der langen Unsicherheitsperiode.

Die Einigung zwischen der CS und dem US-Justizministerium wurde in der Nacht auf Dienstag bekanntgegeben. Die 2,6 Mrd USD sind in mehrfacher Hinsicht ein Rekord. Es ist nicht nur die höchste je verhängte Strafe in einem Steuerverfahren in den USA, sondern auch die höchste Strafe, die eine Schweizer Bank je bezahlen musste. Der Betrag liegt mehr als dreimal höher als die 780 Mio USD, welche die UBS 2009 zu berappen hatte.

«Alles getan, um Sache schnell zu bereinigen»
Laut Brady Dougan gibt es aber bedeutende Unterschiede zwischen den beiden Fällen. «Zunächst sind fünf Jahre vergangen», erklärte er am Dienstag in einer Telefonkonferenz. «In dieser Zeit sind die Kosten, um solche Rechtsfälle zu besiegeln, ziemlich gestiegen.» Hinzu komme, dass die UBS im Gegensatz zur CS auch Kundendaten geliefert habe. Dougan wehrt sich auch gegen den Vorwurf, die Einigung heraus gezögert zu haben. «Ich glaube nicht, dass wir den Fall unterschätzt haben», sagte er. «Wir haben alles getan, um die Sache so schnell wie möglich zu bereinigen.»

Schenkt man dem Justizministerium Glauben, gab es tatsächlich einiges zu bereinigen. Die Behörde beschuldigte die CS der «Verschwörung», und warf ihr «dreistes» Verhalten im grenzüberschreitenden Geschäft mit US-Kunden vor. Die Bank habe ausserdem mangelhaft mit den Behörden kooperiert und wichtige Dokumente vernichtet.

Die Rekordbusse belastet das Ergebnis der CS massiv. Allein im zweiten Quartal wird der Gewinn nach Angaben des Instituts um rund 1,6 Mrd CHF gedrückt. Auf das operative Geschäft soll sich die Angelegenheit, die während Wochen stark im Fokus der Medien stand, aber nicht wesentlich ausgewirkt haben. «Die bisherige Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal ist vergleichbar mit derjenigen im Vorjahr. Auch im Vergleich zu den Konkurrenten sehen wir keine nennenswerte Abweichung», sagte Finanzchef David Mathers.

Kernkapitalquote soll bald wieder bei 10% sein
Die Kernkapitalquote (CET1, look through) der Bank hat sich durch die Busse allerdings deutlich verringert. Der letzte bekannte Stand sind die 10,0% per Ende Q1, welcher sich laut den Angaben der Bank auf 9,3% verringert hätte, wenn die Busse schon im ersten Quartal bezahlt worden wäre. Die CS-Verantwortlichen wollen nun aber dafür sorgen, dass die Quote bis Ende Jahr wieder auf mindestens 10% ansteigt, dies mittels Reduktion der risikogewichteten Aktiven sowie weiterer Veräusserungen von Liegenschaften oder Nicht-Kerngeschäften. Die Aktionäre sollen hingegen laut Finanzchef Mathers keine weitere Verwässerung ihrer Anteil in Kauf nehmen müssen.

Auch die Dividendenpolitik wurde nach Feststehen der Busse etwas konkretisiert. Die Bank will nämlich, wenn eine Kernkapitalquote von 10% erreicht ist, rund die Hälfte des Gewinns an die Aktionäre ausschütten. Zuletzt war lediglich die Rede davon, dass die Dividendenausschüttung in den nächsten Jahren signifikant erhöht werden soll.

Von Rücktritten hingegen will die oberste Führung der Bank nichts wissen. «Persönlich haben wir eine weisse Weste», sagte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner gegenüber Radio SRF. Ob das für die ganze Bank gelte, sei eine andere Frage. «Wir hatten interne Regeln, die verhindern sollten, dass Gesetze anderer Staaten verletzt werden», erklärte Rohner. Er sei enttäuscht, dass diese Regeln nicht eingehalten worden seien. Brady Dougan ergänzte, ein Rücktritt sei «nie zur Diskussion» gestanden. «Ich fühle mich der Credit Suisse sehr verbunden», betonte er.

Bundesrat begrüsst Einigung
Der Bundesrat begrüsste die Einigung. Diese ermögliche der CS, den langjährigen Konflikt mit den US-Behörden beizulegen, sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf am Dienstag vor den Medien. Für die anderen Banken, gegen die bereits ein Verfahren läuft, erwartet sie nun ebenfalls rasch Lösungen. Allerdings lasse die Busse der CS keine Rückschlüsse zu.

Auch die Investoren begrüssen die CS-News und sorgen für höhere Kurse. Nach einem deutlichen Plus von fast 3% in der Anfangsphase, liess die Euphorie allerdings etwas nach, und am frühen Nachmittag notiert das Papier (in einem stabilen Gesamtmarkt) lediglich noch 0,9% höher bei 26,31 CHF.

Auch wenn die CS die höchste jemals für einen Steuerfall in den USA festgesetzte Strafe zahlen müsse, sei die Einigung positiv, hiess es etwa. Pessimistischere Stimmen meinten hingegen, dass die ganze Sache negative Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung besonders im Investment Banking haben könnte. Auch der Neugeldzufluss der besonders reichen Kunden sowie im asiatischen Markt könne betroffen sein, meinte ein Analyst. (awp/mc/upd/ps)

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