Episodisches Gedächtnis ist schneller als gedacht

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Kreuzworträtsel: Hier ist Langzeitgedächtnis gefragt.

Konstanz / Bochum / Birmingham – Vergangene Ereignisse zu erinnern, geht im Gehirn schneller vonstatten als gedacht, wie Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der University of Birmingham herausgefunden haben. Bislang gingen die Wissenschaftler davon aus, dass das episodische Gedächtnis, also die Erinnerung an persönliche Erlebnisse, ein relativ langsamer Prozess ist, der rund eine halbe Sekunde dauert.

EEG gibt Aufschluss
Laut den neuen Erkenntnissen, die im «Journal of Neuroscience» veröffentlicht worden sind, reaktiviert das Gehirn Sinnesinformationen, die während des ursprünglichen Erlebnisses wahrgenommen wurden, zum Beispiel werden die Areale des Sehsinns auf bestimmte Weise aktiv. Der Studie nach erfordert die Reaktivierung der Sinnesinformationen während des episodischen Erinnerns nur zwischen 0,1 und 0,2 Sekunden.

Das fanden die Neurowissenschaftler mittels EEG heraus, einer Methode, die die Hirnaktivität mit hoher zeitlicher Auflösung verfolgt. Zudem konnte das Team aufzeigen, dass der Prozess entscheidend für das erfolgreiche Erinnern einer Episode ist. Verhinderten die Forscher die Reaktivierung von eingespeicherten Informationen des Sehsinns durch transkranielle Magnetstimulation, störte das den Abruf der Erinnerungen.

Weitere Studien nötig
«Die Ergebnisse könnten helfen, psychische Störungen zu verstehen, bei denen Menschen unter wiederkehrenden traumatischen Erinnerungen leiden», sagt Gerd Waldhauser, früher in Konstanz, heute an der Ruhr-Universität Bochum tätig. «Es wäre hilfreich, wenn man in den Abruf dieser traumatischen Erinnerungen eingreifen könnte. Aber natürlich erfordert das weitere Studien», unterstreicht der Experte.

Im Gegensatz zum semantischen Gedächtnis, das Fakten speichert, sind episodische Erinnerungen einzigartig und an Orte und Zeitpunkte gebunden. «Man hat gedacht, dass das Gehirn eine Weile braucht, um im Hippocampus – einer wichtigen Region für das Langzeitgedächtnis – danach zu suchen», fügt Simon Hanslmayr von der University of Birmingham hinzu. (pte/mc/ps)

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