Greenpeace zur Agrarpolitik: Der Nutzen liegt im Gras

Weidende Kühe

Zürich – Die Schweiz muss ihre landwirtschaftliche Produktion ökologischer gestalten. Ein beachtliches Verbesserungspotential liegt in einer konsequent graslandbasierten Milch- und Rindfleischproduktion. Der steigende Kraftfuttereinsatz bei Wiederkäuern ist ökologisch nicht vertretbar und nicht artgerecht.

Im Rahmen der Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems braucht es jetzt dringende Anpassungen. Landwirtschaftsbetriebe mit wenig bis gar keinem Kraftfuttereinsatz und ökologischerer Gründlandbewirtschaftung sollen mehr Unterstützung erhalten. Die Umweltorganisation Greenpeace fordert den Bundesrat in ihrer Stellungnahme zur Agrarpolitik 2014-17 auf, entsprechende Massnahmen zu erarbeiten.

Verfassungsauftrag nur bedingt erfüllt
Trotz vieler Milliarden Franken Direktzahlungen erfüllt die Schweizer Landwirtschaft den Verfassungsauftrag nur sehr bedingt[1]: Der «Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen» ist nicht gewährleistet, die Schweizer Lebensmittelproduktion ist bei weitem nicht «nachhaltig». Die Schweiz hat europaweit einen der dichtesten Nutztierbestände. Das führt zu überdüngten Böden und Gewässern und schlussendlich zu einer schwindenden Artenvielfalt. Die Tierproduktion ist nicht (mehr) an unsere natürlichen Ressourcen angepasst. Rund die halbe Ackerfläche wird für den Futterbau gebraucht. Im Ausland braucht es fast noch einmal die ganze Ackerfläche der Schweiz um den Futtermittelbedarf zu decken.

Sojaimporte seit 1990 verzehnfacht
Gemäss Statistik haben sich die Sojaimporte seit 1990 verzehnfacht[2]! Der grösste Teil der Welt-Sojaernte wird an Nutztiere verfüttert. In Produzentenländern führt das zu gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt. 2008 wurden rund 250’000 Tonnen Soja zur Nutztierfütterung in die Schweiz importiert. Die Ausdehnung einer solchen tierischen Produktion muss gestoppt werden: Eine wieder konsequent an unsere natürlichen Grundlagen angepasste Rindviehproduktion verringert nicht nur den Soja-Importberg um ganze 41 %, sie reduziert auch Milchüberschüsse, ist tiergerechter und generiert Milch oder Rindfleisch mit einem höheren Anteil an wertvollen Inhaltstoffen.

«Absolut notwendiger Umweltschutz»
«Milch und Fleisch von Kühen zu konsumieren, die praktisch nur Gras fressen, ist absolut notwendiger Umweltschutz. Und es ist ein Beitrag für unser eigenes Wohlbefinden sowie dasjenige der Tiere», sagt Marianne Künzle von Greenpeace Schweiz.

Stellungnahme zum Bericht zur Agrarpolitik 2014-17
Greenpeace nimmt Stellung zum Bericht des Bundesrats zur Agrarpolitik 2014-17[3]. Kernelement ist die Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems. Steuergelder sollen künftig ziel- und leistungsorientierter verteilt werden. Das macht durchaus Sinn. So führt eine Abschaffung der allgemeinen Tierbeiträge oder die Schaffung von Biodiversitäts- oder Produktionssystembeiträgen tendenziell zu einer an unsere natürlichen Ressourcen angepassteren Milch- und Rindfleischproduktion. Die dafür vorgesehenen Gelder sind aber viel zu tief angesetzt. Im Bundesratsbericht fehlen auch klar definierte Umweltziele, die die Schweizer Landwirtschaft erreichen muss.

Weitere Informationen zur Soja-Kampagne von Greenpeace finden Sie unter: http://www.greenpeace.ch/landwirtschaft. Die Greenpeace-Stellungnahme zur Agrarpolitik können Sie beziehen bei: Marianne Künzle, Landwirtschafts-Kampagne, [email protected], 079 410 76 48. (Greenpeace/mc/ps)

[1] Bundesverfassung Art. 104 Landwirtschaft

„Der Bund sorgt dafür, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag leistet zur:

a. sicheren Versorgung der Bevölkerung;

b. Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und zur Pflege der Kulturlandschaft;

c. dezentralen Besiedlung des Landes.“

[2] „Sojaimporte Schweiz: Möglichkeiten und Grenzen der Reduktion/Vermeidung von Sojaimporten in die Schweiz – Eine Untersuchung im Auftrag von Greenpeace, Agrofutura 2011

[3] Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems; Bericht des Bundesrates in Erfüllung der Motion der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates vom 10. November 2006 (06.3635), 6. Mai 2009

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