Implenia und Stadt Zürich einigen sich im Letzigrund-Streit

Implenia und Stadt Zürich einigen sich im Letzigrund-Streit
(Foto: Implenia)

Zürich – Der Bau des Letzigrund-Stadions wird die Gerichte nicht mehr länger beschäftigen: Die Stadt Zürich und das Unternehmen Implenia haben sich nach einem jahrelangen Streit um Baumängel und Baukosten geeinigt, wie sie am Mittwoch mitteilten.

Die Einigung umfasse alle offenen Punkte, heisst es in einer Mitteilung des Baukonzerns Implenia. Alle hängigen Verfahren seien im gegenseitigen Einvernehmen beendet worden, auf angedrohte neue Gerichtsverfahren werde verzichtet. In einer Mitteilung der Stadt heisst es, es werde beidseitig auf sämtliche gegenseitig noch offenen Forderungen verzichtet.

Fussball-EM 2008
Das neue Letzigrund-Stadion wurde am 30. August 2007 offiziell eröffnet. Der frühere Stadion aus dem Jahr 1925 hatte weichen müssen, um dem Neubau Platz zu machen. Dieser ermöglichte der Stadt Zürich die Teilnahme an der Fussball-Europameisterschaft 2008 als Austragungsort. Drei Vorrundenspiele fanden im neuen «Letzi» statt.

Doch dann fingen schon bald die Probleme an und der Neubau sorgte für zahlreiche Gerichtsverfahren.

Im Februar 2010 etwa wurde der Letzigrund vorübergehend geschlossen, nachdem ein Riss in einem der stählernen Dachträger entdeckt wurde. Die Bauherrin Implenia war der Meinung, dass keine Sicherheitsprobleme bestanden. Die Stadt sah das anders und stellte provisorisch 31 Stahlstützen auf, um jegliches Risiko auszuschliessen.

Da die Stützen die Sicht aufs Spielfeld beeinträchtigten, sorgten sie wiederum für Ärger und Frust bei den Fussballvereinen und den Zuschauern. FCZ und GC überlegten gar, ob sie deswegen bei der Stadt eine Mietzinsreduktion verlangen sollen.

Klage und Gegenklage
Aber nicht nur die Stützen waren ein Problem: Implenia und die Stadt waren sich auch länger uneins über die Abschlussrechnung des Baus. Streitpunkt waren insgesamt 1392 Änderungswünsche, die Mehrkosten von rund 23 Millionen Franken verursachten.

Nach Ansicht der Stadt waren alle vertraglich vereinbarten Leistungen bereits bezahlt worden. Implenia dagegen wollte extra dafür vergütet werden. Der Baukonzern unterlag 2015 vor dem Bezirksgericht und zog 2018 seine Berufung am Obergericht zurück. Diese Klage wurde also schon lange ad acta gelegt.

Mit der nun getroffenen Einigung ist auch der Betrag von 12 Millionen Franken vom Tisch, den sich Implenia gerichtlich von Zürich zurückholen wollte. Die Stadt hatte Baumängel geltend gemacht und die vereinbarte Garantiesumme in genannter Höhe eingezogen.

Unbelastete Zukunft
Wie viel der «Fall Letzigrund» die Implenia am Ende gekostet hat, wollte ein Sprecher auf Anfrage von AWP nicht beziffern. Sicher ist aber: Alle Belastungen wurden bereits zurückgestellt. Der finale Posten wurde im Geschäftsjahr 2020 wertberichtigt, als sich die Einigung abgezeichnet habe, sagte der Sprecher.

Die News wirft entsprechend wenig Wellen: Eine halbe Stunde nach Handelsbeginn notieren die Papiere unverändert bei 25,98 Franken. Analysten begrüssen aber die Beilegung der Auseinandersetzung, weil die Stadt Zürich für die Bauindustrie ein wichtiger Auftraggeber sei. (awp/mc/ps)

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