Kreditmarkt 2020 in der Schweiz: Covid-19 – Wie immun sind Schweizer Unternehmen?

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(Adobe Stock)

Zürich – Das jährliche Kredithandbuch Schweiz der Credit Suisse untersucht die Kreditwürdigkeit der grössten Schweizer Anleihenemittenten und der wichtigsten Akteure am Schweizer-Franken-Kapitalmarkt. 2020 stehen alle Unternehmen im abgedeckten Universum vor den Herausforderungen, die sich aus der COVID-19-Pandemie und ihren wirtschaftlichen Folgen ergeben. Während die meisten Unternehmen gut aufgestellt sind um die Corona-Krise zu bewältigen, müssen einige Management-Teams schwierige Entscheidungen treffen, wie sie Ressourcen unter den Stakeholdern effizient aufteilen, um die Geschäftstätigkeiten zu schützen und voranzutreiben.

Seit der Veröffentlichung des Kredithandbuchs Schweiz im September 2019 gab es zwei positive und acht negative Rating-Massnahmen, von denen letztere vornehmlich auf COVID-19 zurückzuführen sind. Die Kreditanalysten der Credit Suisse hoben das Kreditrating von Zug Estates und Lonza um eine Stufe an und senkten das Kreditrating von MCH um zwei Stufen. Darüber hinaus beurteilten sie den Ausblick für ABB, Bobst, Bell, Flughafen Zürich, Genève Aéroport, HIAG und Valora neu negativ. Während einigen Emittenten aufgrund der Pandemie schwierige Zeiten bevorstehen, bleibt die allgemeine Kreditqualität von Schweizer Unternehmensemittenten aufgrund der starken Bilanzen der Unternehmen sehr solide.

Auf einen tiefen Einbruch der Wirtschaftsleistung dürfte eine starke Erholung folgen
Ende letzten Jahres gingen die Ökonomen der Credit Suisse davon aus, dass die Weltwirtschaft weiterhin stabil bleibt und 2020 ein Jahr mit verhaltenem Wirtschaftswachstum sein würde, da ein Marktabschwung oder eine Finanzkrise unwahrscheinlich schienen. Im Zuge des Ausbruchs der Pandemie und der von Regierungen in aller Welt erlassenen Einschränkungen zur Bekämpfung des Virus haben Ökonomen weltweit ihre Wachstumsprognosen revidiert. Unsicherheit herrscht darüber, ob die Erholung wichtiger Konjunkturindikatoren einen V-, W-, U- oder L-förmigen Verlauf nehmen wird, was sich auch in der breiten Streuung der Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 reflektiert.

Wenngleich die Schweiz ein wirtschaftlich stabiles Land mit erstklassiger Kreditqualität und einer starken Währung ist, hat die Pandemie auch die Wirtschaft hierzulande nicht verschont. Die Ökonomen der Credit Suisse erwarten für 2020 einen tiefen, synchron verlaufenden Einbruch der Schweizer Konjunktur mit einem Rückgang des BIP um 4,0 % und einer anschliessenden Erholung im kommenden Jahr um 3,5 %. Um zu verhindern, dass die Situation sich verschlimmert, mussten die Schweizer Regierung und die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Wirtschaft des Landes mit signifikanten fiskal- und geldpolitischen Massnahmen stützen. Sektoren wie die Schweizer Industrie und Flughäfen haben unter der Pandemie besonders stark gelitten, während sich defensivere Sektoren wie Lebensmittel und Pharmazeutika als widerstandsfähig erwiesen. Die Erholung verschiedener Sektoren und Segmente wird wahrscheinlich unterschiedlich schnell erfolgen, wobei viele Sektoren noch über 2021 hinaus die finanziellen Folgen der Pandemie spüren werden.

Umsichtiges Stakeholder Management ist in einem anspruchsvollen Umfeld entscheidend
Da das gesamte Ausmass der wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie sowie der Verlauf einer Erholung derzeit kaum abzuschätzen sind, fällt es Management-Teams schwer, die finanziellen Auswirkungen auf ihr Gesamtjahresergebnis zu beurteilen. Deshalb haben zahlreiche Schweizer Unternehmen in den vergangenen Monaten ihre Prognosen für das Gesamtjahr zurückgezogen. Während rund 40 % aller Unternehmen im abgedeckten Universum eine Stellungnahme zu den Auswirkungen von COVID-19 herausgegeben haben, ist der Anteil deutlich höher, wenn man nur zyklischere Sektoren wie Grundstoffe, Investitionsgüter und Flughäfen berücksichtigt. Im Gegensatz dazu haben viele Unternehmen aus weniger stark betroffenen Sektoren noch keine wesentlichen Anpassungen ihrer Prognosen veröffentlicht oder ihre ursprünglichen Prognosen sogar bestätigt.

In dem aktuell herausfordernden Kreditumfeld müssen die Management-Teams von Unternehmen schwierige Entscheidungen darüber treffen, wie sie ihre Ressourcen unter den verschiedenen Stakeholdern aufteilen, um den Geschäftsbetrieb ihrer Unternehmen zu schützen, und gleichzeitig Interessenkonflikte zwischen diesen Stakeholdern zu minimieren. Die Kreditanalysten haben eine Vielzahl von Massnahmen identifiziert, die Unternehmen zur Absicherung ihrer Liquidität und ihres Geschäftsbetriebs umgesetzt haben. Während ein Grossteil der Unternehmen Massnahmen zur Senkung der Betriebskosten durch Abbau von Personalkosten, Kapazitätsanpassungen oder Reduzierung von diskretionären Ausgaben angekündigt hat, haben einige auch ihre Investitionsausgaben angepasst, Dividendenzahlungen verringert oder Aktienrückkaufprogramme ausgesetzt. Industrieunternehmen wie Georg Fischer, Bobst und Bucher haben beispielsweise Kurzarbeit eingeführt, während der Flughafen Zürich auch seine Investitionspläne revidiert und auf die Dividendenausschüttung für 2019 verzichtet hat. Sulzer gab eine Kapazitätsanpassung im energiebezogenen Geschäft um ein Drittel sowie zusätzlich eine Reduktion der Investitionsausgaben bekannt. Adecco teilte mit, dass man das Aktienrückkaufprogramm in Höhe von EUR 600 Mio. vorübergehend aussetzen würde. Die Unternehmen, die die Aktionärsvergütung angepasst haben, sind zum größten Teil diejenigen, die schwer unter der Pandemie gelitten haben.

Darüber hinaus haben mehrere Unternehmen ihre Verschuldung über Bankkredite oder über den Kapitalmarkt erhöht, um über ausreichend Liquidität zu verfügen und den Geschäftsbetrieb zu schützen. So haben sich der Genève Aéroport und der Flughafen Zürich im April Mittel am Kapitalmarkt beschafft, wobei letzteres Unternehmen zudem seine Kreditlinien bei Banken voll ausschöpfte. Während Flughäfen kaum eine andere Wahl blieb, als ihre Verschuldung zu erhöhen, schöpften andere Unternehmen wie OC Oerlikon ihre Kreditlinien voll aus, um zu begrenzten Kosten ihre finanzielle Flexibilität wahren zu können. SGS und Geberit nahmen Anfang des Jahres Schulden am Kapitalmarkt auf und vermieden dadurch potenziell höhere Zinskosten zu einem späteren Zeitpunkt. Dies reflektiert sich auch im Volumen der Anleihenemissionen von Schweizer Unternehmen im April 2020, das gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen ist.

Aufnahme eines neuen Emittenten von Unternehmensanleihen
Seit der letzten Ausgabe des Kredithandbuchs haben die Kreditanalysten der Credit Suisse einen neuen Emittenten von Unternehmensanleihen in das abgedeckte Universum aufgenommen. Intershop ist eine Schweizer Immobiliengesellschaft, die Liegenschaften in der Schweiz kauft und diese neu entwickelt und anschliessend verwaltet, bevor sie sie wieder verkauft. Die Credit Suisse-Kreditanalysten vergaben an Intershop ein Rating von Mid BBB, begründet durch die Kompetenz und den Track Record bei der Ausnutzung von Investitionsmöglichkeiten sowie hohe Betriebsmargen und eine relativ geringe Verschuldung.

Über das Kredithandbuch Schweiz 2020
Das Kredithandbuch Schweiz 2020 umfasst 69 Emittenten (58 Unternehmen, 11 Partnerwerke), von denen die meisten von den internationalen Ratingagenturen nicht abgedeckt werden. Der Bereich Swiss Institutional Credit Research der Credit Suisse beurteilt das Kreditprofil und den Ausblick für jeden Emittenten und vergibt daraufhin ein entsprechendes Kreditrating. Wie schon in der letztjährigen Ausgabe sind auch in der diesjährigen Version keine Kantone und Städte enthalten. Beides wird zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr berücksichtigt. Das Kredithandbuch Schweiz richtet sich an alle Anleger und Finanzmarktteilnehmer, die detaillierte Informationen über aktuelle Entwicklungen und die Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer am Schweizer Kapitalmarkt wünschen.

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