Mars-Flug 2018: «Das scheint nicht realistisch»

Mars

Planet Mars, Aufnahme der Marssonde Viking. Bild: NASA)

Washington/Köln – Am 5. Januar 2018 startet der erste bemannte Mars-Flug, so denn die Pläne der Inspiration Mars Foundation aufgehen. Die vom US-Unternehmer Dennis Tito gegründete Non-Profit-Organisation will einen Mann und eine Frau auf eine 501-tägige Reise schicken, die sie bis auf 100 Meilen an den roten Planeten heranbringt. Zum Einsatz kommen sollen laut Tito bereits bewährte Technologien, doch spricht er auch von einem Raumfahrzeug mit aufblasbarem Habitat, was in der Praxis letztlich Neuland betreten würde.

Fraglich ist, ob das ambitionierte Ziel eines Starts im Jahr 2018 wirklich erreichbar ist. «Nach den bisher vorliegenden Erfahrungen scheint das nicht realistisch», meint Andreas Schütz, Pressesprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, im Gespräch mit pressetext. Denn für einen bemannten Raumflug wirkt die Vorlaufzeit extrem kurz. Doch ist Tito für seine Zielstrebigkeit bekannt – dadurch ist er 2001 bereits als erster Weltraum-Tourist bekannt geworden.

Herausforderung Raumschiff
Es hat einen guten Grund, dass Tito die von ihm sogenannte «Mission für Amerika» 2018 starten will. Dann kommt eine spezielle Planetenkonstellation einem Mars-Flug entgegen, die sich erst 2031 wiederholt. Doch steht Inspiration Mars vor einer gewaltigen Herausforderung. «Ein Raumschiff, mit dem Menschen fliegen sollen, braucht normalerweise eine Entwicklungszeit von zehn Jahren und mehr», erklärt Schütz. Dementsprechend skeptisch gibt er sich, ob wirklich in weniger als fünf Jahren eine bemannte Mission in Richtung Mars aufbrechen kann.

Zwar behauptet Tito, man wolle auf bewährte Technologien setzen, doch diese Aussage steht auf eher wackeligen Beinen. In einer Machbarkeitsstudie schlägt sein Team beispielsweise eine «Falcon Heavy» des Unternehmens SpaceX als Launch-Rakete vor – doch diese wird frühestens in diesem Jahr erstmals wirklich zum Einsatz kommen. Auch ein aufblasbares Habitat-Modul für ein Raumschiff gibt es bislang nur als Konzept, ein echter Test der Praxistauglichkeit steht aus. Es bleibt also abzuwarten, ob Inspiration Mars wirklich rechtzeitig ein geeignetes Raumfahrzeug auf die Beine stellen kann.

«Einfache» Marsmission
Jedenfalls will Inspiration Mars keine grossen Risiken eingehen. «Die Schönheit der Mission liegt in ihrer Einfachheit», so Tito. Denn geplant ist lediglich eine Marsumrundung, aber keine Landung und kein Eintritt in die Atmosphäre, weshalb keine kritischen Steuermanöver fernab der Erde nötig seien. Freilich gibt es andere Herausforderungen, die sehr wohl anstehen – 501 Tage wäre ein neuer Rekord für den Aufenthalt in der Schwerelosigkeit, die genauen Auswirkungen auf Körper und Geist der beiden Raumfahrer, die als Privatpersonen reisen sollen, also nicht mit Sicherheit abschätzbar.

Abzuwarten bliebt auch, welche Ziele genau Dennis Tito mit dem Mars-Flug verfolgt. Sicher will er wie einst mit seiner Reise zur Mir zeigen, dass ein ambitioniertes Ziel auch erreicht werden kann. Inwieweit die Mission – vom Nachweis der technischen Machbarkeit abgesehen – einen echten wissenschaftlichen Wert bringen kann, ist noch offen. «Die Frage stellt sich aber erst, wenn die Mission wirklich Realität wird», meint dazu der DLR-Sprecher. Denn erst, wenn das Raumfahrzeug wirklich Gestalt annimmt, wird klar, welche Möglichkeiten sich beispielsweise für zusätzliche Experimente auftun. (pte/mc/ps)

 

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