Pensionskassen verbessern 2013 ihre Bilanzen

Peter Zanella

Peter Zanella, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson in Zürich. (Bild: Flickr)

Zürich – Die weiterhin günstige Entwicklung der Märkte im vierten Quartal hat den Unternehmen in der Schweiz erneut eine Atempause im Zusammenhang mit der Berichterstattung ihrer Pensionskassen verschafft. Dies ergibt die jüngste Studie von Towers Watson. Die Planvermögen verzeichneten einen Anstieg, während die Pensionsverpflichtungen seit dem Vorquartal abnahmen. Insgesamt verbesserte sich so der hypothetische Deckungsgrad (d. h. das Verhältnis des Planvermögens gegenüber den Pensionsverpflichtungen) um rund 4 Prozentpunkte, wie der Towers Watson Pension Index zeigt. Dieser stieg von 99,1 per 30. September 2013 auf 102,9 per 31. Dezember 2013.

Diese Zahlen stammen aus dem vierteljährlich von Towers Watson im Swiss Pension Finance Watch veröffentlichten Pension Index. Dieser Index basiert auf den International Accounting Standards (IAS) und stellt die quartalsweise Entwicklung des Ausfinanzierungsgrades dar, statt den sonst typischen Deckungsgrad der schweizerischen Pensionspläne anzugeben.

Verbesserte Marktbedingungen
«Die Marktbedingungen haben sich seit dem letzten Quartal nochmals verbessert, sodass 2013 für die Unternehmensbilanzen insgesamt ein gutes Jahr war. Es ist nun Zeit, um zurück, aber auch nach vorne zu blicken», so Peter Zanella, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson in Zürich.

Es ist kein Geheimnis, dass Aktienmärkte im Jahresverlauf volatil sein können und dies in der Vergangenheit auch waren. Die schweizerischen Vorsorgevermögen erzielten im vierten Quartal positive Renditen von nahezu 2%. Im zweiten Quartal waren die Renditen hingegen mit –1,2% noch negativ ausgefallen. Die Jahresrendite lag jedoch gemäss Pictet Index 2005 BVG-40+ per Ende 2013 mit 7,7% klar im positiven Bereich.

Angesichts der anhaltenden Ungewissheit bezüglich der weltweiten Konjunkturerholung hält Peter Zanella dies für den richtigen Handlungszeitpunkt «Die im Jahresverlauf zu beobachtende Zunahme der Planvermögen  hat den Unternehmen geholfen ihre Bilanzen zu verbessern.  Jetzt bietet sich die Gelegenheit die guten Anlagerenditen des vergangenen Jahres effektiv zu realisieren, indem man den Wechsel der Anlagestrategie in Erwägung zieht  (zum Beispiel durch Umschichtung von ertragsorientierten Anlagen wie Aktien in besser an den Verpflichtungen ausgerichteten Anlagen wie Anleihen). Denkbar wären sogar innovativere Risikominderungsoptionen, zum Beispiel Buy-outs von Pensionsverpflichtungen oder Langlebigkeits-Swaps.  Durch eine risikofreiere und näher an den Verpflichtungen ausgerichtete Anlagestrategie ist es möglich, die künftige Volatilität der Bilanz zu minimieren. Zudem können die im Jahresverlauf erzielten positiven Renditen können gesichert werden und sind somit zukünftig nicht mehr durch mögliche Schwankungen des Aktienmarktes gefährdet. Für Unternehmen, die ihre Pensionsverpflichtungen in der Schweiz ausweisen, ist diese Vorgehensweise sicher eine Überlegung wert.»

Die Änderung einer Anlagestrategie umfasst zahlreiche Phasen und Prozesse.  Dabei ist der  wichtigste Schritt sich zunächst klar zu machen, wie die Anlagestrategie eines Unternehmens mit Blick auf das aktuelle und künftige Umfeld aussehen sollte. Alle Beteiligten könnten die so aufgeworfenen Fragen erörtern, entscheiden ob Handlungsbedarf besteht und ob es der richtige Zeitpunkt zum Handeln ist, und wenn ja, über die Vorgehensweise entscheiden.  Zanella erläutert dies wie folgt: «Zu Beginn eines neuen Jahres können Unternehmen die Zeit nutzen, um offen über die Zukunft des Pensionsplans und dessen Anlagestrategie zu sprechen.»

Erhöhung des Diskontierungssatzes hat geholfen
Der Anstieg des Diskontierungssatz im Quartalsverlauf hat das Wachstum des Vermögens effektiv angekurbelt.  Dies wirkte sich positiv auf die Unternehmensbilanzen aus. Der Diskontierungssatz hat massgeblichen Einfluss auf die Bewertung künftiger Rentenzahlungen in den Bilanzen der Unternehmen. Im vierten Quartal stieg der in der Studie von Towers Watson verwendete Benchmark-Satz um ungefähr 16 Basispunkte (0,16%). Dadurch verminderte sich das Total der Pensionsverpflichtungen um etwa 2%.

Diese Zunahme des Planvermögens hat insgesamt gemeinsam mit der Abnahme der Verpflichtungen zu einer Verbesserung des Deckungsgrads von ungefähr vier Prozentpunkten geführt.

Günstiger Zeitpunkt 
Adam Casey, Senior Consultant bei Towers Watson, weist darauf hin, dass  trotz der guten Entwicklung im letzten Jahr  nun ein günstiger Zeitpunkt für Unternehmen ist, um ihre Bilanzbewegungen zu überwachen und zu verfolgen. «Die aktive Modellierung und Überwachung von Pensionsverpflichtungen und Planvermögen kann Unternehmen in zwei wichtigen Bereichen helfen. Zum einen sorgt dies für Transparenz sowie für eine regelmässigere Kontrolle ihrer Bilanzposition.  Zum anderen kann diese Analyse als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden, wann  und in welchem Umfang Änderungsbedarf für die  Pensionskasse besteht. Als Beispiele für derartige Modifikationen wären eine andere Anlagestrategie oder ein Buy-out von Pensionsverpflichtungen zu nennen. Mit einem guten Tracking-Tool hat ein Unternehmen die Höhe des Vermögens und der Verpflichtungen stets im Blick und kann so Marktchancen leicht überwachen und im richtigen Moment nutzen. Dies haben wir schon bei vielen Unternehmen gesehen, die wir beraten», so der Pensionskassenexperte.

Der Pension Index misst die Veränderungen des Verhältnisses zwischen dem Planvermögen und den Pensionsverpflichtungen eines Benchmark-Pensionsplans.
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Abbildung: Towers Watson Pension Index (Schweiz)

Hintergrundinformationen zur Studie
Der Swiss Pension Finance Watch untersucht vierteljährlich die Auswirkungen von Kapitalmarktentwicklungen auf die Finanzierung von Pensionsplänen in der Schweiz. Die Studie ist ein Teil des Global Pension Finance Watch von Towers Watson, dessen Ergebnisse bis ins Jahr 2000 zurückgehen. Die Studienergebnisse werden vierteljährlich veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt auf dem Anlagevermögen und den Verpflichtungen. Der Bericht deckt Pensionspläne in Brasilien, Kanada, der Eurozone, Japan, der Schweiz, Grossbritannien und den USA ab.

Die Auswirkungen der Kapitalmärkte auf diese Pensionspläne betreffen zwei Bereiche:

  • Die Auswirkungen der Anlageperformance auf das Planvermögen
  • Die Auswirkungen von wirtschaftlichen Annahmen auf die Pensionsverpflichtungen (gemäss International Accounting Standards).

Dem Modell von Towers Watson liegt ein Benchmark-Pensionsplan zugrunde, der die Pensionsverpflichtungen und das Planvermögen (inkl. Vermögensmix) darstellt, die typischerweise im jeweils betrachteten Pensionsmarkt vorkommen. Anhand der Auswirkungen von Kapitalmarktentwicklungen auf das Vermögen und die Verpflichtungen wird ein Pension Index erstellt. Dieser bildet die Veränderungen im Ausfinanzierungsgrad des Benchmark-Pensionsplans ab.

Über Towers Watson
Towers Watson, eine der führenden Unternehmensberatungen weltweit, unterstützt Kunden und deren Unternehmenserfolg durch ein effektives HR-, Finanz- und Risikomanagement. Mit rund 14‘000 Mitarbeitern weltweit entwickelt das Unternehmen Lösungen in den Bereichen betriebliche Altersversorgung und Nebenleistungen, Personal- und Vergütungsmanagement sowie Risiko- und Finanzmanagement, einschliesslich der Beratung von Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen. In der Schweiz ist Towers Watson mit Büros in Zürich und Lausanne vertreten.

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