procure.ch: Im Zentrum der Lieferketten: Schwellenländer

procure.ch: Im Zentrum der Lieferketten: Schwellenländer
Schwellenländer – sie zählen nicht mehr zu den Entwicklungsländern, aber auch noch nicht zu den Industrienationen. (Bild: procure.ch)

Von Alastair Reynolds

Wir befinden uns bei den Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels an einem Wendepunkt. Schwellenländer sind der Schlüssel zu dieser nachhaltigen Zukunft. Neben einer weitreichenden Verschiebung der Verbraucherpräferenz hin zu kohlenstoffärmeren Produkten gewinnen auch die politischen Verpflichtungen auf Regierungs- und Unternehmensebene zur Verringerung der Emissionen und zur Erreichung der Kohlenstoffneutralität zunehmend an Bedeutung.

Nach jahrzehntelangen Investitionen in technische Innovationen befinden sich die Unternehmen der Schwellenländer heute im Zentrum der globalen Lieferketten. Das bedeutet, dass sie in einer einzigartigen Position sind, um viele der Lösungen zu liefern, die zur Bekämpfung der globalen Erwärmung benötigt werden, von der Energiespeicherung und elektrischen Effizienz bis hin zum Übergang zu sauberer Energie.

Dies hat zu einer langfristigen, säkularen Nachfrage nach einer Reihe von Produkten und Dienstleistungen geführt, die den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft ermöglichen werden.

Verdoppelte Kapazität in zehn Jahren
Erneuerbare Energien sind heute die am schnellsten wachsende Stromquelle der Welt und haben ihre Kapazität in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, das belegen aktuelle Studienresultate von Smart-Energy und Spectra. Wie «Statista and the International Energy Agency» dieses Jahr untersucht haben, wächst insbesondere die globale Solarstromerzeugung nun synchron mit China, das sich dem Rest der Welt wieder anschliesst und sich zu einem Ausbau der Solaranlagen verpflichtet hat.

Es gibt inzwischen eine beträchtliche Anzahl von Ländern mit einer jährlichen Leistung von einem Gigawatt an Solarstromanlagen. Die Solarnachfrage ist also ausgeglichen und stark, angetrieben durch schnell fallende Kosten und das Bekenntnis der staatlichen Behörden zu zunehmend subventionsfreien Solarprojekten. Solarglas ist der renditestärkste, am meisten konsolidierte und am wenigsten deflationäre Teil der solaren Wertschöpfungskette. Es ist einer der wenigen Bereiche der erneuerbaren Energien, die eine klare Wertschöpfung vorweisen können. Xinyi Solar zum Beispiel ist der anerkannte Weltmarktführer in der Solarglasherstellung, die von chinesischen Unternehmen dominiert wird.

Chinas Pläne, Erdgas zu nutzen
Die Abkehr von fossilen Brennstoffen als Hauptenergiequelle der Welt wird jedoch keine sofortige Umstellung sein. Der Übergang wird sich über viele Jahre erstrecken, wobei das emissionsärmere Gas im Energiemix zunehmen wird, während der Einsatz von Kohle und Öl zurückgefahren wird. China Gas Holdings – einer der grössten Erdgasversorger Chinas mit über 500 Projekten für 160 Millionen Menschen – ist ein direkter Nutzniesser dieses Trends, da die chinesische Regierung plant, den Anteil von Gas am Energiemix bis 2030 auf 15 Prozent zu erhöhen.

Ähnlich verhält es sich mit dem brasilianischen Energieunternehmen Cosan, das als grösster Erdgasverteiler des Landes ebenfalls ein Engagement im Bereich Erdgas hat, aber auch ein führender Hersteller von Biokraftstoff ist, der als praktikable Alternative zu fossilem Kraftstoff im strassengebundenen Verkehr angesehen wird.

144 Millionen E-Autos im Jahr 2036
Die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Technologie in Elektrofahrzeugen und Energiespeichern ist in den letzten zehn Jahren rasant gestiegen. Die kumulierte Nachfrage, die im Jahr 2010 bei gerade einmal 0,5 Gigawattstunden lag, ist auf etwa 526 Gigawattstunden im Jahr 2020 angewachsen. Es wird erwartet, dass sich dieser enorme Anstieg fortsetzt und die Nachfrage bis 2030 auf unglaubliche 9300 Gigawattstunden ansteigt. Diese Nachfrage bedeutet, dass zig Millionen neuer Elektrofahrzeuge, Stromspeicher und Verbrauchergeräte auf der ganzen Welt damit ausgestattet werden können. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines atemberaubenden Anstiegs der Anzahl von Elektrofahrzeugen auf den Strassen um 1 176 Prozent in den nächsten 10 Jahren, von 11 Millionen im Jahr 2020 auf 144 Millionen im Jahr 2030.

Elektrische Effizienz
Die Notwendigkeit, mit fossilen Brennstoffen betriebene Technologien zu ersetzen, wird zu einem deutlich höheren Bedarf an Elektrifizierungsinfrastruktur führen. Der Halbleitersektor, der die Mikrochips liefert, die in elektronischen Schaltkreisen in grossem Umfang verwendet werden, wird von diesem enormen Anstieg der Elektrifizierung profitieren.

Von einer erhöhten Nachfrage nach Sensortechnologie für Fahrzeuge und «intelligenten» Produkten in Haushalten bis hin zur Einführung von 5G und der Verarbeitungsausrüstung, die für nationale Stromnetze benötigt wird, um auf intermittierende erneuerbare Energiequellen reagieren zu können, wird die Nachfrage nach Halbleitern weiterhin steil ansteigen.

Erhebliche Ausgaben stehen an
Die Investitionsausgaben (Capex) der Branche bestätigen dies, da die Investitionen in den letzten zehn Jahren gestiegen sind und nun kurz- bis mittelfristig erhebliche Aus-gaben anstehen. Die Portfoliobeteiligung TSMC kündigte kürzlich sehr ehrgeizige Investitionspläne an, nachdem die Quartalsergebnisse in allen Bereichen Stärke und sehr positive Wachstumsaussichten zeigten. Auch SK Hynix, ein führender Hersteller von Speicherchips, profitiert von steigenden DRAM- und NAND-Volumina, mit denen Geräte und Server im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung ausgestattet werden.

Vor dem Hintergrund einer zunehmend elektrifizierten Welt ist das taiwanesische Elektronikunternehmen Delta Electronics gut positioniert, um von mehreren langfristigen Trends wie Elektrofahrzeugen, Automatisierung, 5G und Big Data zu profitieren. Delta Electronics ist der weltweit grösste Anbieter von Stromversorgungen und befindet sich im Übergang von der Belieferung von PC- und Smartphone-Herstellern zur Deckung der Nachfrage der New Economy nach Elektrofahrzeugen, Rechenzentren und Industrierobotern. Das Unternehmen kann auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken, wenn es darum geht, seine Kernkompetenzen im Bereich der Energieeffizienz in anderen Anwendungen zu nutzen.

Oft sind diese neuen Anwendungen mit höheren Gewinnspannen und hohen Eintrittsbarrieren verbunden. Und mit der weit verbreiteten Einführung von Geräten der Leistungselektronik steigt auch die Nachfrage nach Rohstoffen, die Teil der Schlüsselkomponenten für die Stromübertragung sind. (procure.ch/mc/ps)

Alastair Reynolds beschäftigt sich seit fast 30 Jahren mit Aktien. Er ist als Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung Martin Currie, einem Teil von Franklin Templeton, neben der Verwaltung von Anlageportfolios sowie der Durchführung von Investment-Researches ebenfalls für die Gesamtleitung des Emerging-Market-Teams verantwortlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.