schillingreport: Karriere im öffentlichen Sektor für Frauen attraktiv

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(Foto: © chagin / Fotolia)

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Zürich – «Die Kantone sind der Privatwirtschaft weit voraus, was den Frauenanteil in den obersten Spitzenpositionen anbelangt. Sie sind sehr attraktive Arbeitgeber für Frauen.» Dies ist für Guido Schilling die wichtigste Erkenntnis aus dem schillingreport public sector 2016. Der Managing Partner der guido schilling ag stellte am 2. Februar 2016 in Bern zusammen mit Ständerätin Karin Keller-Sutter, St. Gallen, und Peter Grünenfelder, Präsident der Schweizerischen Staatsschreiberkonferenz (SSK), die erste Studie über die Zusammensetzung und den Werdegang der obersten Führungskräfte des öffentlichen Sektors in der Schweiz vor.

Die guido schilling ag ist eines der führenden Executive-Search-Unternehmen der Schweiz. Mit dem Ziel, Transparenz an der Spitze zu schaffen, untersucht der schillingreport seit 2006 die Geschäftsleitungen der 100 grössten Schweizer Arbeitgeber bezüglich Zusammensetzung der Führungsgremien sowie weiterer Aspekte. Mit dem schillingreport public sector 2016 ist nun erstmals ein Vergleich zwischen dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft möglich. 12 Kantone, die gesamthaft 4,91 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner aus allen Landesteilen der Schweiz vertreten, haben sich auf gemeinsame Initiative der Schweizerischen Staatsschreiberkonferenz SSK und der guido schilling ag bereit erklärt, an der Studie mitzuwirken und Transparenz über ihr Führungspersonal zu schaffen.

Dabei stellte sich heraus, dass bei den Kantonen mit einem Anteil von 13 Prozent mehr als doppelt so viele Frauen in den obersten Führungsgremien arbeiten wie bei Privatunternehmen (6 Prozent). Besonders hoch ist der Frauenanteil mit 18 Prozent bei den neu ernannten Verwaltungsmanagern. «Das lässt hoffen, dass in den nächsten Jahren noch mehr Frauen den Sprung in kantonale Spitzenämter schaffen werden», folgert Guido Schilling. Den Hauptgrund für die Attraktivität einer Karriere in der Verwaltung sieht er darin, dass sich auch anspruchsvolle Aufgaben besser mit dem Familienleben in Einklang bringen lassen. Zum Beispiel seien auch auf Stufe Topkader Teilzeitpensen möglich.

Reine Verwaltungslaufbahn gibt es nicht mehr
Der schillingreport public sector 2016 zeigt deutlich die grosse Durchlässigkeit zwischen öffentlichem Sektor und Privatwirtschaft auf: 41 Prozent der kantonalen Führungsspitzen verfügen über Erfahrungen in der Privatwirtschaft, 9 Prozent über Erfahrungen in der Privatwirtschaft und in anderen öffentlichen Verwaltungen. Das zeige, sagt Guido Schilling, «dass es die klassische Beamtenlaufbahn nicht mehr gibt: Aus Spitzenbeamten werden Verwaltungsmanager».

Einen deutlichen Unterschied zwischen öffentlichem Sektor und Privatwirtschaft offenbart sich bei den Dienstjahren. Die Spitzenkräfte der Kantone sind im Durchschnitt seit 8 Jahren in der aktuellen Funktion tätig, in der Privatwirtschaft sind es 5 Jahre. Dies hängt damit zusammen, dass öffentliche Verwaltungen längerfristig ausgerichtet sind als der private Sektor und nicht direkten Marktschwankungen unterliegen. Eine frappante Übereinstimmung besteht beim Durchschnittsalter der Führungskräfte: Dieses liegt in beiden Sektoren bei 52 Jahren.

Von Spitzenleuten des öffentlichen Sektors werden Spitzenleistungen erwartet
«Politische Rahmenbedingungen bestimmen die Standortqualität und die Attraktivität des Werkplatzes Schweiz wesentlich mit, das Topmanagement der Verwaltung spielt bei der Vorbereitung und Umsetzung der massgebenden Entscheide eine wichtige Rolle», weiss Ständerätin Karin Keller-Sutter, St. Gallen. Sie kennt als ehemalige Regierungsrätin den öffentlichen Sektor und verfügt als Verwaltungsrätin in verschiedenen Grossunternehmen über Kenntnisse der Privatwirtschaft. «Wenn die Schweiz im internationalen Standortwettbewerb bestehen will, ist es eine zunehmende Notwendigkeit, dass die obersten Führungsleute der Verwaltung auch die Anliegen und Bedürfnisse der Wirtschaft gut kennen». Deshalb wertet Karin Keller-Sutter die Erkenntnis aus dem schillingreport public sector 2016 als positiv, dass viele Spitzenpersönlichkeiten im öffentlichen Sektor zuvor in der Privatwirtschaft tätig waren. Sie begrüsst deshalb ausdrücklich die Durchlässigkeit zwischen den beiden Bereichen und plädiert für einen noch vermehrten Transfer in beide Richtungen.

An die Führungskräfte im öffentlichen Sektor werden erhebliche Anforderungen gestellt
«Die Verwaltung und insbesondere die Verwaltungsspitze spielen bei der Vorbereitung der politischen Entscheide und der Ausgestaltung von wirtschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine nicht zu unterschätzende Rolle», würdigt Peter Grünenfelder, SSK-Präsident, die Studie, «deshalb ist es sehr wertvoll, dass der schillingreport public sector 2016 über die Zusammensetzung dieser obersten Kader Transparenz schafft». Grünenfelder fordert denn auch einen dualen Karriereweg, der Erfahrungen mit Management-Positionen in der Privatwirtschaft wie auch im öffentlichen Sektor umfasst. «Die Durchlässigkeit ist zu erhöhen, weil sich die Anforderungsprofile zusehends angleichen», so Grünenfelder: «Neben den Managementprozessen, die sich dank New Public Management den privatwirtschaftlichen Standards annähern, dem laufenden Druck auf Neuerungen und dem Ruf nach einem sparsamen Umgang mit den öffentlichen Finanzmitteln, bleibt der `Public Manager` aber eine Führungskraft im Glashaus, deren Wirken nicht nur von der Politik, sondern auch von den Medien genau beobachtet wird.»

Karriereverlauf von rund 500 Führungskräfte des öffentlichen Sektors analysiert
Für den schillingreport public sector 2016 wurden Erhebungen in 12 Kantonen, die 4,91 Millionen Einwohner repräsentieren, durchgeführt. Mit in die Studie einbezogen wurden Staatsschreiberinnen und Staatsschreiber, Generalsekretäre und Generalsekretärinnen der Departemente oder Direktionen sowie die obersten Leiter der operativen Verwaltungseinheiten. Es handelt sich um die Kader, die das direkte Führungsteam der Gesamtregierung oder des einzelnen Regierungsmitglieds bilden. Das Gesamtsample umfasst 503 Personen, 6 Prozent der befragten Personen wurden im Erhebungsjahr neu in ihre heutige Funktion berufen. Das Gesamtsample unterteilt sich in 12 Staatsschreiber und Staatsschreiberinnen, 70 Generalsekretäre und Generalsekretärinnen und 431 Amtsleiter und Amtsleiterinnen. (mc/pg)

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