Schweizer Arbeitsmarkt: Anders denken, arbeiten und integrieren

Schweizer Arbeitsmarkt: Anders denken, arbeiten und integrieren
(Illustration: Lee Hecht Harrison)

Zürich – Zukunftsfähigkeit, Integration von älteren Arbeitnehmenden und alternative Arbeitsformen sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Arbeitsmarktes, wie eine neue Studie von Lee Hecht Harrison (LHH) – weltweit führend in der Talentförderung und im Karrierewandel – zeigt, die jedes Jahr Tausende von Menschen bei ihrer beruflichen Neuorientierung unterstützt.

Das diesjährige Swiss Future of Work Forum (Das Zukunftsforum für den Schweizer Arbeitsmarkt, 15. Mai 2019, Bern) wurde initiiert und getrieben von den Ergebnissen der aktuellen Studie von LHH, die anhand von Daten von über 1700 Kandidaten und Dutzenden von Interviews mit Betroffenen und erfahrenen Beratern die wichtigsten Herausforderungen und Erfolgsfaktoren für Arbeitnehmende und Arbeitgeber auf dem Schweizer Arbeitsmarkt untersucht.

Drei kritische Bereiche befinden sich im Umbruch und bilden laut der LHH-Studie die Grundlage für einen nachhaltig funktionierenden Arbeitsmarkt:

  1. Qualifikationen und kontinuierliche Weiterbildung,
  2. Integration von Arbeitnehmenden aller Altersgruppen, einschliesslich der älteren Arbeitnehmenden, und
  3. Alternative Arbeitsformen anbieten: Erkenntnis, dass die Menschen bereit sind, länger, aber weniger zu arbeiten.

Förderung zukünftiger Kompetenzen
Bei der Zukunft der Arbeit geht es vor allem um Kompetenzen. Arbeitgeber und Arbeitnehmende müssen die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung und Umschulung in Berufen mit hohem Fachkräftemangel sicherstellen, um den zukünftigen Bedarf zu decken und ein wettbewerbsfähiges Qualifikationsniveau halten zu können. Mit der erwarteten Transformation des Arbeitsmarktes in eine stärker digital ausgerichtete Wirtschaft, muss die Lücke bei den digitalen Kompetenzen geschlossen werden, um Marktrelevanz, Beschäftigungsfähigkeit und damit Beschäftigung zu gewährleisten.

Die aktive Förderung einer Infrastruktur für lebenslanges Lernen ist der Schlüssel zur Verringerung der Kluft zwischen Über- und Unterangebot an Qualifikationen. Darüber hinaus müssen sich alle Marktteilnehmenden wie Regierung, Unternehmen und politische Entscheidungsträger weiterhin auf einen funktionierenden sozialen Dialog konzentrieren und darüber nachdenken, wer für die entstehenden Kosten verantwortlich ist.

Effektive Integration von älteren Arbeitnehmenden
Mit der zunehmenden Alterung der Schweizer Bevölkerung gewinnt jeder Mitarbeitende an Bedeutung. Die Integration älterer Arbeitnehmenden wird in Zukunft angesichts des Fachkräftemangels noch wichtiger werden und dass ältere Arbeitnehmende hohes Potenzial, Motivation und Fähigkeiten mitbringen. Das betont der Schweizer LHH-Geschäftsführer Andreas Rudolph: Viele unserer Kandidaten im Wandel reduzieren ihre Erwartungen bereits nach kurzer Zeit bei der Arbeitssuche“. Es ist wichtig zu betonen, dass, obwohl ältere Arbeitnehmende nach einer Entlassung nicht auf grössere Hindernisse stoßen als jüngere Arbeitnehmende, ihr Selbstvertrauen gestärkt werden muss.

Karriereentwicklung und kontinuierliche Kompetenzerweiterung – mit Fokus auf Sozialkompetenzen – sind gute Voraussetzungen, um die Beschäftigungsfähigkeit von Senioren auf dem Markt zu gewährleisten. Ab Mitte der 40er Jahre sollten ältere Arbeitnehmende eine aktive Karriereförderung erhalten, kombiniert mit einer Weiterbildung, um lebenslanges Lernen zu ermöglichen. Die Arbeitgeber sollten auch im Falle von Entlassungen eine sofortige Berufsberatung anbieten – dies ist besonders wichtig für ältere Arbeitnehmende. Schliesslich muss die Flexibilität des Rentenalters zusammen mit Unterstützungsmassnahmen für Unternehmen und Arbeitnehmende eingeführt werden, um einen nachhaltigen Sozialversicherungsschutz zu gewährleisten.

Alternative Arbeitsformen als Katalysator nutzen
Die digitale Welt und die neue wirtschaftliche Realität, kombiniert mit einem neuen Wunsch nach Flexibilität sowohl aus Arbeitgeber- als auch aus Arbeitnehmersicht, haben Raum für neue Arbeitsweisen geschaffen. Zur Unterstützung dieses Trends empfehlen 67% der Outplacement-Kandidaten von LHH, als Alternative zur Vollzeitbeschäftigung flexibler zu arbeiten, und mehr als ein Viertel (28%) aller Befragten empfehlen die Selbständigkeit, um auf dem Arbeitsmarkt unabhängig vom Alter an Bedeutung zu gewinnen.

Ob Teilzeit, Freiberufler oder Selbständige, wir müssen uns diesen neuen Formen der Arbeit stellen und sie als Standards behandeln. Sie sind eine Realität und können nicht ignoriert werden. Um diese Veränderungen erfolgreich anzugehen, empfiehlt Alain Dehaze, Global CEO der Adecco Group, „Regierungen, Arbeitgeber und Sozialpartner müssen die Vorschriften neugestalten, um sicherzustellen, dass alle Arbeitsmöglichkeiten sicher und nachhaltig für Arbeitnehmende und Unternehmen sind“.

Diskussion zum weiteren Vorgehen
Insgesamt liefern die Ergebnisse der LHH-Studie und die Diskussionen im Forum Zukunft der Arbeit Schweiz Empfehlungen und Lösungen für die Entwicklung eines nachhaltigen Schweizer Arbeitsmarktes:

  1. Auf der Regierungsebene: Aktive Förderung und Unterstützung durch die Behörden bei relevanten, einfachen und aktuellen Instrumenten.
  2. Auf der Businessebene: Konstante Weiter- und Umbildung der eigenen Belegschaft und ein zeitnahes Karrierecoaching-Angebot für entlassene Arbeitnehmende, insbesondere ältere Arbeitnehmende, muss als integraler Bestandteil der Verantwortung des Arbeitgebers für Vielfalt und soziale Verantwortung des Unternehmens angesehen werden.
  3. Auf der individuellen Ebene: Jeder Mensch ist ein Akteur in seinem Berufsleben – verantwortlich für die Gestaltung und Stärkung seiner eigenen beruflichen Perspektiven wie beispielweise die Kontinuierliche Weiterbildung und sollte nicht auf ein dramatisches Ereignis wie einen Jobverlust warten, um die Notwendigkeit von Proaktivität zu erkennen.

(Adecco/mc/ps)

Lee Hecht Harrison
Adecco Schweiz

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