SNB-Entscheidung: Souverän

Frankenstärke

 

Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Mindestkurs des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro aufzugeben, hat eine Schockwelle durch sämtliche Märkte geschickt. Vor allem aber hat sie die Unabhängigkeit der SNB gestärkt.

Kommentar von Helmuth Fuchs

Drei Jahre nach der faktischen Anbindung des Schweizer Frankens an den Euro hat die SNB gestern die Bindung überraschend aufgehoben. Die von der EZB (zumindest teilweise) gewollte Schwäche des Euros kostete die Schweizer Nationalbank enorme Summen zur Aufrechterhaltung des Mindestkurses, die Bilanz blähte sich mit Devisenbeständen auf.

Ursprüngliches Ziel erreicht, zurück zur Marktnormalität
Das ursprüngliche Ziel, die Schweizer Exportwirtschaft in der Wirtschaftskrise nicht mit einem zu starken Schweizer Franken zusätzlich zu schwächen, konnte erreicht werden. Zudem hatte die Wirtschaft dadurch drei Jahre Zeit, sich auf ein Ende dieser Stützungsmassnahme vorzubereiten. Die erwartete Kursbandbreite nach Aufgabe des Mindestkurses von 1.00 bis 1.10 entspricht den Verhältnissen vor Beginn der SNB-Intervention.

Wettbewerbsfähig auch ohne Euro-Kursbindung
Die besorgten Reaktionen der Exportindustrie sind verständlich, da sich durch den starken Schweizer Franken die Wettbewerbsfähigkeit reduziert, sich die Produktionskosten in der Schweiz gegenüber dem Ausland verteuern. Eine Situation, die dazu geführt hat, dass sich die Schweiz traditionell auf Innovation und Qualität konzentrieren musste, um wettbewerbsfähig zu sein. Die Schweiz belegte auch in den Krisenjahren kontinuierlich Spitzenplätze in sämtlichen Erhebungen zur Wettbewerbsfähigkeit.

Handel hat auch eine Import-Komponente
Gegenüber den beiden grössten Handelspartnern, Deutschland und den USA, weist die Schweiz eine fast ausgeglichene Handelsbilanz aus (BfS, Einfuhr 2013: 63.8 Milliarden CHF, Ausfuhr: 64.1 Milliarden CHF), wobei die beiden Länder sich gerade gegensätzlich verhalten (Deutschland 13.1 Milliarden Import-Überschuss, USA 13.4 Milliarden Export-Überschuss). Mit den wieder erstarkten USA stehen die Chancen eher besser, auch teurere Produkte abzusetzen als in Deutschland, das eher in Richtung Stagnation tendiert.

Gesamt- vor Partikularinteresse
Die SNB hat die Aufgabe, die Geld- und Währungspolitik der Schweiz so zu gestalten, dass Preisstabilität die Entwicklung der Wirtschaft ermöglicht. Die Wirtschaft sind wir alle, als Käufer, Produzenten, Sparer, in unterschiedlichen Rollen, mit unterschiedlichen Interessen. In diesem komplexen Geflecht muss die Nationalbank unabhängig ein gewisses Gleichgewicht herstellen im Interesse des Landes. Genau das hat sie mit dem gestrigen Entscheid getan und die faktische Übernahme der Euro-Politik beendet.

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