SNB nach neun Monaten trotz Q3-Gewinn mit Verlust von 33,9 Mrd CHF

Thomas Jordan
SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB/P. von Ah) Nationalbank

SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB/P. von Ah)

Bern / Zürich – Erstmals seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar weist die Schweizerische Nationalbank (SNB) wieder einen Quartalsgewinn aus. Über das ganze bisherige Jahr gesehen bleibt das Ergebnis aber tiefrot.

Nach zwei verlustreichen Quartalen schliesst die Nationalbank die Monate Juli bis September mit einem Gewinn von 16,2 Mrd CHF ab. Das Minus im bisherigen Jahresverlauf beträgt aber immer noch 33,9 Mrd CHF.

Grundsätzlich ist dies kein Grund zur Besorgnis, denn die SNB ist keine Geschäftsbank und muss keinen Gewinn schreiben. Sie ist einzig und allein dazu da, die Geld- und Währungspolitik der Landes zu führen.

Die Entwicklung der vergangenen neun Monaten verdeutlicht allerdings, dass das Ergebnis der Nationalbank fast ausschliesslich von einem einzigen Faktor abhängt – den Devisenkursen. Denn die Devisenbestände haben sich im Zuge der Fremdwährungskäufe, welche die Währungshüter in den letzten Jahren zur Schwächung des CHFs tätigten, bekanntlich drastisch ausgeweitet.

Wechselkurse sind bestimmender Faktor
Per Ende September betrugen die Devisenreserven 566 Mrd CHF. Per Ende 2014 waren es erst 510 Mrd gewesen, im September 2011 305 Mrd und Mitte 2011 – vor Einführung des Euro-Mindestkurses – 196 Mrd CHF.

Weil sich der CHF nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar drastisch aufwertete, resultierte nach dem ersten Halbjahr ein Rekordverlust von 50,1 Mrd CHF. Praktisch der gesamte Verlust, nämlich 47,2 Mrd CHF, war auf Bewertungsverluste der Fremdwährungspositionen zurückzuführen, vor allem auf die Euros und Dollars in den SNB-Büchern.

Der Wechselkurseffekt spielte auch beim Ergebnis des dritten Quartals die entscheidende Rolle, diesmal allerdings im Positiven. So schwächte sich der CHF zum Euro von Ende Juni bis Ende September von rund 1,05 auf 1,09 ab.

Die Entwicklung führte zu einem Gewinn auf die Fremdwährungsreserven von 15,9 Mrd CHF. Das sind 98% des gesamten Quartalgewinns. Zwar resultierte auch aus den Frankenpositionen ein Plus von 360 Mio CHF – hauptsächlich dank der erhobenen Negativzinsen auf Girokonten – im Vergleich zu den Devisengewinnen ist dieser Betrag aber vernachlässigbar.

Noch marginaler ist mittlerweile der Einfluss der Goldbestände auf das Ergebnis der SNB. Zwar sank der Goldpreis im Laufe des dritten Quartals um rund 4%. Das Minus auf den Goldbewertungen der SNB betrug per Ende September aber lediglich 83 Mio CHF.

Ausschüttung an Kantone bleibt fraglich
Weil die Wechselkurse das Ergebnis der SNB wesentlich beeinflussen, entscheidet es sich schliesslich an ihnen, ob Bund und Kantone in diesem Jahr in den Genuss einer Gewinnausschüttung kommen. Gemäss einer Vereinbarung mit dem Eidg. Finanzdepartement würde diese 1 Mrd CHF betragen.

Diese bedeutende Einnahmequelle von Bund und Kantonen droht zu versiegen, wenn die Verluste der SNB im Gesamtjahr nicht unter den Vorjahresstand der Ausschüttungsreserven fallen. Diese betrugen damals 27,5 Mrd CHF.

Eine Ausschüttung scheint vor diesem Hintergrund nur dann realistisch, wenn sich der CHF gegenüber dem Euro und dem Dollar bis Ende Jahr weiter abschwächt. Aktuell ist die Ausschüttungsreserve der Nationalbank nach wie vor im roten Bereich. (awp/mc/upd/ps)

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