SNB-Zurbrügg: Franken sollte sich abschwächen

Fritz Zurbrügg Schweizerische Nationalbank
SNB-Direktionsmitglied Fritz Zurbrügg. (© SNB)

SNB-Direktionsmitglied Fritz Zurbrügg. (© SNB)

Bern – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erwartet weiterhin eine Abschwächung des Frankens. «Wir gehen nach wie vor davon aus, dass eine Abschwächung des Frankenkurses gegenüber dem Euro stattfinden sollte», sagt SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg.

Der Franken sei nach wie vor «sehr hoch bewertet». Das zeigten alle Modelle, welche die SNB verwende. Angeschaut werde nicht nur der Euro-Franken-Kurs, sondern der Wechselkurs im Vergleich zu mehreren Währungen, erklärte Zurbrügg in einem Interview, das am Montag in der «Berner Zeitung» und den Zürcher Landzeitungen erschienen ist.

Aufgrund des gleichen Gesprächs publizierten auch die Westschweizer Tageszeitungen «24 heures» und «Tribune de Genève» ein Interview. Zurbrügg zeigte sich darin zufrieden mit der Wirkung der Negativzinsen der SNB.

Er sei überzeugt, dass dank dieser Massnahme der Aufwertungsdruck auf den Franken abgenommen habe. Auf die Frage nach einer weiteren Senkung sagte Zurbrügg, «wir sind mit Negativzinsen von -0,75% schon relativ weit gegangen und für den Moment zufrieden mit deren Wirkung».

Fragezeichen hinter BIP-Prognose
Nachdem sich im ersten Quartal insbesondere die Exporte abgeschwächt haben, rechnet die SNB für das zweite Halbjahr weiterhin mit einem Anziehen des Wachstums der Schweizer Wirtschaft. Die SNB hatte die Prognose für das Bruttoinlandprodukt (BIP) im März auf knapp 1% von 2% gestutzt.

Zurbrügg hielt dazu fest, «diese Prognosen sind derzeit unsicherer als normalerweise, vor allem deshalb, weil nicht klar ist, wie sich der Wechselkurs entwickeln wird». Eine Unbekannte sei zudem, wie die Industrie auf den starken Franken reagieren werde. «Trotzdem gehen wir davon aus, dass diese Abschwächung nicht in eine Rezession münden wird.»

Für Kritik etwa von Exportunternehmen an der Aufhebung des Euro-Mindestkurses habe er Verständnis, «denn es ist eine starke Aufwertung in sehr kurzer Zeit». Kritik sei in einer solchen Situation eine natürliche Reaktion. «Es geht schon unter die Haut, wenn man vor Unternehmern steht und ihre Reaktionen hört», erläuterte Zurbrügg der «Berner Zeitung» und den Zürcher Landzeitungen. Aber wenn man überzeugt sei, den richtigen Entscheid getroffen zu haben, dann gebe das auch die nötige Kraft.

Die Deflationsgefahr ist laut Zurbrügg nicht allzu gross. Die SNB erwartet zwar für das laufende und das nächste Jahr eine negative Inflationsrate, zumal der starke Rückgang des Erdölpreises seit September zu zusätzlichem Druck auf die Preise geführt habe. «Doch wir sehen derzeit keine Anzeichen für eine Deflationsentwicklung wie es sie in den 1930er-Jahren gab, das heisst mit einer negativen Preisentwicklung über alle Güter hinweg und in einer sich selbstverstärkenden, spiralförmigen Abwärtsbewegung.»

Aufruf an Pensionskassen
Zu den Schwierigkeiten der Pensionskassen mit den Negativzinsen sagte Zurbrügg gemäss den beiden Westschweizer Zeitungen, die Vorsorgewerke würden nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Auswirkungen einzudämmen. Die Zahlen zeigten, dass viele die Freiheiten nicht ausnützten, sagte Zurbrügg. So könnten die Pensionskassen etwa stärker in andere Währungen investieren.

Die Negativzinsen hätten zudem die Probleme der Pensionskassen mit den seit längerem tiefen Zinsen lediglich akzentuiert. Den Negativzinsen müssten aber alle Investoren unterstellt werden. Denn auch das Investitionsverhalten der Pensionskassen habe Einfluss auf die Stärke des Frankens. (awp/mc/ps)

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