Start-up spinnt künstliche Spinnenseide

Start-up spinnt künstliche Spinnenseide

Bolt-Threads-CEO Dan Widmaier. (Foto: Bolt Threads)

Emeryville – Das kalifornische Start-up Bolt Threads hat nach eigenen Angaben ein Verfahren entwickelt, um künstliche Spinnenseide in Masse zu fertigen. Das soll endlich die Möglichkeit eröffnen, das bemerkenswerte Material in grossem Massstab beispielsweise für Schutzkleidung oder als Drahtseil-Ersatz zu nutzen. Immerhin ist Spinnenseide härter als Stahl und zugleich elastischer als Gummi – ein in der Natur vorkommendes Supermaterial, das Forscher seit langem zu kopieren versuchen.

Klebrige Spinnennetze sind vielen Menschen ein Gräuel, dabei bestehen sie aus einem der bemerkenswertesten Materialien in der Natur. Spinnenseide ist vier bis fünf Mal so belastbar wie Stahl und zugleich sehr dehnbar. Daher ist das Material unter anderem für kugelsichere Kleidung und als Träger für Hängebrücken interessant. Zudem ist es biokompatibel, weshalb beispielsweise die Universität Bayreuth intensiv an medizinischen Anwendungen arbeitet. Die grösste Hürde ist bislang, Spinnenseide in industriellem Massstab zu fertigen. Dafür will Bolt Threads mit einem Fermentierungsprozess und speziellen Düsen die Lösung gefunden haben.

Industrie-Spinndrüse
Seit fünf Jahren hat das Start-up im Stillen an der Massenfertigung von Spinnenseide gearbeitet, so Bolt-Threads-CEO Dan Widmaier gegenüber „Wired“. Jetzt und mit 40 Mio. Dollar namhafter Investoren im Rücken fühlt sich das Team bereit, an die Öffentlichkeit zu treten. Zu viele Details zum Fertigungsprozess will Widmaier zwar nicht verraten. Ein Eckpfeiler ist aber ein genetisch veränderter Mikroorganismus, dank dem das Material in grosser Menge entsteht. Zudem kann Bolt Threads die Seide ähnlich wie in der Spinndrüse einer Spinne wirklich zu langen Fäden formen.

Der Mikroorganismus sorgt Widmaier zufolge für einen Fermentierungsprozess, bei dem Spinnenseiden-Proteine in grosser Menge – tonnenweise – entstehen. Die nötigen Rohstoffe sind eine spezielle Hefe, Zucker und Wasser. Der chemische Nachbau allein liefert aber noch nicht alle gewünschten Eigenschaften der Spinnenseide. Daher folgt eine Verarbeitung mittels eines Nassspinnverfahrens ähnlich jenen, mit denen beispielsweise Polymerfäden gefertigt werden. Der Vorgang ahmt dabei im Prinzip den in einer Spinndrüse nach, so Widmaier.

Produkte für die breite Masse
Bolt Threads will nächstes Jahr erste kommerzielle Spinnenseide-Stoffe auf den Markt bringen. Dabei sollen nicht nur Nischenmärkte angesprochen werden. „Wir wollen Produkte schaffen, von denen Menschen wirklich profitieren“, betont Widmaier. Um wirklich eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, schweben dem Unternehmens-CEO beispielsweise wasserfeste, sehr robuste iPad-Hüllen oder Schonbezüge für Autositze vor. Bolt Threads könnte dabei sowohl als Partner anderer Textilhersteller als auch mit eigenen Produkten auftreten. (pte/mc/ps)

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