This-Priis 2012 an Elektro-Material AG und Kägi + Co AG

This Priis

Preisträger mit dem Namensgeber des Preises: This (sitzend).

Wald – Der «This-Priis» zeichnet Unternehmen aus, die in vorbildlicher Weise Menschen mit einem Handicap in den Arbeitsprozess integrieren. Mit dem Preis 2012 wurden die beiden Unternehmen Elektro-Material AG in Zürich und Kägi + Co AG in Winterthur geehrt. Die beiden KMU beschäftigen seit vielen Jahren handikapierte Mitarbeiter an vollwertigen Arbeitsplätzen mit ganz unterschiedlichen Arbeiten. Ob Kommissionieren bei der Elektro-Material AG oder Entgraten bei der Kägi + Co AG, die Arbeitsleistungen der handikapierten Mitarbeiter sind für den Betrieb relevant und von wirtschaftlichem Nutzen.

Insgesamt sieben Mitarbeiter mit einem Handikap arbeiten in den beiden Unternehmen Elektro-Material AG und Kägi + Co AG. Sie verrichten notwendige Arbeiten, die ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten entsprechen. Als Motto der beiden Unternehmen könnte gelten «der richtige Mann am richtigen Platz». Leistung und Entlöhnung – bei den meisten handikapierten Mitarbeitern in Ergänzung zu einer Teil-IV-Rente – entsprechen einander. Bei der Integration gewinnen beide, die betroffenen Mitarbeiter und das Unternehmen.

Die Elektro-Material AG ist eine Grosshandelsfirma, die konzessionierte Installateure mit sämtlichen Materialien beliefert, die auf der Baustelle gebraucht werden. Das Unternehmen ist mit neun Standorten in der Schweiz dezentral organisiert und besitzt bei einer Lagerhaltung von den 67’000 Artikeln eine Lieferfähigkeit von 96 Prozent. Lager und Lagerbewirtschaftung sind stark EDV-unterstützt – Handarbeit ist aber auch in diesem High-Tech-Betrieb notwendig, zum Beispiel beim Kommissionieren, bzw. Zusammenstellen der Lieferungen an die Kunden.

«Sie machen einen vollwertigen Job»
Mit Ciro Steiger, Andreas Polydorides, Ilber Tashi und Rudolf Cancian arbeiten bei der Elektro-Material AG vier Mitarbeiter mit einem Handikap. Ciro Steiger absolviert hier die Lehre als Logistiker. Vor drei Jahren wurde der begeisterte und begabte Unihockey-Spieler – er spielte bei einer U21-Mannschaft – von einem Auto angefahren und erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Nach fünf Wochen im Koma arbeitete er sich Schritt um Schritt ins normale Leben zurück. Heute meistert er die Anforderungen des Alltags, der Arbeit und der Ausbildung selbständig.

Der geistig behinderte Andreas Polydorides arbeitet seit 1983 bei EM, heute in der Spedition, ebenso wie Rudolf Cancian, ehemaliger Elektriker, der wegen eines Lungenleidens nicht mehr auf dem Bau arbeiten kann. Tashi Ilber, nach einem psychischen Zusammenbruch zurück in der Arbeitswelt, ist im Wareneingang beschäftigt.

«Der Aufwand, handikapierte Mitarbeiter zu integrieren ist am Anfang manchmal zwar gross», sagt Kurt Stübli, Betriebsleiter von EM. «Doch wenn jemand seinen Platz gefunden hat und die Abläufe reibungslos funktionieren, geht er auf ein normales Mass zurück.» Die handikapierten Mitarbeiter wüchsen in die Arbeit hinein und machten dann einen vollwertigen Job.

Geeignete Arbeit gibt es in jedem Betrieb
Die Kägi + Co AG in Winterthur war bis 2005 reiner Stahlrohr-Grosshändler. Dann riefen der sich verändernde Markt und das schrumpfende Marktvolumen nach einer neuen Strategie. Neue Dienstleistungen sollten angeboten, ein neuer Kundennutzen geschaffen werden. Das Unternehmen kaufte zwei Rohrlaseranlagen, Maschinen die bis 14 Meter lange Rohre mit Durchmessern von maximal 406 Millimetern und einem Gewicht von 2,5 Tonnen bearbeiten können. Und zwar längen sie Rohre nicht einfach nur mit einem geraden Schnitt ab, sondern schneiden dreidimensionale Konturen, komplizierteste Formen, wie sie etwa entstehen, wenn zwei Rohre in schrägem Winkel mit einander verbunden werden sollen.

Die Integration von Mitarbeitern mit einem geistigen oder zerebralen Handikap fing bei der Kägi + Co AG im Jahr 2007 mit der Einstellung von Stefan B. an. Er sorgt für Ordnung im Betrieb und in dessen Umgebung. Michael K. bewegt mit dem Hallenkran Rohre aus dem Lager auf die Sägemaschine und tut dies tatkräftig und absolut zuverlässig. Tobias T.s Haupttätigkeit ist das Entgraten. Er säubert die Schnittkanten der frisch geschnittenen Rohre mit Sorgfalt und verliert dabei nie seine strahlende Laune.

Verlässliche Bezugsperson als Voraussetzung
Raimund Staubli, Leiter des Winterthurer Stahlrohrspezialisten, ist überzeugt, dass es in allen Betrieben Arbeit für Menschen mit einem Handikap gibt und zwar mit wirtschaftlichem Nutzen für das Unternehmen. Arbeiten, die einfach getan werden müssen, ob von einem handikapierten oder von einem anderen Mitarbeiter. Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration sei eine verlässliche Bezugsperson für die Mitarbeiter mit einem Handikap, sagt Raimund Staubli. Auch die Begleitung durch eine kompetente Institution wie Wintegra bezeichnet er als fundamental, vor allem während der Anfangsphase der Integration. Viele Unternehmer hätten grosse Befürchtungen, handikapierte Mitarbeiter einzustellen. Er könne als Unternehmer aber sagen: «Es geht!»

Der «This-Priis» in Kürze

This
This Widmer wurde mit einer zerebralen Lähmung und einer Sehbehinderung geboren. Nach seinem 40. Geburtstag wollte er nicht mehr in einer geschützten Werkstatt arbeiten. Seine Brüder Martin und Lienhard setzten sich dafür ein, dass er eine «richtige Arbeit» bekam. In der Folge arbeitete er während zehn Jahren an zwei Tagen pro Woche in der Küche und am Mensa-Buffet eines privaten Gymnasiums in Zürich. Die ganze Geschichte von This lesen Sie auf
www.this-priis.ch

Die Familie Widmer in Winterthur, Wald und Luzern
Der Vater von This, Hansueli Widmer, regte in seinem Testament die Lancierung des «This-Priis» an und stellte die dafür nötigen Mittel zur Verfügung. Nach seinem Tod setzten seine Frau, Margrit Widmer, und This’ Brüder Lienhard und Martin die Idee um.

Sieben Jahre «This-Priis»
Am 24. Januar 2012, dem Geburtstag von This, wurde der mit insgesamt 25’000 Schweizer Franken dotierte Preis zum siebten Mal verliehen.

(This-Priis/mc/pg)

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