Trotz Corona: Schweizer Berufstätige bleiben wechselfreudig

Trotz Corona: Schweizer Berufstätige bleiben wechselfreudig
(Photo by Ross Findon on Unsplash)

Zürich – Die Corona-Pandemie hat die Schweizer Arbeitswelt im vergangenen Jahr kräftig durchgeschüttelt. Die Karrierepläne wurden davon aber nicht in Schockstarre versetzt: Über die Hälfte der Berufstätigen ist bereit, 2021 den Job zu wechseln. Die Wechselbereitschaft liegt damit praktisch auf Vorjahresniveau. Auch die Zufriedenheit im Job bleibt trotz den Einschränkungen des letzten Jahres hoch. Das geht aus einer repräsentativen Studie im Auftrag des beruflichen Netzwerks XING hervor. Diese zeigt zudem: Vor allem Jüngere machen sich Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes.

Im Auftrag von XING hat das Markt- und Mediaforschungsinstitut Forsa in der Deutschschweiz rund fünfhundert Berufstätige zur aktuellen Arbeitswelt und ihren beruflichen Plänen für 2021 befragt. Die wichtigsten Resultate:

Corona vermag Lust auf neue berufliche Herausforderungen nicht zu dämpfen
Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Berufstätigen ist grundsätzlich bereit, 2021 den Job zu wechseln. Damit ist die Wechselbereitschaft praktisch gleich hoch wie vor einem Jahr (56 Prozent) und zeigt sich von der Corona-Pandemie weitgehend unbeeinflusst. 16 Prozent der Befragten haben sogar bereits konkrete Pläne für einen Job-Wechsel dieses Jahr. Weitere 38 Prozent sind offen für einen Wechsel, haben aber noch keine konkreten Schritte unternommen. Anders als es die hohe Wechselbereitschaft vielleicht vermuten liesse, gibt der Grossteil der Befragten (87 Prozent) an, mit ihrer aktuellen beruflichen Tätigkeit sehr oder eher zufrieden zu sein. Auch dieser Wert liegt auf dem Niveau des Vorjahres.

Jüngere hegen vermehrt konkrete Wechselpläne
Der Blick auf die Altersgruppen zeigt bei den 18 bis 29-Jährigen eine deutliche Zunahme der Personen, die für das kommende Jahr bereits konkrete Wechselpläne haben (29 Prozent vs. 20 Prozent Anfang 2020). Insgesamt abgenommen hat die Wechselbereitschaft bei den über 50-Jährigen. Mit 37 Prozent liegt diese neun Prozent unter dem Vorjahreswert von 46 Prozent.

Pandemie hemmt aktive Jobsuche
Obwohl die allgemeine Wechselbereitschaft praktisch konstant blieb, hält die Corona-Pandemie mitunter wechselbereite Arbeitnehmende davon ab, aktiv nach einer Stelle zu suchen. 49 Prozent der latent wechselbereiten Personen geben an, dass Corona mit ein Grund dafür ist, dass sie sich noch nicht aktiv um eine neue Stelle bemüht haben. Noch deutlich höher ist dieser Wert in der jüngsten Altersgruppe der 18 bis 29-Jährigen. Hier fühlen sich 68 Prozent der latent Wechselbereiten durch die Corona-Pandemie in ihrer aktiven Planung zurückgehalten. Zudem bremst Corona die konkreten Wechselpläne von Mitarbeitenden im Handel deutlich stärker aus als in anderen Branchen.

Dazu XING Schweiz Geschäftsführer Robert Bertschinger: «Eine hohe latente Wechselbereitschaft macht die aktive Kandidatenansprache für Unternehmen noch wichtiger. Es gibt viele Personen, die für einen Wechsel offen sind. Aber im aktuellen Umfeld zögern sie eher, selbst aktiv zu werden. Zu hoffen, dass sich die passende Kandidatin oder der passende Kandidat von alleine meldet, ist deshalb keine erfolgsversprechende Strategie.»

Mittlere Führungsebene leicht weniger zufrieden
Während die Zufriedenheit mit der aktuellen Stelle bei Fachkräften ohne Führungsverantwortung sowie bei Mitgliedern des höheren Managements mindestens gleich hoch wie im Vorjahr ist, nahm bei Arbeitnehmenden im mittleren Management, zum Beispiel Personen mit Teamleitungsfunktion, der Anteil der eher oder sehr Zufriedenen leicht von 90 auf 85 Prozent ab. Dazu Robert Bertschinger: «Mitglieder des Middle Management waren 2020 durch die Arbeit im Homeoffice oft besonders stark gefordert, da sie ihre direkte Führungsverantwortung unter völlig neuen Bedingungen wahrnehmen mussten. Dieser Druck könnte die Zufriedenheit beeinflusst haben.»

Besonders die Jüngeren sorgen sich um ihren Arbeitsplatz
Insgesamt sorgen sich 39 Prozent der Befragten um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes. Besonders den Jüngeren macht die aktuelle Situation zu schaffen. In der Altersgruppe der 18 bis 29-Jährigen macht sich mit 46 Prozent fast die Hälfte Sorgen um die Sicherheit der eigenen Stelle. Im Branchenvergleich sind es mit 56 Prozent vor allem Berufstätige im Handel, die sich Sorgen um die eigene Arbeitsplatzsicherheit machen. Tiefer sind die Werte in den Sektoren Industrie und verarbeitendes Gewerbe (39 Prozent) sowie Dienstleistungen (36 Prozent).

Umgang mit Corona: Gute Noten für Schweizer Arbeitgeber
Knapp zwei Drittel (61 Prozent) der Berufstätigen bewerten den bisherigen Umgang ihres Arbeitgebers mit der Corona-Krise als gut oder sogar sehr gut. Nur 8 Prozent stufen das Verhalten als mangelhaft oder ungenügend ein. Die besten Noten vergeben Arbeitnehmende im Sektor Industrie und verarbeitendes Gewerbe, am kritischsten sind die Beschäftigten im Handel. (XING/mc/ps)

Über die Studie
Im Auftrag von XING hat das Markt- und Mediaforschungsinstitut Forsa im Zeitraum vom 4. bis 11. Dezember 2020 in der Deutschschweiz 501 erwerbstätige Personen ab 18 Jahren mittels Online-Panel befragt. Die Auswahl der Umfrageteilnehmer erfolgte mittels repräsentativer Zufallsauswahl.

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