UBS KMU Barometer: Neue Welt nach SNB-Entscheid

Barometer
(Foto: © eriktham - Fotolia.com)

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Zürich / Basel – Die Aufgabe der Kursuntergrenze hat bei den Industrieunternehmen deutliche Bremsspuren hinterlassen. Das Barometer für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Industrie sank im Februar deutlich auf -1.29 Punkte. Auch das Barometer für die grossen Industrieunternehmen fiel auf -0.73 Punkte, wobei der Einbruch jedoch weniger stark war als derjenige bei den KMU. Der SNB-Entscheid dürfte sich aber nicht nur auf die eher exportorientierte Industrie negativ auswirken, auch die binnenorientierten Unternehmen dürften unter der Frankenaufwertung leiden.

Das Barometer für die kleinen und mittleren Industrieunternehmen ist im Februar deutlich von -0.46 Punkte auf -1.29 Punkte gesunken. Bei den Grossunternehmen war der Einbruch des Barometers viel weniger stark, es fiel von -0.34 auf -0.73 Punkte. Im Vergleich zum Dezember verbesserten sich die beiden Barometer im Januar leicht. Es gilt aber zu beachten, dass fast alle Unternehmen die KOF-Umfrage vor dem Wegfall der Kursuntergrenze beantwortet hatten und die schlechteren Aussichten deshalb nicht in den Resultaten reflektiert sind.

Grossunternehmen dürften weniger unter der Frankenaufwertung leiden
Das Barometer hat sich bei den Grossunternehmen und den KMU auf breiter Front verschlechtert. Besonders stark war der Rückgang der Bestellungseingänge im Vergleich zum Vorjahr bei den Grossunternehmen. Während sonst die schlechtere Beurteilung im Gegensatz zum Januar bei den Grossunternehmen moderat ausfiel, war der Einbruch bei den KMU vor allem punkto Bestellungseingänge, dem Produktionsniveau und allgemeiner Beurteilung der Geschäftslage zu beobachten. Insgesamt dürften die grösseren Unternehmen mit Blick auf die Währungen und die Produktpalette breiter diversifiziert sein als die KMU oder bereits einen Teil der Produktion ins Ausland verlagert haben.

Das eher binnenorientierte Baugewerbe dürfte direkt eher wenig von der Aufhebung der EURCHF-Kursuntergrenze betroffen sein. In einem Zweitrundeneffekt dürften sich aber die höheren Arbeitslosenzahlen und ein geringeres Lohnwachstum negativ auf die Dynamik des Baugewerbes auswirken. Während in den vergangenen Quartalen die Grossunternehmen ihre Auftragsbestände im Baugewerbe stets besser beurteilten als die KMU, veränderte sich diese Situation im ersten Quartal des laufenden Jahres. Die Auftragsbestände der Grossunternehmen blieben nahezu unverändert zum Vorquartal, wohingegen sich diejenigen der KMU stark verbesserten. Auch bei der Geschäftslage drehte sich das Bild, und die KMU beurteilten ihre allgemeine Geschäftslage im ersten Quartal besser als die Grossunternehmen.

Dienstleistungsunternehmen indirekt negativ betroffen
Auch die binnenorientierten Dienstleistungsbranchen dürften sich mittelfristig nicht den Effekten entziehen können, die aus der Aufhebung der Kursuntergrenze resultieren. Ein schwächeres Wirtschaftswachstum, die unter anderem eine schwächere Konsumentenstimmung verursacht hat, dürfte sich auch auf die Dienstleistungsunternehmen auswirken. Im ersten Quartal war aber die Nachfrage nach Dienstleistungen immer noch stabil, wobei in diesem Bereich die Grossunternehmen besser abschnitten als die KMU. Bei den Grossunternehmen hat die Dynamik in den letzten Quartalen zugenommen, bei den KMU hingegen hat sie sich etwas abgeschwächt. Im ersten Quartal beurteilten die meisten Grossunternehmen im Dienstleistungssektor die Ertragslage als besser im Vergleich zum Vorquartal. Bei den KMU war dieser Indikator unverändert.

Der Tourismus gehört wohl zu denjenigen Branchen, die am stärksten unter der Frankenaufwertung leiden werden, ist er doch sehr stark exportorientiert. Rund 55 Prozent der Logiernächte wird von Gästen aus dem Ausland gebucht. Der Tourismus hat bereits sehr stark unter der Frankenaufwertung im Jahr 2011 gelitten und hat sich seither nicht mehr richtig erholt. Die Anzahl der Logiernächte lag zwar in den Jahren 2013 und 2014 leicht höher als 2011, als der Franken innerhalb eines Jahres um 22 Prozent aufwertete. Dieser Anstieg der Logiernächte wurde vor allem durch Gäste aus den Arabischen Emiraten und China getrieben. Zwischen 2011 und 2014 sind die Logiernächte von Gästen aus diesen Ländern um 70 bis 100 Prozent gestiegen. Der grösste Anteil der Logiernächte, die von ausländischen Gästen gebucht werden, fällt nach wie vor auf deutsche Gäste. Und diese blieben der Schweiz auch im Jahr 2014 immer noch fern. Die Anzahl der Logiernächte deutscher Gäste war auch im Jahr 2014 rund 16 Prozent tiefer als im Jahr 2011.

Die schwierige Lage der Tourismusbranche zeigte sich nicht nur bei der Entwicklung der Hotellogiernächte, sondern auch in der Entwicklung der Ertragslage. Ausser ein paar wenigen Lichtblicken sinkt sowohl bei den Grossunternehmen wie auch bei den KMU die Ertragslage seit Jahren.

UBS KMU Barometer

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Quelle: KOF, UBS

Berechnung des UBS KMU Barometers
Das UBS KMU Barometer basiert auf der monatlichen Befragung der KOF in der Industrie (ohne Bau). Es berechnet sich als erste Hauptkomponente von 17 Subindikatoren für die gesamte Industrie, aufgeteilt nach KMU (bis 200 Mitarbeitende) und Grossunternehmen (ab 200 Mitarbeitende). Es wird derart skaliert, dass sein Mittelwert Null und seine Varianz 1 ist.

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