Verhaltener Optimismus in europäischen Unternehmen

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Schweizer Unternehmen blicken pessimistischer in die Zukunft. (Bild: © Kurhan – Fotolia.com)

Zürich – Einer von drei befragten CFOs in Europa schätzt die finanziellen Aussichten seines Unternehmens optimistischer ein als noch vor drei Monaten, so das Ergebnis des ersten European CFO Survey von Deloitte. Unter den 14 berücksichtigten Ländern ist der Optimismus in der Schweiz am geringsten; hierzulande zeigt der Trend im Gegensatz zu anderen Ländern sogar nach unten.

Der European CFO Survey fasst die Ergebnisse von Befragungen zusammen, die Mitgliedsgesellschaften von Deloitte in 14 europäischen Ländern, einschliesslich der Schweiz, durchführten. Insgesamt wurden die Einschätzungen von mehr als 1300 Finanzvorständen analysiert. Im Durchschnitt geben 33% an, ihr Optimismus sei gestiegen, während 18% die Aussichten für ihr Unternehmen weniger positiv beurteilen. Am wenigsten optimistisch blicken die Schweizer Finanzchefs in die Zukunft. Der Nettosaldo in puncto Optimismus liegt dort bei -58%, gefolgt von Norwegen mit -25% und Frankreich mit -11%. Am zuversichtlichsten sind die CFOs in Spanien (67%), gefolgt von Finnland (34%) und den Niederlanden (33%). Allgemein herrscht in den Ländern der Eurozone (20%) mehr Optimismus als bei Nichtmitgliedern (4%).

Ein Nettosaldo von 55% der befragten Finanzchefs sagt, dass das Umfeld ihrer Unternehmen durch ein hohes Mass an Unsicherheit geprägt ist. Für einen Nettosaldo von 23% ist derzeit kein guter Zeitpunkt, um höhere Risiken in der Bilanz einzugehen. Schweizer und deutsche CFOs schätzen die Unsicherheit am höchsten ein. Ihre Risikobereitschaft ist ebenfalls geringer als die ihrer Kollegen in vielen anderen Ländern. Dennoch rechnet ein Nettosaldo von 51% der Europäischen Finanzchefs insgesamt damit, dass der Umsatz ihrer Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten steigen wird. Netto 21% erwarten, dass ihre operative Marge sich verbessern wird.

Verhaltener Optimismus in europäischen Unternehmen – Pessimismus in der Schweiz
In der Schweiz fällt der Ausblick unter allen Ländern am schlechtesten aus. Zwei von drei CFOs (65%) rechnen mit einem Umsatzrückgang und 83% mit geringeren Margen. Während in der Eurozone bei 67% aller Finanzchefs in puncto Umsatz Optimismus herrscht, liegt der Wert in den Ländern ausserhalb der Eurozone bei 62%. Gleiches gilt für die operative Marge: Innerhalb der Eurozone sind 50% optimistisch, ausserhalb 34%.

Michael Grampp, Leiter des European CFO Survey und Chefökonom bei Deloitte in der Schweiz, erläuterte: «Die CFOs lassen in ihren Geschäftsstrategien immer noch Vorsicht walten. Sie räumen Kostensenkungen und Kontrolle Vorrang ein – ein Trend, den wir schon seit mehreren Jahren beobachten und der sich 2015 fortzusetzen scheint. Am deutlichsten zeigt sich dies in den Ländern ausserhalb der Eurozone, in denen länderspezifische Ereignisse, wie die Aufhebung des Mindestkurses in der Schweiz, den Optimismus der Unternehmen trüben. Insgesamt sind die Finanzvorstände in Bezug auf Umsatzwachstum und einen Anstieg der operativen Margen optimistischer gestimmt. Dies gilt allerdings weniger für die Länder ausserhalb der Eurozone und insbesondere für die Schweiz.»

Kleinere Eurozone wachstumsfördernd?
Durchschnittlich 8% sind für die Auflösung des Euro (3% in den Ländern der Eurozone, 17% ausserhalb und 11% in der Schweiz). 41% sind der Meinung, dass eine Verringerung der Mitgliedstaaten der Eurozone wachstumsfördernd sein würde (32% in den Ländern der Eurozone, 55% ausserhalb und 58% in der Schweiz). 36% der CFOs in der Eurozone befürworten die Umverteilung politischer Befugnisse an nationale Regierungen, verglichen mit 67% in Ländern ausserhalb der Eurozone.

Insgesamt sind CFOs der Meinung, dass mehr nationale Strukturreformen die Wettbewerbsfähigkeit in Europa verbessern werden: 93% halten dies für wirksam oder sehr wirksam für die Wachstumsförderung. Die Erhöhung öffentlicher und paneuropäischer Investitionsausgaben halten viele ebenfalls für wichtig: 83% der Finanzvorstände glauben, mehr Investitionen würden das Wachstum ankurbeln, 56% fordern ein Ende der Sparmassnahmen.

Strategische Prioritäten der CFOs – und Risiken für ihre Unternehmen
In der Bewertung ihrer fünf dringlichsten strategischen Prioritäten zeigtsich, dass die Finanzchefs in der Defensive bleiben. Kostenkontrolle ist für die CFOs in 11 von 12 Ländern, die diese Frage beantworteten, oberste oder zweitwichtigste Priorität, gefolgt von organischem Geschäftswachstum sowie der Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen. Die Erhöhung der Investitionsausgaben wird lediglich von CFOs aus sechs Ländern als eine der fünf obersten Prioritäten genannt, und selbst dann nur als viert- oder fünftwichtigste Strategie.

Auf die Frage nach den grössten Risiken für ihre Unternehmen gaben die CFOs in ganz Europa in der Regel geopolitische Risiken, potenzielle Nachfragerückgänge im In- oder Ausland oder eine stärkere Regulierung als ihre grösste Sorge an. Interne Unternehmensrisiken, wie die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte und Arbeitskosten, wurden als vergleichsweise weniger wichtig bewertet.

Chris Gentle, Leiter f EMEA Research bei Deloitte, erklärte: «Gute Nachrichten über die europäische Wirtschaft waren in den letzten Jahren Mangelware, doch viele grössere Unternehmen – insbesondere in der Eurozone – sehen der Zukunft nun zuversichtlicher entgegen. Die Unsicherheit nimmt bedingt durch geopolitische und umfassendere wirtschaftliche Risiken immer noch zu und könnte die Entscheidungssicherheit bei geschäftlichen Investitionen immer noch beeinträchtigen. Dies führt uns vor Augen, dass die Geschäftsbelebung noch nicht Fahrt aufgenommen hat.» (Deloitte/mc/ps)

Über den European CFO Survey von Deloitte
Der erste European CFO Survey von Deloitte umfasst die Ergebnisse von Befragungen, die Mitgliedsgesellschaften von Deloitte in 14 Ländern durchführten, einschliesslich der Schweiz. Insgesamt wurden die Ansichten von über 1300 CFOs analysiert.  
Die vollständigen Ergebnisse können Sie hier herunterladen.

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