Volatilität an Märkten drückt auf Deckungsgrad von Schweizer Pensionsplänen

Peter Zanella

Peter Zanella, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson in Zürich.  (Bild: Flickr)

Zürich – Der Deckungsgrad von Schweizer Pensionsplänen hat sich im ersten Quartal verschlechtert, wie die neuste Towers Watson Studie zeigt. Die Entwicklung des Marktes während des ersten Quartals des Jahres haben der jüngsten Verbesserung der Bilanzen und der damit verschafften Atempause für Schweizer Unternehmen im Zusammenhang mit der Berichterstattung ihrer Pensionskassen ein Ende gesetzt. Dies ergibt die kürzlich veröffentlichte Studie von Towers Watson. Zwar konnte ein Anstieg der Planvermögen verzeichnet werden, doch die Pensionsverpflichtungen stiegen seit dem Vorquartal im Vergleich zum Vermögen stärker an. Insgesamt verschlechterte sich so der hypothetische Deckungsgrad (d.h. das Verhältnis des Planvermögens gegenüber den Pensionsverpflichtungen) um rund 3 Prozentpunkte, wie der Towers Watson Pension Index zeigt. Dieser sank von 102,9 per 31. Dezember 2013 auf 99,9 per 31. März 2014.

Diese Zahlen stammen aus dem vierteljährlich von Towers Watson im Swiss Pension Finance Watch veröffentlichten Pension Index. Dieser Index basiert auf den International Accounting Standards (IAS) und stellt die quartalsweise Entwicklung des Ausfinanzierungsgrades dar, statt den sonst typischen Deckungsgrad der schweizerischen Pensionspläne anzugeben.

«Trotz der sehr guten Performance des letzten Jahres, haben sich die jüngsten Marktentwicklungen negativ auf die Unternehmensbilanzen ausgewirkt. Wir sollten aber nicht vergessen, dass jede Geschichte zwei Seiten hat», so Peter Zanella, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson in Zürich.

Optimierung von Pensionsplänen als oberste Priorität
Zanella zufolge zeigt dies, wie die anhaltende Unsicherheit im Markt die Lage beeinflusst: «Die Bewegungen des letzten Quartals im Vergleich zu früheren Quartalen verdeutlichen, welchen negativen Einfluss die Volatilität in den Anlagemärkten auf die Bilanzen der Unternehmen haben kann.» Die erhöhte Volatilität bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Bei der Optimierung und Gestaltung der Anlagestrategie für einen Pensionsplan ist es daher entscheidend, ob es gelingt von den Vorteilen der erhöhten Volatilität zu profitieren und den Einfluss der Nachteile zu begrenzen.

Die Optimierung von Pensionsplänen ist wichtiger als je zuvor, denn nur ein knappes Viertel der Schweizer Manager glaubt, dass die Pensionspläne des eigenen Unternehmens die notwendigen Anforderungen für 2020 erfüllen. Mehr als die Hälfte geht davon aus, dass die Kosten von Pensionsplänen steigen werden, wie eine neue Studie ergibt, die von der Economist Intelligence Unit in Partnerschaft mit Towers Watson durchgeführt wurde. «Die Studie zeigt, dass Kostenkontrolle für die Unternehmen weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird. Risiken für die Firmen in Zusammenhang mit Ihren Pensionspläne sollten daher mit geeigneten Massnahmen minimiert werden», so Zanella.

Positiver Einfluss der Vermögen durch negativen Einfluss auf Verpflichtungen zunichte gemacht
Die Vermögen sind im Verlauf des Quartals generell gewachsen, während die Anleiherenditen im selben Zeitraum gesunken sind. Dies hat dazu geführt, dass ein positiver Einfluss der Vermögenszunahme durch den negativen Einfluss der gestiegenen Anleiherenditen auf die Verpflichtungen zunichte gemacht wurde. Die Anlagerenditen lagen im ersten Quartal mit 2,2% im positiven Bereich. Dennoch nahm der in der Studie von Towers Watson verwendete Benchmark-Diskontierungssatz um ungefähr 39 Basispunkte (0,39%) ab. Dies führte insgesamt zu einer Verschlechterung des Deckungsgrads von ungefähr 3 Prozentpunkten.

Adam Casey, Senior Consultant bei Towers Watson, betont, dass es wichtig ist, sich der Möglichkeiten die Bilanz eines Pensionsplans zu beeinflussen, bewusst zu sein. «Ein besonders aktueller und relevanter Trend ist, angesichts der tiefen Zinsen und der gestiegenen Lebenserwartung, die bei Rentenbeginn angewandten Rentenumwandlungssätze auf ein realistischeres Niveau abzusenken. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf die Unternehmensbilanzen aus. Die Unternehmen könnten mit den Stiftungsräten über die Umsetzung einer solchen Veränderung diskutieren», so der internationale Aktuar. Tatsächlich konnte dieser Trend erst kürzlich erneut beobachtet werden, als nach fast zehn Jahren die erste voll versicherte Sammelstiftung ihre Umwandlungssätze senkte. Erfahrungsgemäss veranlassen Entwicklungen wie diese auch andere voll versicherte Anbieter nachzuziehen.

140414_ps_05

Der Pension Index misst die Veränderungen des Verhältnisses zwischen dem Planvermögen und den Pensionsverpflichtungen eines Benchmark-Pensionsplans.

Abbildung: Towers Watson Pension Index (Schweiz)

Hintergrundinformationen zur Studie
Der Swiss Pension Finance Watch untersucht vierteljährlich die Auswirkungen von Kapitalmarktentwicklungen auf die Finanzierung von Pensionsplänen in der Schweiz. Die Studie ist ein Teil des Global Pension Finance Watch von Towers Watson, dessen Ergebnisse bis ins Jahr 2000 zurückgehen. Die Studienergebnisse werden vierteljährlich veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt auf dem Anlagevermögen und den Verpflichtungen. Der Bericht deckt Pensionspläne in Brasilien, Kanada, der Eurozone, Japan, der Schweiz, Grossbritannien und den USA ab.

Die Auswirkungen der Kapitalmärkte auf diese Pensionspläne betreffen zwei Bereiche:

  • Die Auswirkungen der Anlageperformance auf das Planvermögen
  • Die Auswirkungen von wirtschaftlichen Annahmen auf die Pensionsverpflichtungen (gemäss International Accounting Standards)

Dem Modell von Towers Watson liegt ein Benchmark-Pensionsplan zugrunde, der die Pensionsverpflichtungen und das Planvermögen (inkl. Vermögensmix) darstellt, die typischerweise im jeweils betrachteten Pensionsmarkt vorkommen. Anhand der Auswirkungen von Kapitalmarktentwicklungen auf das Vermögen und die Verpflichtungen wird ein Pension Index erstellt. Dieser bildet die Veränderungen im Ausfinanzierungsgrad des Benchmark-Pensionsplans ab. (Towers Watson/mc/ps)

Über Towers Watson
Towers Watson, eine der führenden Unternehmensberatungen weltweit, unterstützt Kunden und deren Unternehmenserfolg durch ein effektives HR-, Finanz- und Risikomanagement. Mit rund 14‘000 Mitarbeitern weltweit entwickelt das Unternehmen Lösungen in den Bereichen betriebliche Altersversorgung und Nebenleistungen, Personal- und Vergütungsmanagement sowie Risiko- und Finanzmanagement, einschliesslich der Beratung von Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmen. In der Schweiz ist Towers Watson mit Büros in Zürich und Lausanne vertreten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.