Aktienzins statt Sparzins

Aktienzins statt Sparzins

 Von Dieter Haas , Derivative Partners Media AG, www.payoff.ch

Viele Anleger sitzen auf unrentablen Nominalwertpapieren, trauen sich jedoch nicht, in den Aktienmarkt zu wechseln. Für sie bieten dividendenstarke Titel eine echte Alternative. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen.

Der klassische Anleger geht höchst ungern Wagnisse ein. Sein Motto lautet: «Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.» In den glorreichen 80er- und 90er-Jahren sah dies anders aus. Damals lohnte es sich, auf volatile Aktien zu setzen. Erst das Platzen der Technologie-Hausse um die Jahrtausendwende führte zu einem Umdenken. Die Ursachen der Trendwende wurden bisher kaum erforscht. Nach wie vor predigt die überwiegende Mehrheit der Finanzwissenschaftler die bestehende Lehrmeinung, wonach das Eingehen höherer Risiken im Schnitt höhere Erträge bringt. Dabei zeigen Untersuchungen der letzten Jahre, dass zyklische Aktien in der jüngsten Hausse seit 2009 dem Geschehen hinterherhinken. In einem Umfeld mit niedrigen oder immer häufiger sogar negativen realen Renditen steuern die Ausschüttungen einen immer gewichtigeren Anteil zur Gesamtrendite bei. Viele Anleger unterschätzen die Bedeutung der Dividenden in der Beurteilung des Gesamtertrages von Aktieninvestitionen. In der Schweiz trugen Dividenden auf Gesamtmarktebene in den letzten zwei Dekaden fast 44% des Gesamtertrages bei. Untersuchungen der Allianz zeigen, dass die Dividende in Europa seit 1970 knapp 40% des Gesamtertrags ausmachte, während ihr Anteil in anderen Regionen wie Nordamerika oder Pazifik über ein Drittel betrug. Eine Studie des Deutschen Instituts für Portfolio-Strategien brachte das folgende Ergebnis für den Aktienmarkt unseres nördlichen Nachbarlandes: «Aktien von Unternehmen, die im Vorjahr eine Dividende gezahlt haben, haben sich im Zeitraum 2002-2014 fast doppelt so gut entwickelt wie der Gesamtmarkt. Noch dramatischer ist der Abstand bei den Ausschüttungs-Verweigerern: Dividenden-Abstinenzler waren für den Anleger per Saldo ein Nullsummenspiel.»

Stabile Dividendenrendite vs. sinkende Kursrendite

Die steigende Bedeutung der Dividendenrendite am Gesamtertrag lässt sich leicht veranschaulichen. Es genügt eine Grafik der jährlichen Kurs- und Dividendengewinne des S&P 500 mit eingebauter linearer Trendlinie. Während der Performancebeitrag der Dividende stets positiv war, schwankten die Aktienkurse heftig mit Kursgewinnen von 34,1% (1995) bis zu Verlusten von 38,5% (2008). Zudem schmolz der Anteil der erzielten Wertsteigerungen wie Schnee an der Sonne, wie anhand der Trendlinie ersichtlich wird. In den kommenden Jahren wird sich an diesem Gesamtbild wenig verändern. Es dürfte im Gegenteil sogar weiter an Bedeutung gewinnen.

Bedingt durch die Geldspritzen der Zentralbanken werden die Anleiherenditen niedrig bleiben. Nach den schönen Kursfortschritten wird die Luft an den Aktienmärkten allerdings allmählich dünner, weshalb damit zu rechnen ist, dass die Schwankungen in den kommenden Monaten zunehmen werden. Vor diesem Hintergrund führt kein Weg an Aktien vorbei, die mit einer hohen Dividendenausschüttung glänzen, ein intaktes Wachstumspotenzial aufweisen und einen hohen Free Cashflow generieren. Aktien mit einer hohen Dividendenrendite weisen zudem wesentlich geringere Schwankungen auf als solche ohne Dividendenzahlungen. Das zahlt sich besonders in Baissen aus.

«Untersuchungen zeigen, dass die Dividende in Europa seit 1970 knapp 40% des Gesamtertrags ausmachte.»

Grosse Unterschiede bei Dividendenstrategien

Die Umsetzung in Konzepte, basierend auf dem Merkmal Ausschüttung, hat seine Tücken. Eine Selektion alleine aufgrund der Dividendenhöhe taugt in der Regel wenig. Eine solch naive Strategie hätte bspw. 2008 dazu geführt, dass ein Portfolio bestehend aus Aktien mit einer hohen Dividendenrendite stark bankenlastig gewesen wäre. Dabei traf es diesen Sektor in der anschliessenden Finanzkrise besonders hart. Eine clevere Dividendenstrategie beinhaltet daher mehrere Kriterien. Dazu gehören eine vertrauenswürdige Dividendenhistorie, eine vertretbare Ausschüttungsquote und anderes. Mehrschichtige Ansätze, wie die in der Grafik aufgeführten, schlagen Weltaktienindizes bei Weitem. Es gibt aber beträchtliche Unterschiede.

«Die weltweiten Dividendenzahlungen 2014 erreichen schätzungsweise einen Wert von USD 1.2 Bio.»

Indexkonzepte im Detail

Das Prädikat «gut» bekommt für den Zeitraum ab 2007 der DJ Global Dividend Index. Er filtert sein Anlageuniversum aus über 7’200 Aktien, die etwa 95% der Börsenkapitalisierung der industrialisierten Länder abdecken. Für den Themen-Benchmark werden mithilfe verschiedener dividendenbezogener Kriterien sowie der Marktliquidität jährlich die 100 besten Aktien selektiert. Die Zusammensetzung nach Ländern und Sektoren unterliegt dabei grösseren Schwankungen. So verloren seit 1999 UK und die USA an Bedeutung, während Frankreich, Spanien und Deutschland an Gewicht zugelegt haben. Auf Sektorebene ist der starke Rückgang der Finanzdienstleistungen ab 2008 augenfällig. Ihre Anteilsverluste wurden vor allem durch Zunahmen der Branchen Telekommunikation und Energie kompensiert.

Die Schweizer Variante ist etwas enger gefasst als diejenige des DJ Global Select Dividend Index. Sie umfasst 15 Titel, die hinsichtlich der Kriterien Dividendenrendite, Dividendenwachstum, Zuwachs beim Gewinn je Aktie und Eigenkapitalrendite in den vergangenen drei Jahren zu den Besten gehörten.

Etwas simpler gestrickt ist der jährlich im September zusammengestellte DivDAX. Er enthält die 15 Unternehmen des DAX mit den höchsten Dividendenrenditen. Das Konzept orientierte sich bei seiner Schaffung an der Anlagestrategie des Dogs of the Dow.

Dem Aspekt der Verlässlichkeit wird beim S&P 500 Dividend Aristocrats Index hohes Gewicht eingeräumt. Er enthält US-Unternehmen, die in den vergangenen 25 Jahren ihre Dividende kontinuierlich erhöht haben. Die Mindestzahl der im Index quartalsweise gleich gewichteten Titel liegt bei 40. Seit der Auflegung des Index in 1989 verzeichnete der US Aristocrats nur vier Jahre mit einer negativen Jahresrendite (1999, 2002, 2007 und 2008).

Der UBS Global Dividend Payers Index wählt aus einem Universum von 3’300 Titeln quartalsweise 30 Substanzaktien aus. Sie vereinen nebst einer attraktiven Dividendenrendite Qualitätsmerkmale wie ein starkes Wachstum, eine hohe Profitabilität sowie eine gemässigte Bewertung. Des Weiteren wird bei der Auswahl auf eine gesunde Bilanzstruktur, einen positiven Cashflow, eine ansprechende Eigenkapitalrendite und auf ein nachhaltiges Umsatz- und Gewinnwachstum geachtet. Abgerundet wird das Ganze durch Liquiditätsfaktoren sowie eine ausgewogene, sich am Weltaktienindex MSCI orientierende Länder- und Sektorgewichtung. Der MSCI World dient als Richtmass. Basierend auf den Einschätzungen des UBS Investment Bank Research kann die quartalsweise vorgenommene Ausrichtung aber bewusste Abweichungen vornehmen. So wird gegenwärtig die USA im Vergleich zu Europa untergewichtet. Die Schweiz ist aktuell mit drei Titeln im Index vertreten (Novartis, Roche und Adecco). Das ausgeklügelte Konzept schnitt in der Beobachtungsperiode seit Anfang 2007 am besten ab.

«Aktien mit einer hohen Dividendenrendite weisen geringere Schwankungen auf als solche ohne Dividendenzahlungen.»

Empfehlenswerte ETFs und Tracker-Zertifikate

Auf alle erwähnten Dividendenindizes wurden Tracker-Zertifkate und/oder ETFs begeben. Die empfohlenen Partizipationsprodukte schlagen dabei nicht nur den Weltaktienindex, sondern entwickeln mindestens parallel zur Performance des Weltaktien-High-Dividend Index von MSCI. DIVQC, die CHF-Tranche auf den UBS Global Players Dividend Index, legte seit Mitte 2012 wertmässig um gut 40% zu. Damit belegte es Platz vier in unserer Bestenliste. Gegen eine Managementgebühr von 1% bietet es eine laufzeitunbegrenzte Positionierung im Basiswert. Geschlagen wurde DIVQC  vom ETF CBDDAX der Commerzbank auf den DivDAX. Die in EUR und CHF gehandelten ETFs sind seit Juli 2011 an der SIX Swiss Exchange kotiert. Sie setzen auf eine synthetische Replikationsmethode. Bei diesem Ansatz erfolgt die Indexnachbildung über ein Tauschgeschäft (Swap). Noch besser schnitt seit Juli 2012 das Tracker-Zertifikat SWDIV ab. Es lieferte sich mit dem ETF USDV auf den SPDR S&P US Dividend Aristocrats ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen. Im Unterschied zu CBDDAX basiert der seit Januar 2012 an der SIX Swiss Exchange erwerbbare USDV auf einer physischen Replikation. Bei dieser Art der Indexnachbildung kauft der ETF die Wertpapiere, die im Index enthalten sind, und zwar in genau dem Verhältnis, das ihrer Gewichtung im Index entspricht. Für Anleger, die explizit auf Europa setzen möchten, kommt ein Kauf der vor kurzem aufgelegten Tracker-Zertifikate VZHDC (CHF), VZHDG (GBP) und VZHDE (EUR) auf den Solactive European High Dividend Low Volatility Index infrage (siehe Product News). Das Konzept ist stimmig, allerdings weisen die drei von den erwähnten Produkten mit 1,20% die höchste jährliche Managementgebühr auf.

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Kein Ende der Anomalie in Sicht

Die Vorliebe nach dividendenstarken Aktien bleibt ein Dauerthema. Es spricht einiges für eine Fortsetzung des unterdurchschnittlichen weltwirtschaftlichen Wachstums bis mindestens zum Ende des Dezenniums. Wegen der steigenden Gewinnentwicklung seit der Finanzkrise sind die Ausschüttungsquoten der Konzerne deutlich gesunken. Sie besitzen daher viel Spielraum für zukünftige Dividendenerhöhungen. Laut dem Henderson Global Dividend Index werden die weltweiten Dividendenzahlungen 2014 schätzungsweise einen Wert von USD 1.2 Billionen erreichen (+12,6%). Alex Crooke, Head of Global Equity Income bei Henderson Global Investors, rechnet für 2015 mit einem weiteren, im Vergleich zu 2014 allerdings etwas schwächeren Anstieg der Ausschüttungen. Dividendenstarke Unternehmen versprechen somit, auch in Zukunft einer der wenigen Garanten für das Erzielen einer vernünftigen Rendite zu sein. Weniger Risiko brachte in der jüngsten Vergangenheit meist mehr. Der Spatz in der Hand ist sprichwörtlich besser als die Taube auf dem Dach. Übersetzt in die Finanzwelt bringen «langweilige» Dividendentitel häufig die höheren Erträge als Highflyers. Zudem schont ein breit diversifiziertes Engagement in solchen Werten das Nervenkostüm eines Anlegers.

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